Diese Gips-Kristalle (Eisleben, vergrößert), hat Fred Koch vor Februar 1931 fotografiert. Foto: bpk-Bildagentur / Fred Koch
© bpk-Bildagentur / Fred Koch

Kunsttipp der Woche Die Schönheit des Kristalls

Birgit Rieger

Wiederentdeckung: Die Naturfotografie von Fred Koch wird in der Alfred Ehrhardt Stiftung gezeigt.

Die Natur ist in Sachen Kreativität und Formenvielfalt kaum zu überbieten. Was Malerei und Bildhauerei hervorbringen können, ist in der Natur oft schon angelegt. Es gehört andererseits viel Kunstfertigkeit dazu, die Schönheit von Pflanzen, Mineralien und Korallen wahrzunehmen und sie dann auch noch sichtbar zu machen. Ein Meister auf diesem Gebiet ist der Fotograf Fred Koch, dem die Alfred Ehrhardt Stiftung ab dieser Woche eine Einzelausstellung widmet.

Fred Koch, 1904 geboren, starb 1947 in Kriegsgefangenschaft. Aufgrund seines frühen Todes und weil er seine Pflanzenaufnahmen oft anonym oder im journalistischen Kontext veröffentlichte, geriet sein Werk zunehmend in Vergessenheit. Jetzt werden Kochs Schwarzweißaufnahmen als Meilensteine der neusachlichen Naturfotografie wiederentdeckt.

Etwa 100 Bilder aus den zwanziger und dreißiger Jahren hat die Alfred Ehrhardt Stiftung über Jahre hinweg recherchiert. Auch Alfred Ehrhardt, der Namensgeber der Stiftung, hatte sich für seine „fotografische Kristallographie“ die meisterhaften Aufnahmen Fred Kochs zum Vorbild genommen.

Winzige Kristalle sehen aus wie komplexe Architekturen

Koch hat Mineralien, Kristalle, Pflanzen, Insekten und Eisblumen mithilfe technisch ausgeklügelter Makroaufnahmen und eines gekonnten Umgangs mit Licht und Schatten theatralisch, manchmal surreal in Szene gesetzt. So fotografiert er etwa eine Erbsenschote im Querschnitt, zeigt Hülse und Frucht frontal, es sieht aus wie ein Jugendstilornament.

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Ähnliches gelingt ihm mit den Zangen des Hirschkäfers. Bei den Detailaufnahmen eines Wismut-Kristalls aus Bolivien oder von Bleiglanz aus Sachsen leuchtet er die Oberflächen der winzigen Mineralien so gekonnt aus, dass sie wirken wie große, komplexe Architekturen, metallisch glänzend wie Gold oder Bronze.

Höchste Kunstfertigkeit

Die Ausstellung zeigt auch, dass Kochs Kristallaufnahmen die seiner Zeitgenossen in Detailreichtum, Schärfe und Präzision weit übertreffen; insbesondere die Bilder von Albert Renger-Patzsch, einem Meister der neusachlichen Fotografie und Kochs Vorgänger als Leiter des Bildarchivs des Folkwang-Verlags, für das beide in großem Stil Pflanzenaufnahmen erstellten.

[Alfred Ehrhardt Stiftung, bis 24.4., Di-So 11-18 Uhr]

Pflanzen und Mineralien in der Fotografie quasi zum Leben zu erwecken, sie dramatisch zu inszenieren, entsprach dem lebensphilosophischen Zeitgeist der Weimarer Republik. Kochs fotografischer Blick war geprägt von einem frühen „grünen“ Denken, das der Forscher und Fotograf Ernst Fuhrmann „Biosophie“ nannte und das darauf hinwies, dass der Mensch nur ein Lebewesen unter vielen ist und alles Belebte miteinander zusammenhängt.

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