Schön schlicht. John Pawsons Zehlendorfer Neubau für die Galerie Bastian. Foto: Céline Bastian
© Céline Bastian

Kunst und Markt Fotos von John Pawson in der Galerie Bastian

Die Galerie Bastian zeigt Fotografien des britischen Architekten John Pawson. Er erbaute auch ihr Zehlendorfer Ausstellungshaus.

Unter den zeitgenössischen Architekten ist John Pawson einer der kompromisslosesten. Eine kürzliche Buchveröffentlichung über sein Werk trägt den deutlichen Titel „Anatomy of Minimum“. Im bayerischen Flecken Unterliezheim hat der 72-jährige Brite eine Kapelle aus Baumstämmen gezimmert, deren äußere Form an eine hochkant gestellte Zigarrenschachtel denken lässt.

Als eine ganz ähnliche Schachtel zeigt sich das Gebäude der Galerie Bastian, das Pawson auf ein von zwei Straßen bedrängtes Restgrundstück in Berlin-Zehlendorf gestellt hat. Eingeschossig mit flachem Dach, das Innere belichtet durch raumhohe Fenster. Ein großer Raum für Ausstellungszwecke nimmt den Großteil der Grundfläche ein, abgeteilt davon sind ein Raumstreifen fürs Büro und einer für Eingang und Garderobe.

Pawson im Pawson-Haus

Nun stellt die Galerie Bastian in ihrem Pawson-Haus Pawson aus: 16 Fotografien des Architekten respektive deren Abzüge im identischen Quadratmaß von 65 auf 65 Zentimetern Sie zeigen Details eines weiteren Pawson-Bauwerks, nämlich des eigenen Hauses „im ländlichen Oxfordshire“, wie die Galerie mitteilt.

John Pawson nennt das Gebäude oder eher ein Ensemble „Home Farm“, und er verrät auf seiner Website, was ihm bei dem über Jahre sich hinziehenden Entwurf sowie dem Ausbau der vorhandenen Substanz als Ziel vorschwebt: „Einfache Räume zu schaffen, mit dem, was allein erforderlich ist und nicht mehr, wo sich das Auge so wohl fühlt wie der Körper.“ Pawson verfolgt eine Ästhetik des Weglassens, „bis das, was übrig bleibt, durch weitere Reduktion nicht weiter verbessert werden kann“.

[Galerie Bastian, Taylorstraße 1, bis 1. Mai; Besichtigung nach Anmeldung unter www.bastian-gallery.com]

Was übrig bleibt, ist allerdings nicht nur oder eher gar nicht physischer Natur. So jedenfalls sagen es die Fotografien. Sie zeigen Gegenstände, Material und Oberflächen, aber sie handeln von etwas Ungreifbarem: nämlich dem Licht. Das Licht, das seitlich einfällt und die kaum geschlämmte Ziegelwand bestreicht, das Licht, das die Sprossen eines Fensters auf eine glatte Wand malt, das Licht, das unterschiedliche Farben annimmt, je nachdem wie es von welcher Wand, von welchem Holz einer in den Raum ragenden Treppe zurückgeworfen wird. Holz, Ziegel, Mauerwerk; aber nie ein Fenster selbst, sondern nur dessen Abbild.

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Fotografie heißt wörtlich „mit Licht zeichnen“; Pawson zeichnet nicht nur mit Licht, sondern das Licht selbst. Es ist die äußerste Reduktion, die diese 16 Fotografien, entstanden binnen zweier Jahre zwischen April 2019 und April 2021, bezeugen (jeweils 2er Auflage, 6200 €).

Harmonie und Balance

Man wüsste nicht, was man hier noch wegnehmen könnte; umgekehrt, würde man etwas hinzufügen wollen, müsste es die Harmonie, die Balance dieser im Übrigen durchaus nicht symmetrisch angelegten Kompositionen stören.

„Looking for Light“, ist die Ausstellung überschrieben. Was sie zeigt, findet paradoxerweise keine Entsprechung in dem Raum, in dem sie zu sehen ist. Der Galerieraum entbehrt der Dramatik, die Pawsons Fotografien allein aus dem Licht ziehen, das sie abbilden. In der Galerie leuchten die beiden über Ecke gestellten Fenster den Raum schattenlos aus. Er ist die perfekte Hülle für die ausgestellten Bilder. Auch an diesem Raum ist keine weitere Reduktion möglich.

John Pawsons gebautes Werk ist vergleichsweise schmal, es erfordert Zeit und Disziplin. Wie sich die maximale Reduktion zum Leben verhält, das diese Bedingungen zuallermeist nicht erfüllt, ist eine andere Frage. Man nimmt sie mit, unbeantwortet, wenn man aus dem klösterlichen Galeriegebäude hinaustritt in den banalen Alltag der Stadt und ihres Verkehrs.

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