Die Soulsängerin Tarriona „Tank“ Ball improvisiert in den Tiny Desk Home Concerts von NPR auf ihrem Sofa zu Hause zum Thema Social Distancing. Foto: Imago/Zuma Press
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Kulturtipps für Corona-Zeiten Was machen wir heute? Streaming-Vorschläge für den Montag

Museen, Theater, Clubs, alles geschlossen? Tipps für digitale Kulturflaneure: Heute sind wir zu Besuch bei der Soulsängerin Tarriona "Tank" Ball.

Pop-Tipp

Die Tiny Desk Concerts des US-Radionetzwerks NPR – hunderte von ihnen sind auf Youtube abrufbar – sind ein tolles Format. Newcomer oder Weltstars wie Adele, Coldplay und Taylor Swift geben im unaufgeräumten Büro eines Radiomoderators vor wenigen enthusiastischen Zuschauern eine gut viertelstündige Kostprobe ihres Könnens. Da selbst diese intime Konzertsituation in Corona-Zeiten nicht mehr möglich ist, gibt es nun die Tiny Desk Home Concerts. Im neuesten sitzt die famose Soulsängerin Tarriona „Tank“ Ball (der Tiny-Desk-Auftritt ihrer Band Tank and The Bangas von 2017 ist ein Highlight der Reihe) auf dem heimischen Sofa und improvisiert zu elektronischen Sounds aus dem Tablet zum Thema Social Distancing. Sehr charmant. (www.youtube.com/watch?v=bvQnLyjDuEg)

Satire-Tipp

Der Autor, Slampoet, Multifunktionssatiriker, Berliner Exil-Ostwestfale und Chef des Satyr-Verlags Volker Surmann liest eine halbe Stunde aus seinen Texten, auf Einladung des Lektora-Verlags. Zuletzt ist bei Satyr sein Buch „Bloßmenschen. Schöner schämen für alle“ erschienen. Der frühere Hausautor der Stachelschweine, der eigenen Angaben zufolge auf einem Bauernhof im Teutoburger Wald aufwuchs und sich dort als Siebenjähriger statt Treckerfahren das Schreibmaschinetippen im Dreieinhalbfingersuchsystem draufschaffte, trägt unter anderem seinen berüchtigten „Wider den Penis!“-Text vor. Und er verspricht ein aktuelles „Tool“ zur Corona-Selbstdiagnose. Ab 20 Uhr, auch auf Facebook: www.facebook.com/events/899134123871447/

Klassik-Tipp

Die Bayerische Staatsoper lädt wieder zum Live-Montagskonzert im leeren Saal. Leider entfällt der bereits angekündigte Auftritt von Jonas Kaufmann, er ist leicht erkältet. Stattdessen singt die Sopranistin Adela Zaharina Arien von Bellini, Gounod und Puccini. Anschließend spielt die Stargeigerin Julia Fischer, unter anderem Edward Griegs c-moll-Violinsonate, op .45 Nr. 3. Wie schon letzte Woche sind außerdem Mitglieder des Bayerischen Staatsballetts und des Staatsorchesters dabei, mit Soli aus dem „Nussknacker“, einem garantiert coronarisikofreien Pas-de-Deux mit Puppe aus Roland Petits „Coppélia“-Choreografie und einer Sonate für zwei Violinen von Eugène Ysaÿe. Ab 20.15 Uhr auf www.staatsoper.de.
PS: Übrigens, die Berliner Philharmoniker haben die Freischaltung ihrer Digital Concert Hall über Ende März hinaus verlängert! Hier nochmals die Top-Ten des Kollegen Frederik Hanssen der Online-Konzertbibliothek.

Kunst-Tipp

Gehören Sie auch zu denjenigen, die eigentlich immer mal gerne ein bisschen Kunstgeschichte studiert hätten? Das Frankfurter Städel hilft online nach, mit einem Digitalkurs über die Kunst von 1750 bis in die Gegenwart. Kurz mit Mailadresse und Passwort registrieren und los geht’s. Der Schauspieler Sebastian Blomberg spielt den leicht ironischen Dozenten, verrät in „Modul 1“ erstmal, dass die durchschnittliche Verweildauer der Museumsbesucher vor einem Bild elf Sekunden beträgt und lädt zur heiteren Schule der Wahrnehmung. Bild Nummer Eins: Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins berühmtes „Goethe in der Campagna“-Porträt. Die Seite funktioniert großartig, können die Berliner Staatlichen Museen sich echt was abgucken, auch bei den anderen Videos und Podcasts. Wer will, ist Tage beschäftigt. Aber Achtung, es gibt Hausaufgaben! (onlinekursmoderne.staedelmuseum.de)

(Zusammenstellung: wun, chp)

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