Claes Oldenburg im Museum Ludwig vor seinem Werk "Shoestring Potatoes, Spilling from a Bag, 1966". Foto: Henning Kaiser/dpa
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Künstler Claes Oldenburg zum 90. Lakonische Objekte führten zum Ruhm

Riesenhaft vergrößerte Alltagsobjekte sind sein Markenzeichen: Dem großen Pop-Art-Künstler Claes Oldenburg zum 90. Geburtstag.

Es ist mehr als zwanzig Jahre her, da wurde eine wunderliche, ungleichmäßig runde Fracht in der Mauerstraße platziert. Ganz in der Nähe des Checkpoint Charlie und doch merkwürdig abseits liegt seither die Skulptur „Houseball“ des gebürtigen Schweden Claes Oldenburg, der bis auf wenige Kindheitsjahre sein ganzes Leben in den USA verbracht hat und dort einer der Protagonisten der Pop Art der sechziger Jahre wurde.

„Houseball“ soll die zu einem Bündel verschnürte Habe eines Migranten symbolisieren – hat seinen Platz aber vor dem Bürohaus eines amerikanischen Investors gefunden. Kritik und Kommerz, diese unheilige Allianz ist der 1929 geborene Oldenburg in seinem Spätwerk öfters eingegangen, um seine ins Riesenhafte vergrößerten Alltagsobjekte im öffentlichen Raum ausführen zu können. Begonnen hat Oldenburg seine künstlerische Laufbahn mit der Verfremdung von Gegenständen durch unpassende Materialien, etwa wenn er einen Waschtisch oder einen Lichtschalter in schlaffen Stoffbahnen nachahmte. Oder einen Hamburger aus Vinyl zusammennähte, gefüllt mit Kapok, einer flauschigen Naturfaser.

Derlei lakonische Objekte begründeten Anfang der sechziger Jahre Oldenburgs Ruhm, nicht zuletzt in Europa, während eine politische Arbeit wie der „Lippenstift auf Kettenfahrgestell“, den er 1969 an der Yale-Universität auffahren ließ und der als Kommentar zum Vietnamkrieg einen Skandal entfachte, auf dem Alten Kontinent unbeachtet blieb. Bei der Weltausstellung im japanischen Osaka durfte Oldenburg 1970 die USA mit einem schwimmenden „Riesen-Eisbeutel“ repräsentieren, und zwei Jahre darauf sorgte das mit billigem Spielzeug und sonstigem Kram gefüllte „Maus Museum“ auf dem Grundriss des Micky-Maus-Kopfes bei der legendären documenta 5 für Furore.

1995 Retrospektive im New Yorker Guggenheim Museum

Damit war Oldenburg etabliert, und fortan mehrten sich die Aufträge, Objekte stark zu vergrößern und als Skulpturen im Außenraum aufzustellen, sei es vor Bürogebäuden oder in den allenthalben angelegten Skulpturenparks. Bestärkt in solcher, nun gänzlich ohne kritischen Stachel auskommenden Populärkunst wurde Oldenburg durch die 2009 verstorbene holländische Kunsthistorikerin Coosje van Bruggen, die seine Lebensgefährtin und beste Interpretin wurde. 1995 erhielt Oldenburg mit einer Riesen-Retrospektive im New Yorker Guggenheim Museum den musealen Ritterschlag, anschließend gezeigt unter anderem in der Bundeskunsthalle Bonn.

Vor sieben Jahren unternahmen die Ludwig-Museen erst in Wien, dann in Köln einen Rückblick auf Oldenburgs sechziger Jahre, letztmalig mit dem inzwischen fragilen „Mouse Museum“ – eine Art Abschied von einer ganzen Epoche, die einmal spielerisch-leicht, aber zugleich subversiv die moderne Konsumkultur buchstäblich auf die Schippe genommen hatte. Heute wird Oldenburg, der letzte Überlebende der legendären New Yorker Pop Artists der sechziger Jahre, 90 Jahre alt.

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