Entspannte Feiertage überall: Spaziergänger trotzen dem Regenwetter in Wolfsburg Foto: Peter Steffen/dpa
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Kolumne Feste feiern (1) Der Feiertag - unverzichtbarer Taktstrich in der Lebensmelodie

So viel Feiertage in so kurzer Zeit gibt’s nur einmal im Jahr, nämlich jetzt. Ein guter Anlass, das Feiern selbst abzufeiern, im Allgemeinen wie im Besonderen.

Berlin hat die wenigsten, nämlich nur neun. Und Bayern die meisten, 13 Feiertage, jedenfalls die katholischen Orte. Augsburg mit seinem Spezialfeiertag zur Erinnerung an den Westfälischen Frieden ist Spitzenreiter in Deutschland. Europaweit rekordverdächtig steht auch Österreich da, mit 13 Faule-Haut-Tagen – was an der selbsterklärten besonderen Nähe der katholischen Regionen zum lieben Gott liegen dürfte.

Dreikönigstag, Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt – je frömmer, desto Feiertag? Der beumfragte Bundesbürger findet das total ungerecht. Auch deshalb rüstet das profane Berlin jetzt kräftig auf. Ab 2019 gibt’s den 8. März als Frauentags-Feiertag, und 2020 zusätzlich den 8. Mai, zum 75. Jahrestag des Kriegsendes, einmalig zum unrunden Jubiläum. Bayern, wir kommen! Der Außer-der-Reihe-Feiertag kommt langsam in Mode. Erst 2017 leistete sich die Republik den 500-Jahre-Reformationstag als lutheranisches Extra. Nur so ’ne Idee: Jedes Bundesland mit unter 13 Feiertagen (Hessen hat zehn, Sachsen elf) bekommt ein Bonus-Heft und darf sich alljährlich zum Ausgleich was aussuchen, vom Äppelwoi-Tag bis zum Karl-May-Festspiel.

In Zeiten der immer mobileren Arbeitswelten sorgen uneinheitliche Feiertage allerdings für Verwirrung. Bei Pendlern und Home-Office-Mitarbeitern, auch bei Zulieferern, wenn sie Landesgrenzen überqueren müssen. Die Schweiz kann ein Lied davon singen: Die Alpennation kennt nur vier landesweit einheitliche Feiertage, der Rest ist Kantonssache. Dann lieber Fronleichnam für alle. Was wiederum intolerant gegenüber all den anderen Kulturen und Religionen wäre. Karneval und Erntedank, Hanukkah und Purim-Fest, Opferfest und Geburt des Propheten, von den Nationalfeiertagen in aller Herren Länder zu schweigen – all das müsste eigentlich berücksichtigt werden im globalen Feierkalender.

Feind des Bruttosozialprodukts

Apropos fromm: Der Feiertag steht bekanntlich schon in der Bibel, wo Gott am siebten Tag ruhte und sah, dass es gut war. Zack, Pause. In der Leistungsgesellschaft der 24/7-Workaholics kann regelmäßig verordnete Freizeit nicht schaden. Gibt’s ja auch anderswo: Die Moslems ruhen freitags, die Juden am Sabbat, die Christen am Sonntag – warum eigentlich dauert in unseren multireligiösen Breitengraden nicht jedes Wochenende drei Tage? Krankfeiern müsste dann keiner mehr.

Halt, rufen die Ökonomen. Der Feiertag ist der Feind des Bruttosozialprodukts. Soll er doch. Er bleibt unverzichtbar, als Taktstrich in der Lebensmelodie, als verlässliche Zäsur in der endlosen Folge der Tage. Das Wort „Fest“ stammt vom lateinischen „festum“ und das legt den Zeitabschnitt fest, in dem nicht gearbeitet wird. Sondern ausgeschlafen, gechillt, Kuchen gebacken, geplaudert, mit den Kindern gespielt, spazieren gegangen. Seltsamerweise tun viele Leute genau das nicht am Feiertag. Haben Einkaufsstress, Geschenkestress, Familienstress, Freizeitstress. Holiday-Burnout heißt das in den USA, jeder dritte Amerikaner soll darunter leiden. Hallo? Pause muss sein. Gleich nach Heiligabend fangen wir damit an.

Als nächstes: der Feierabend

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