Arseniy Chubachin Foto: promo
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Klassik und Karriere Ein Cellist will es wissen

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Der russische Cellist Arseniy Chubachin tritt in der Berliner Philharmonie auf – bei einem Konzert, das er sich selber organisiert hat.

Arseniy Chubachin glaubt fest an sich. Und das ist auch besser so. Denn mit Selbstzweifel kommt keiner sehr weit im hart umkämpften Klassikbusiness. Schon gar nicht in Berlin. Am Donnerstag wird ein Traum des 1989 geborenen russischen Cellisten Wirklichkeit: Im großen Saal der Philharmonie spielt er Edward Elgars Cellokonzert. Nicht etwa, weil ihn die Berliner Philharmoniker dazu eingeladen hätten oder eines der anderen Sinfonieorchester der Hauptstadt. Sondern, weil er zu der Überzeugung gekommen war, dass dieser Auftritt der nächste richtige Schritt für seine Karriere sei.

In seiner Heimat hat sich Arseniy Chubachin schon einen soliden Ruf erarbeitet, nun möchte er die Bundesrepublik erobern. Und zwar nicht auf der sogenannten Ochsentour, die von den Provinztheatern über die mittleren Bühnen bis zu den Spitzenhäusern führt, nein, er steigt lieber gleich ganz oben ein. Auf eigene Faust. Und mit eigenem Geld, das er bei Sponsoren eingesammelt hat, vor allem in Russland. Eigentlich wollte er einfach zur Saalverwaltung marschieren, dort den Umschlag auf den Tisch legen und sich die Philharmonie mieten. Doch zum Glück hat ihm Marylea van Daalen rechtzeitig erklärt, dass es so in Deutschland nicht läuft.

Chubachin wurde vom "Kempinski Young Artist Programme" gefördert

Und weil die Ehefrau des legendären Adlon-Direktors Gianni van Daalen eine wichtige Instanz für ihn ist, folgte der ambitionierte Cellist ihrem Rat. Musik spielt im Leben der Amerikanerin eine zentrale Rolle. Im Adlon organisierte sie englischsprachige Einführungsvorträge zu allen hauptstädtischen Opernpremieren, weil sie mit dem Angebot der Häuser nicht zufrieden war. Als sie 2004 mit ihrem Mann ans Kempinski Moskau wechselte, entdeckte sie Julia Leszhneva. Bei einem Meisterkurs beeindruckte die 16-Jährige mit ihren Koloraturen, und Marylea van Daalen dachte: Um dieses Talent voll entwickeln zu können, muss sie nach Europa! Also organisierte sie der Sopranistin einen Studienplatz in Cardiff, überredete die Eltern, die Tochter ziehen zu lassen und bezahlte die Aktion aus eigener Tasche.

Dass Julia Leszhneva mittlerweile ein internationaler Star ist, spricht für das gute Händchen der Mäzenin. Der gelang es 2009, den Arbeitgeber ihres Mannes zu überreden, ein „Kempinski Young Artist Programme“ einzurichten. Einer der Stipendiaten, war Arseniy Chubachin, den Marylea van Daalen, zwecks künstlerischer Horizonterweiterung, an die Berliner Eisler-Hochschule vermittelte. Dort lernte der Absolvent des Moskauer Konservatoriums bei Stephan Forck, dem Cellisten des Vogler Quartetts, eine ganz neue, faszinierend andere Art im Umgang mit seinem Instrument kennen. Zwei Jahre lang hat er damals so intensiv geübt, dass er die Chance verstreichen ließ, mal in der Philharmonie als Aushilfe mitzuspielen.

Elgars Cellokonzert spielt er zum ersten Mal öffentlich

Andererseits war ein Orchesterjob ja auch nie sein Ziel. Arseniy Chubachin wollte immer Solist sein. Weil er die Freiheit liebt, sagt er – und das Risiko. Er denkt da nicht anders als jene Jungs, die Stürmer bei Real Madrid oder Bayern München werden wollen. Die Chance, dass es klappt, ist denkbar gering. Aber sie können nicht anders, sie müssen es einfach versuchen.

Mit dem Philharmonie-Debüt fordert sich Arseniy Chubachin jetzt vor allem selber heraus. Er hat extra keines der Stücke gewählt, die ihm vertraut sind, sondern Elgars Cellokonzert, das er zum ersten Mal öffentlich aufführen wird. Ihm zur Seite steht dabei die Berliner Camerata, eines der vielen Kammerorchester der Hauptstadt, das eigentlich nur 15 Mitglieder hat, für den Auftritt am Donnerstag aber auf 35 Musiker erweitert wird, unter anderem durch sieben Mitglieder des Bolschoi-Orchesters, die Chubachin aus Moskau mitbringt. Werke von Smetana, Rhespighi sowie eine Uraufführung von Nikita Sukhikh vervollständigen das Programm. Als Eyecatcher taucht zudem auf den 5000 Postern, die stadtweit für das Konzert werben, der Name Rostropowitsch auf: Dem Jahrhundertcellisten, der 2018 90 geworden wäre, ist der Abend gewidmet. Bescheidenheit geht anders.

„This kid is an entrepreneur“, wischt Marylea van Daalen alle Bedenken beiseite. Er habe eben das Unternehmer- Gen, die richtige Mischung aus naivem Optimismus und zupackendem Selbermachen. Natürlich hat sie all ihren Freunden von dem Konzert erzählt, natürlich drückt sie ihm die Daumen. „Wenn er fragt, sage ich ihm ehrlich meine Meinung.“ Mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen aber muss er selber klarkommen. „Ich bin nicht seine Mutter.“

Philharmonie, Do 15. März, 20 Uhr.

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