Ein letzter Blick zurück. Jacominus steht auf der Gangway mit seiner Krücke, bevor er an Bord geht und alle Sorgen hinter sich lässt. Illustration: Rébecca Dautremer
© Illustration: Rébecca Dautremer

Kinderbuch Hommage an das Leben

Rébecca Dautremer erzählt ein ganz normales tierisches Leben - in poetischen Texten und traumhaft schönen Bildern. Ein Stundebuch zum Staunen

Schon einmal von Jacominus Gainsborough gehört? Nicht? Macht nichts. Er ist ein kleiner Hase, irgendwann geboren, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Er hat ein Leben gelebt, und dieses Leben ist es wert, erzählt zu werden. Wie jedes Leben übrigens. Das hat sich zumindest Rébecca Dautremer gedacht, als sie „Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough“ [Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Insel Verlag, Frankfurt am Main 2019. 56 Seiten. 20 €)] erzählt und in betörend schönen Bildern gemalt hat.
In dem Stundenbuch erzählt sie auf zwölf Doppelseiten in großen Wimmelbildern das Leben des Jacominus mit allen Höhen und Tiefen, wie sie in jedem Leben vorkommen. Zwischen den einzelnen Doppelbildern gibt es kurze Textpassagen sowie erläuternde Zeichnungen. So wirken die Doppelseiten wie ein Fotoalbum aus dem Leben des kleinen Hasen.

Schon ganz früh ist er unglücklich die Treppe der Veranda heruntergefallen, sodass sein Bein einen bleibenden Schaden davontrug. So muss Jacominus ein Leben lang eine Krücke nutzen. Aber dadurch lässt er sich nicht verdrießen. Er ist langsamer als die anderen, verträumt, philosophisch interessiert und heimlich verliebt in Sweety, aber das traut er sich zunächst nicht zuzugeben. Wichtig sind ihm seine Freunde, die ihn durchs Leben begleiten und nach denen er später seine Kinder nennt.

Jacominus kann Dinge, die andere nicht können, etwa Kabylisch oder Vietnamesisch. Aber er erleidet auch Niederlagen, Verlust und Trauer. Das alles gehört zum Leben dazu.
Dautremer erzählt in einem leicht altmodischen weisen Ton, der aus der Zeit gefallen scheint, aber wohltuend ist. Ebenso die betörend schönen Wimmelbilder, in denen Groß und Klein viel entdecken können, etwa wenn Jacominus alle Sorgen hinter sich lässt und im Hafen in die weite Welt aufbricht. Ein Bilderbuch so bunt und schön und traurig wie das Leben, das einen innehalten und die kleinen Dinge schätzen lässt.

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