Scherben in der Nacht. Foto: dpa
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Jugendthriller von Philip Le Roy Nicht mehr unter uns

Plötzlich verschwunden: Philip Le Roy lässt in seinem Thriller "Die Nacht der Acht" eine Party in den Horror kippen.

Wie können acht Jugendliche an einem einzigen Abend verschwinden? Diese Fragen gingen den Polizisten, die das leere Haus durchsuchten, nicht aus dem Kopf.“ So beginnt Philip Le Roys Thriller „Die Nacht der Acht“. Mord kommt nicht in Frage, da man keine Leichen findet. Le Roy baut schon im Prolog zu seinem ersten Jugendroman Spannung auf, denn die Vorgeschichte zu diesem mysteriösen Fall „kann nur eine einzige Person erzählen, nämlich diejenige, die die folgenden Seiten geschrieben hat“.

Clique von Exzentrikern

„Die Acht“ bildeten eine exzentrische Clique am künstlerischen Zweig des Lycée Matisse in Vence in der Nähe von Nizza, Zwölftklässler aus gutem Hause, begabt und intelligent. „Die Coolen, sagten diejenigen, die sie beneideten. Idiotische Wichtigtuer, sagten die, denen sie auf die Nerven gingen.“ Camille, sehr attraktiv, möchte Modedesignerin werden, Marie trägt nur schwarzweiß, interessiert sich für Fantasy. Lea bildhauert, Mathilde wird als die Durchgeknallteste der Clique vorgestellt, ein Mädchen, das keine Grenzen kennt. Maxime pokert gern. Mehdi ist ein Schönling, Aufreißer und Verkaufsgenie. Julien will für seine Abschlussarbeit einen schwulen Superhelden er schaffen. Sie alle lädt Quentin für ein Wochenende in die Villa seiner Eltern ein, um eine rauschende Party zu feiern. Geplant ist eine „Horrornacht“. Motto: „Wer Angst hat, trinkt.“

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Diese Party will vorbereitet sein, alle müssen sich etwas Gruseliges ausdenken, und nach langem Zögern lässt man auch Clément, den Außenseiter zu, der wegen Camille nur allzu gern zur „Acht“ gehören würde.

Philip Le Roy ist in Frankreich bekannt für seine Kriminalromane, er versteht es, temporeich zu erzählen. Schon bald nach der Ankunft der Jugendlichen fließt das erste Blut, Mathilde hat sich zum Entsetzen der Anderen in der Küche drei Finger abgeschnitten. Aber – ätsch! – die Finger waren aus Latex, eine perfekte Inszenierung, um den Anderen Angst einzujagen. Viel Alkohol fließt.

Spuk mit Vorgeschichte

Dass es in der Gegend am Col de Vence spuken soll, dass „Besucher“ auftauchen können, gibt eine tolle Kulisse für diesen Horrorabend ab, der bald aus dem Ruder läuft. Le Roy erzählt in knappen Dialogen und kurzen Kapiteln. Die Grenzen der Wahrnehmung verschwimmen zwischen Realität und Einbildung, der Alkohol und Fachwissen über einschlägige Horrorfilme befeuern die Phantasie der „Acht“. Clément taucht als einziger nicht auf bei der Party und plötzlich verschwinden Jugendliche einer nach dem anderen auf rätselhafte Weise.

[Philip Le Roy: Die Nacht der Acht. Roman. Aus dem Französischen von Maja von Vogel. Carlsen, Hamburg 2021. 288 Seiten, 15 €. Ab 14 Jahre]

Kann man die Horrorgeschichten des Abends anfangs noch auflösen, gibt es für das Verschwinden der Jugendlichen trotz Überwachungskameras keine plausible Erklärung. Das Ende dieses Thrillers über Identität, Wahrnehmung und Solidarität verblüfft und macht neugierig auf mehr vom Autor.

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