Greta Thunberg bei einer Fridays-for-Future-Demo in Stockholm Foto: imago images/TT
© imago images/TT

Jugendbuch von Matt Haig Tiere lieben, die Welt retten

Matt Haig wurde mit dem Bestseller "Die Mitternachtsbibliothek" bekannt. Sein neues Buch sympathisiert mit den Fridays-for-Future-Ideen.

Wie wäre es, wenn man wüsste, was ein Elefant, eine Spinne, eine Kakerlake, ein Hund so denkt, kurz, wie wäre es, wenn man die Gedanken aller Tiere verstehen und mit ihnen kommunizieren könnte? Eine verrückte Vorstellung – und was man da so alles zu hören bekäme? Manchmal wäre es vielleicht hilfreich, wenn die Menschen wüssten, was Tiere denken. Evie Trench, ein elfjährige Mädchen aus der Lofting Primary School, besitzt diese besondere Fähigkeit. Sie weiß alles über Tiere, über die kuscheligen und die weniger kuscheligen, kurzum: „Was lebte, das liebte sie.“

Matt Haig, der britische Bestsellerautor, der für alle Generationen schreibt, erzählt in „Evie und die Macht der Tiere“ eine spannende Geschichte über ein Mädchen, das sich nach seiner verstorbenen Mutter sehnt, mit dem Vater wenig spricht und ein großes Herz für Tiere hat, so groß, dass es kurzerhand das Schulkaninchen Kahlo aus dem viel zu engen Käfig befreit und damit eine Kettenreaktion auslöst.

Mut zur Meinung

Haig zeichnet in Evie ein Mädchen, das Mut zur eigenen Meinung, Empathie und eine ungebrochene Neugier besitzt und im Notfall bereit ist, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Durch Evie zwingt Haig seine Leser:innen, die Perspektive zu wechseln. Wir kennen alle die Kaninchen im engen Stall. Aber wie sieht dieser Stall aus der Sicht des Kaninchens aus? Er lässt ihm keinen Bewegungsspielraum, es kann nicht hoppeln, was für Kaninchen der Inbegriff der Freiheit ist. Da die Schulleiterin kein Verständnis für Kahlo zeigt, holt Evie das Kaninchen aus seinem Gefängnis. Evies Vater ist nicht entzückt, denn ihre Gabe, mit Tieren zu kommunizieren, kann aus seiner Sicht gefährlich werden. Das weiß auch die Großmutter, die diese Fähigkeit ebenfalls besitzt und mit Evie übt, darin besser und besser zu werden. Aber genau das verbietet der Vater dem Mädchen, um es zu schützen.

[Wenn Sie alle aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Dass die Gabe etwas mit dem Schutz des Regenwaldes, dem Tod ihrer Mutter und einem mysteriösen, unheimlichen Mann namens Mortimer J. Mortimer zu tun hat, der Tiere manipulieren kann, lernt Evie peu à peu. Und schließlich erfährt sie, dass sie eigentlich ganz anders heißt, ihr Vater ebenso, der perfekt Spanisch spricht, was Evie fasziniert. Wenn man allerdings spanische Sätze im Roman verwendet, sollten sie richtig übersetzt sein. „Qué significa eso?“ heißt eben nicht „Was meinst du?“, sondern „Was bedeutet das?“, zumal dieser Satz später noch einmal richtig wiedergegeben wird. Aber das schmälert nicht das Lesevergnügen und kann in der zweiten Auflage korrigiert werden, die man diesem spannenden Buch wünscht. Haig streift viele Aspekte, ohne pädagogisch den Zeigefinger zu heben und man fiebert mit Evie mit, wie die unausweichliche Konfrontation mit Mortimer wohl ausgehen mag.

Schlimmeres verhüten

Der Showdown findet im Löwengehege statt, als Evie alle Ermahnungen ihres Vaters in den Wind schlägt und einem kleinen Jungen dank ihrer Fähigkeiten das Leben rettet. Manchmal wird man vor die Wahl gestellt und muss unbequeme Entscheidungen treffen, um Schlimmeres zu verhüten. Haig zeigt, dass Solidarität sich auszahlt, dass man etwas zurückbekommt, wenn es darauf ankommt. Mehr soll hier nicht verraten werden.

[Matt Haig: Evie und die Macht der Tiere. Illustrationen von Emily Gravett. Aus dem Englischen von Susanne Hornfeck. Hanser, München 2021. 256 Seiten, 15 €. Ab acht Jahre]

„Ich will die Menschen in eine andere Welt mitnehmen, damit sie die, in der sie selbst leben, mit anderen Augen wahrnehmen. Ich will ein Reiseführer in die Vorstellungskraft sein“, so beschreibt Haig seine Philosophie. Die Originalausgabe erschien 2019, als die Fridays-for-Future-Bewegung ihren Anfang nahm. Etwas von ihrem Geist atmet der Roman, ohne dabei aufdringlich zu sein. Man freut sich schon auf den Band „Evie in the Jungle“, in dem Evie ins Amazonasgebiet reisen wird.

Zur Startseite