"Roadtrip mit Lasergirl und Beyoncé", das Cover. Foto: Carlsen Verlag
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Jugendbuch über Freundschaft Vertrauen ist das größte Geschenk

Was verbindet einen Jungen aus Groningen mit einem Geflüchteten aus dem Kongo? Das fragt Tjibbe Veldkamp in ihrem Roman über eine Smartphone-Freundschaft.

Viele Freunde hat Ate nicht. Die Jungs in seiner Klasse findet er nicht interessant, bleibt nur Baptiste, eine Internetfreundschaft. Baptiste ist schwarz, ohne Papiere und ist meist pleite. Beide lieben Youtube, darüber schreiben sie auf dem Mobiltelefonen. Doch eines Tages schreibt Baptiste ihm per SMS, dass er sein Telefon verkaufen muss, eine Katastrophe. „Baptiste würde ihm fehlen. Sehr fehlen. Mit ihm schreiben machte alles besser – Schule, zu Hause, alles.“ Was tun?

Tag der Liebe

Tjibbe Veldkamp erzählt in „Roadtrip mit Lasergirl und Beyoncé“ die Geschichte einer wunderbaren Freundschaft, die anders ist, als man vermutet. Ein bisschen unwahrscheinlich wirkt, dass ein 13-Jähriger sich ein Ticket von Groningen nach Brüssel kauft, um einem Fremden sein altes Mobiltelefon zu bringen. Seine Mutter übernachtet freitags, am „Tag der Liebe“, bei ihrem Freund. Zeit genug, in jeweils vier Stunden hin- und zurückfahren.

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Ate staunt, als ein schwarzes Mädchen aus dem Kongo ihn am Bahnhof anspricht und ihn zu Baptiste bringen will, vorher aber noch in einem heruntergekommenen Haus ihr Huhn Beyoncé füttern muss. Merke: Internetbekanntschaften können sich anders entwickeln, als man denkt. Veldkamp thematisiert mit diesem höchst spannenden Roman das Thema Identität und Vertrauen. Wo ist Baptiste? Gibt es ihn wirklich, oder hat man ihn hereingelegt, fragt sich Ate. Dass es um Geld geht, wird schnell deutlich. Ate macht dem Mädchen klar, dass seine Familie nicht reich ist, doch das lässt Lasergirl nicht gelten: „Habt ihr Strom? Internet vielleicht? Einen vollen Frigo?“

Eine Stadt, viele Sprachen

Für ein geflüchtetes Mädchen aus dem Kongo ist das viel. Geschickt bringt Veldkamp diese Thematik ins Spiel, ebenso jongliert er mit den sprachlichen Eigenheiten Belgiens, der Zweisprachigkeit mit Niederländisch und Französisch und dann eben noch Kongolesisch. Veldkamp entfaltet eine rasante Geschichte, denn Emeraude, so heißt das Mädchen, und Ate wollen Brüssel fluchtartig verlassen, um nicht Gangstern in die Hände zu fallen. Ein Buch, mit dem man Lesemuffel begeistern kann
(Tjibbe Veldkamp: Roadtrip mit Lasergirl und Beyoncé. Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann. Carlsen Verlag, Hamburg 2020. 128 Seiten. 12 €. Ab zwölf Jahren).

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