Heiko Maas ist seit März 2018 Bundesminister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland. Foto: John MACDOUGALL / AFP
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Judenverfolgung in den Niederlanden 1940-1945 Erinnerung an das Unfassbare

Rechten Terror konsequenter bekämpfen. Außenminister Maas über Lehren der Ausstellung

2020 ist es 80 Jahre her, dass deutsche Truppen die neutralen Niederlande überfielen und besetzten. Fünf Jahre währte der Albtraum, und so werden die Niederländer im kommenden Jahr des 75. Jahrestags der Befreiung gedenken. In diesem Kontext zeigt die Stiftung Topographie des Terrors zusammen mit dem NIOD (Instituut voor Oorlogs-, Holocaust- en Genocidestudies) die Ausstellung „Fotografien der Verfolgung der Juden. Die Niederlande 1940–1945“ in Kooperation mit dem Joods Cultureel Kwartier/Nationaal Holocaust Museum – eine Premiere für dieses bedrückende Thema.

Herr Außenminister Maas, warum ist diese Ausstellung, die an das Schicksal der verfolgten Juden in den Niederlanden unter deutscher Besatzung erinnert, heute wichtig?

Halle hat schmerzlich gezeigt: Die Ausstellung hat einen Bezug zur Gegenwart. Sie führt uns vor Augen, wohin eine Ideologie der Ausgrenzung, Entmenschlichung und des Hasses führen kann. Sie zeigt, wie ganz normale Menschen mitten in Europa zu Mördern wurden. Das ist wichtige Erinnerungsarbeit, die wir heute mehr denn je brauchen.

Rote Linien mit Bezug auf Antisemitismus wurden in der letzten Zeit schon oft verschoben oder überschritten. Hat das jetzt nach Halle endlich Konsequenzen?

Das muss es. Wir müssen rechten Terror konsequenter bekämpfen und dem Thema Prävention von Antisemitismus und Rassismus deutlich mehr Aufmerksamkeit widmen. Dazu haben wir als Regierung ja auch schon konkrete Maßnahmen auf den Weg gebracht. Jüdische Einrichtungen werden jetzt besser geschützt, aber das kann nur ein Teil der Antwort sein. Hasskriminalität im Internet muss stärker geahndet werden. Und wir alle sind aufgefordert, klar Stopp zu sagen, wenn der Holocaust verharmlost oder gegen Juden gehetzt wird.

Die Besatzer konnten damals auf niederländische Kollaborateure bauen. Heute sind sich Populisten beider Länder in der Ablehnung von allem Fremden einig. Wie kann dem europäisch begegnet werden?

Nur, indem wir gemeinsam den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus aufnehmen. Deutschland übernimmt in 2020 die EU-Ratspräsidentschaft sowie den Vorsitz der International Holocaust Remembrance Alliance. Beides werden wir für dieses Ziel nutzen.

Was hat Sie an diesem Ausstellungsprojekt am meisten beeindruckt?

Die Fotografien bringen uns die Einzelschicksale näher. Sie geben den Opfern eine Identität zurück, die die Nazis ihnen genommen haben. Berührt haben mich die Geschichten der Versteckten und ihrer oft todesmutigen Helfer. Und erschreckt haben mich die Bilder, die uns die Akribie der deutschen Besatzer, Mörder und ihrer Helfer vor Augen führen.

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