Steven Sloane ist seit 2020 Chefdirigent des Jerusalem Symphony Orchetsra. Foto: Christoph Fein
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Jerusalem Symphony Orchestra auf Tour Das Konzerthaus empfängt wieder Gäste

Der Dirigent Steven Sloane und das Jersualem Symphony Orchestra kommen nach Berlin, zur Feier von "1700 Jahren jüdischem Leben in Deutschland"

Es war eine lange Zitterpartie, dann aber wurde sie doch noch von den zuständigen Behörden erlaubt: die erste Tournee eines ausländischen Orchesters nach Deutschland seit dem zweiten Lockdown. Am 19. Juni wird das Jerusalem Symphony Orchestra in der Hamburger Elbphilharmonie spielen, am 22. Juni folgt ein Auftritt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, anschließend geht es dann ins Ruhrgebiet (Tickets unter www.clsx.de).

Dort hatte der neue Chefdirigent des Jerusalem Symphony Orchestra, Steven Sloane, in den letzten 27 Jahre seine musikalische Heimat, als künstlerischer Leiter der Bochumer Symphoniker. Gemeinsam werden die beiden Orchester Israel und Deutschland in der Bochumer Jahrhunderthalle Gustav Mahlers monumentale 2. Sinfonie aufführen, unterstützt vom Berliner Rundfunkchor.

Es war der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert, der die Tournee angeregt hatte, als Teil der Feierlichkeiten zu „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Großzügige finanzieller Unterstützung kam dafür unter anderem von der Bundeskulturstiftung, dem Auswärtigen Amt, wie Steven Sloane dankbar betont.

Das Jerusalem Symphony Orchestra wurde 1936 von deutschen Emigranten gegründet, und auch der 1958 in Los Angeles geborene Steven Sloane ist in beiden Ländern verwurzelt. „Ich habe in den 1980er Jahren in Tel Aviv gelebt“, erzählt er im Interview. „Mein Amtsantritt in Jerusalem war also auch eine Rückkehr in die Heimat.“

Sloane bringt Musik aus Israel mit

Zu einem „Orchester für die ganze Stadt“ möchte der Dirigent sein neues Ensemble entwickeln, mit den Konzerten die gesamte Bevölkerung Jerusalems einschließlich des arabischen Viertels ansprechen. Im Dezember beispielsweise wird es ein Festival geben, bei dem Psalmen im Mittelpunkt stehen. Dabei erklingen christliche Vertonungen von Georg Friedrich Händel bis Leonard Bernstein, es geht aber auch um die sephardischen und aschkenasischen Traditionen und der Auftrag für eine neue Komposition wurde an einen arabischen Komponisten vergeben.

Für die Deutschland-Tournee hat Steven Sloane Werke zweier israelischer Komponisten ausgewählt, die er mit Repertoireklassikern kombiniert, Beethovens 4. Klavierkonzert mit der Pianistin Elisabeth Leonskaja sowie Strawinskys „Feuervogel“. Noam Sheriff gehört zur ersten Generation israelischer Komponisten, sein Werk „Akeda“ ist dem 1995 ermordeten Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin gewidmet, der sich besonders für den Friedensprozess im Nahen Osten eingesetzt hat. „Das Stück hat eine wichtige spirituelle Botschaft“, erläutert Sloane, „der Titel bedeutet ,Opfer‘, am Ende sprechen alle Orchestermitglieder die Worte dona nobis pacem, also: Gibt uns Frieden.“

Samir Odeh-Tamimi lebt in Berlin

Die zweite Komposition stammt von dem 1970 geborenen Samir Odeh-Tamimi. „Er ist ein außerordentlicher erfolgreicher, palästinensisch-israelischer Komponist mit arabischem Hintergrund“, sagt Sloane. „Er kam als junger Mann nach Deutschland, studierte in Kiel und Bremen und lebt heute in Berlin. Noam Sheriff hat ihn sehr geschätzt und insofern freuen wir uns, beide jetzt in unserem Programm zu vereinen.“ Odeh-Tamimis ästhetisches Ziel ist es, Aspekte der europäischen Avantgarde mit den Traditionen arabischer Musikpraxis zu verbinden. Auf die Reise wird das Jerusalem Symphony Orchestra von ihm „Bukká“ mitnehmen, ein Stück für Streichorchester, das 2003 beim „Young Euro Classic“-Festival uraufgeführt wurde.

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