Flosse hoch. Ein bisschen psychedelisch geht auch. Ein Bild aus der Reihe "The Great White Fear". Foto: Galerie Neu
© Galerie Neu

Jana Euler in der Galerie Neu Wer hat Angst vorm weißen Hai?

Angela Hohmann

Manche sind aggressiv, andere eher ängstlich - und auch ein Vegetarier ist dabei. Jana Euler zeigt in der Galerie Neu Gemälde von weißen Haien.

Von archaischer Gewalt ist der weiße Hai, der einen in der Galerie Neu auf einem Gemälde von Jana Euler anspringt. Von oben nehmen seine Augen jeden ins Visier, der vor dem drei Meter hohen Bild verharrt. So wild wie das Tier ist auch die Malerei: Roh, mit bewegtem Pinselstrich nähert sie sich dem Motiv. Unvermittelt spielt im Gedächtnis jene schrille Musik aus Steven Spielbergs Film „Der weiße Hai“ von 1975, die einen jedes Mal, wenn sich das Raubtier seinen Opfern näherte, das Schaudern lehrte. Eine Urangst war erfunden.

„The Great White Fear“ heißt daher treffend Eulers Ausstellung mit acht Haiporträts. Der Titel verweist auf diese Urangst, aber auch auf die englische Bezeichnung für den weißen Hai: great white shark. In vielen Sprachen steht ein great als Attribut vor dem Namen, aus Respekt vor diesem furchteinflößendem Tier. Jana Euler wäre aber nicht Jana Euler, wenn es ihr in der Serie allein um Haie ginge, denn die junge Künstlerin, deren Arbeiten international gefeiert werden, ist bekannt für ihre eklektische konzeptuelle Malerei, die sich vieler Stile bedient, um gesellschaftliche Diskurse in Gang zu bringen und ihr Medium zu befragen.

1982 in Friedberg nahe Frankfurt am Main geboren, studierte Euler dort an der Städelschule. In ihren Ausstellungen stehen Gemälde zwar regelmäßig im Zentrum, oft allerdings ergänzt durch Skulpturen und Text. Bei Neu konzentriert sie sich auf die Malerei. So kampfbereit und aggressiv wie der Hai am Eingang der Ausstellung sind nicht alle Tiere: Eines wirkt ängstlich, komplexbeladen, ein echter Feigling seiner Zunft. Einem anderen hängen die Algen zwischen den Zähnen, er ist Vegetarier, seiner Art entfremdet. Es fällt auf, dass die Körperform bei allen deutlich phallisch ausfällt. Man befinde sich in einem Haifischbecken, heißt es oft über gewisse Branchen. So scheint Jana Euler auch den Kunstbetrieb zu sehen, in dem sie mittlerweile selbst erfolgreich schwimmt. Einige Haie haben ihre Augen, Lippen, Gesichtszüge. Was an diesem Betrieb einst die ungebrochen patriarchalische Macht des weißen Mannes war, leuchtet noch auf und ist doch deutlich in die Schranken verwiesen. Mitunter haben sie fast etwas Komisches an sich, diese „Great White Sharks“, die mal im Drip Painting à la Jackson Pollock aus dem Wasser schnellen, mal eher wie kraftlose Molche wirken (Preise auf Anfrage).

Galerie Neu, Linienstr. 119 abc; bis 30. 5., Di–Sa 11–18 Uhr.

Zur Startseite