Federico Fellini (links) mit der Schauspielerin Madeleine Lebeau am Set des Films „8 ½“. Foto: Archivio Cinemazero Images – Pordenone
© Archivio Cinemazero Images – Pordenone

Italienisches Kulturinstitut Berlin Der Kinokosmos von Federico Fellini

Das italienische Kulturinstitut ehrt Federico Fellini zum 100. Geburtstag. Ein Blick in die Ausstellung und eine Begegnung mit seiner Nichte.

Die Geburtsstadt Rimini hat für Federico Fellini zu seinem im Himmel wie im Weltkino gefeierten 100. Geburtstag in diesem Sommer ein eigenes Museum eröffnet. Eigentlich war das Jubiläum schon 2020, aber die Pandemie hatte das Fest für Fellini verzögert. Einen schönen kleinen Abglanz hiervon bietet nun auch das Italienische Kulturinstitut in Berlin.

Die gleichfalls in dieses Jahr verschobene Ausstellung „Hundert Jahre Fellini in der Welt“ ist unabhängig vom Rimini-Museum entstanden, sie beruht auf staatlichen Archiven und privaten Sammlungen, ihre einzige deutsche Station auf einer internationalen Tournee ist bis Dezember Berlin.

Die Schau zeigt die Vielseitigkeit Fellinis

Natürlich gibt es auf Monitoren Fellini-Szenen und Interview-Ausschnitte. Aber ein erster Blickfang sind die großformatigen Filmplakate, die von dem Debütwerk „Luci del Varietá“ (1950, „Lichter des Varietés“) bis zu Fellinis kurz vor seinem Tod 1990 vollendeter letzten großen Kinoerzählung „La Voce della Luna“ („Die Stimme des Mondes“) reichen.

Anfang und Ende sind so schon in diesen beiden Titeln gefasst: die Herkunft des fünfmaligen Oscar-Gewinners F.F. aus der Welt der Clowns und fahrenden Künstler – und der Zug hin zu den höheren Mächten der Wunder und des Traums.

Der tiefe Schacht der Erinnerung

Das bewusst handgemalte Plakat zur „Stimme des Mondes“ zeigt hinter den Köpfen der beiden Hauptdarsteller Roberto Benigni und Paolo Villagio einen alten Ziehbrunnen. Tatsächlich war es immer wieder der tiefe Schacht der Erinnerungen seit Kindestagen, aus denen Fellini etwa in „8 ½“, „Roma“ oder „Amarcord“ seine Visionen und Fantasmen geschöpft hat.

Die Visionen hatten, vor allem, wenn es um Sex, Lust, Liebe ging, oft auch das spielerisch Obsessive, das Fellini nicht nur filmisch zwischen „La dolce vita“, der „Stadt der Frauen“ oder „Casanova“ spiegelte.

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Kunstvoll, witzig, selbstironisch sind auch Fellinis Zeichnungen, die Fans mindestens aus den wunderbaren Buchausgaben des Diogenes Verlages kennen. In der Ausstellung finden sich Beispiele mit Skizzen, Comics, auch gezeichneten Storyboards.

Einmal hält F.F. im Selbstporträt als Puppenspieler seine Lieblingsakteurin und Lebenspartnerin Giulietta Masina zusammen mit seinem männlichen Favoriten und Alter Ego Marcello Mastroianni wie Marionetten am Schnürchen: Es ist das Paar aus dem heiter melancholischen Tanzfilm „Ginger und Fred“. Ein anderes Mal hockt dem wegstürzenden Federico eine seiner erotischen Überfrauen à la Anita Ekberg wie eine nackte Furie im Nacken. Fellini signiert die Zeichnung sarkastisch „la fuga“, „Die Flucht“.

Francesca Fabbri Fellini ist die Nichte des Maestros und Mitkuratorin der Ausstellung. Foto: Dario J. Laganà Vergrößern
Francesca Fabbri Fellini ist die Nichte des Maestros und Mitkuratorin der Ausstellung. © Dario J. Laganà

Der Marionettenspieler wie der Varietéclown, der Magier oder die mit ihren Geistern tanzende Giulietta Masina treten zudem in einem begleitenden kurzen Film „La Fellinette“ auf.

[Italienisches Kulturinstitut Berlin, Hildebrandtstr. 2, bis 12.12., Do 15–18 Uhr und nach Veranstaltungen, Eintritt frei. Anmeldung erforderlich unter: 100-fellini.eventbrite.it]

Regisseurin ist die Mitkuratorin der Ausstellung Francesca Fabbri Fellini. Ihre Mischung aus Animation und Spielszenen beginnt am Strand von Rimini mit einem kleinen rothaarigen Mädchen und Onkel Federico. Es sind die eigenen Erinnerungen von Francesca Fabbri Fellini, der Nichte des Maestros. „Er hat mich gelehrt, dass es zwei Wirklichkeiten gibt“, erzählt sie bei einem Treffen in der Ausstellung, „die Realität des Alltags und den Traum. Im Film war dabei Roberto Rossellinis Stammvater Homer gewesen, Federicos war Chaplin“.

„Ich bin die letzte Fellini“

Die frühere Journalistin Francesca erklärt gleich am Anfang: „Ich bin die letzte Fellini.“ Es lebe kein Nachfahre mehr, nicht von den beiden Brüdern Federicos, auch sie selbst habe keine Kinder. Fellini, am 31. Oktober 1993 gestorben, ist in Rimini neben Giulietta Masina und ihrem noch als Baby verschiedenen Sohn begraben.

So stimmen die typischen italienischen Großfamilienfotos des jungen Federico hier weniger erheiternd als etwa Protestbriefe der Katholischen Kirche gegen „La dolce vita“ oder Originalkostüme aus „Casanova“ und die Glitzer-BHs und High Heels aus „Stadt der Frauen“. Auch sie sind Devotionalien der wunderlichen, wunderbaren Fellini-Welt.

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