Farbenfroh. Der Werner-Otto-Saal des Konzerthauses. Foto: Sebastian Runge
© Sebastian Runge

Iranische Komponisten im Konzerthaus Klangtüftler

Junge Komponisten aus dem Iran dirigieren im Konzerthaus das Ensemble UnitedBerlin.

Nachrichten aus dem Nahen Osten künden meist von Krieg, Elend und Unterdrückung – und von Kultur nur, wenn sie zerstört wird. Umso spannender, dass das Ensemble UnitedBerlin gleich sieben junge Komponisten und Komponistinnen aus dem Iran im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses präsentieren kann. Das Projekt ist das Ergebnis eines anderen, gescheiterten Vorhabens: der Ausstellung der Kunstsammlung von Farah Diba vor zwei Jahren, für die die Berliner Musiker das Rahmenprogramm bestreiten sollten. Ehsan Khatibi leistete dabei wertvolle Vermittlungsarbeit. Sein Stück „diesbezüglich“ für elf Instrumente zeigt den 38-Jährigen als sensiblen Klangtüftler. Er entlockt den Streichersaiten fast unhörbare Schabegeräusche und der Posaune tiefe Atemzüge und hektischer Zugbewegungen, lässt auf diesem vom Schlagzeug sacht eingefärbten Hintergrund die Melodiefragmente jaulender Holzbläser aufblitzen. Das ist in seiner konzentrierten, aufmerksames Hören herausfordernden Klangreduktion dicht und durchaus abwechslungsreich gefasst.

Nach der Revolution 1979 geboren, konnten die sieben „Teheran Travellers“ unter zunehmend liberaleren Bedingungen im Ausland studieren und arbeiten. Ihre Handschriften fügen sich dem internationalen Klangmix Neuer Musik nahtlos ein, lassen kaum Rückschlüsse aufs Herkunftsland zu. Am ehesten vielleicht „zwischen(t)räume“ von Elnaz Seyedi, deren Lehrerin Younghi Paagh-Paan in Bremen bekannt dafür ist, ihre Schüler auf die eigenen Wurzeln hinzuweisen. Aus dumpfen Klavierbässen und Trommelgrummeln erheben sich lange Streicher- und Bläserlinien; zart schwebende Harmonien stehen Einstimmigkeit gegenüber. Auch Farzia Fallah aus der gleichen Kompositionsklasse pflegt im Streichtrio „Lalayi – ein Schlaflied für Sohrab“ sensible, extreme Klangregionen erforschende Linearität. Videoeinspielungen bemühen Amen Feizabadi und Ashkhan Behzadi, eine Erzählung zur Ambivalenz gegenüber Schweinen in „Euphemismus“ der eine, verrätselte Alltagsschnipsel in „Diptych“ der andere. Mehdi Hosseini besticht in „Sârukhâni III“ durch bewegte, farbenreiche Klangfülle. Das uraufgeführte „soudainement la nuit“ von Alireza Khiabani implantiert als Einziges Floskeln abendländischer Musiktradition dem wogenden, in verlorenem Piano endenden Klangstrom.

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