Letzte Vorbereitungen für den Umzug. In Dahlem werden die Langboote und Pfahlbauten des Ethnologischen Museums in Kisten gepackt. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Humboldt-Forum Wer kriegt den Schlüssel für das Schloss?

Im Herbst 2019 soll Eröffnung sein, aber das Humboldt-Forum laboriert weiterhin herum. Noch immer gibt es keinen Intendanten.

2018 wird zum Entscheidungsjahr. So hieß es vor wenigen Wochen beim Humboldt-Forum. Die Aussage bezog sich allerdings auf den Bau. Wenn es wie bei vielen anderen Baustellen in Berlin mit den Handwerkern nicht klappt, weil sie durch den aktuellen Boom ausgebucht sind, könnte das den Eröffnungstermin im Herbst 2019 gefährden. Aber auch für das Innenleben des Prestigebaus, dessen Vollendung bislang zügig vorangeht, ist 2018 entscheidend. Schon bald, in zwei Wochen, tagt der Stiftungsrat, um über wichtige Personalien zu entscheiden.

Bei seiner letzten Sitzung hatte der Stiftungsrat als neue Doppelchefin für das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst Inès de Castro auserkoren. Die Direktorin des Stuttgarter Linden-Museums zog vor drei Wochen ihre Bewerbung jedoch wieder zurück, nachdem das baden-württembergischen Kultusministerium mit eigenen attraktiven Angeboten nachgelegt hatte, um sie auf ihrem jetzigen Posten zu halten. Für das Humboldt-Forum war das ein Tiefschlag, denn plötzlich wurde offenkundig, dass der aktuell eigentlich begehrteste Job für einen Ethnologen viele Tücken birgt. Die Verteilung der Kompetenzen zwischen der Stiftung Humboldt Forum und den Staatlichen Museen könnte den Ausschlag für die Absage gegeben haben.

Erst zuletzt hatte Hermann Parzinger als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Tagesspiegel gesagt, dass an der Governance des Humboldt-Forums noch getüftelt werde. Eine erschreckende Auskunft nur anderthalb Jahre vor Eröffnung des größten Kulturprojekts des Bundes. Neil MacGregor, der mit Parzinger und Horst Bredekamp die Gründungsintendanz bestreitet, erklärt diese Zögerlichkeit jetzt in der „FAZ“ mit der föderalen Tradition in Deutschland und der „Konsenspflicht“, die er als Brite nun leidlich persönlich kennengelernt habe. Darüber hinaus bleiben seine Aussagen über die jetzige und die künftige Leitungsstruktur völlig unklar.

Auch darüber wird der Stiftungsrat des Humboldt-Forums in seiner Sitzung am 20. März beraten. Und noch eine Personalie – neben der Benennung eines neuen Kandidaten für die Doppelspitze von Ethnologischem Museum und Museum für Asiatische Kunst – dürfte auf der Tagesordnung stehen, die entscheidende. Endlich soll konkret über den künftigen Generalintendanten gesprochen werden, der die verschiedenen Akteure im Stadtschloss koordinieren wird, die Stiftung Humboldt Forum, die Staatlichen Museen, die Humboldt Universität und das Stadtmuseum. Mehr noch als bei den Kunstsammlungen drängt hier die Zeit, will das Prestigeprojekt nicht weiterhin wie ein Gebilde wirken, an dem jeder zerrt. Denn die gesuchte Person soll einer Institution ein Gesicht geben, die noch auf den letzten Metern vor dem großen Start an Fragen der Selbstbestimmung laboriert.

Wobei nach dem 20. März zwar der künftige Museums-Doppeldirektor feststehen dürfte. Aber bei der Intendanz fehlt dem Stiftungsrat die letzte Entscheidungsgewalt – noch. Erst nach der Regierungsbildung am 14. März kann geklärt werden, wer im Rat den Vorsitz hat und wer abstimmen darf. Das dauert einige Tage. Über den Generalintendanten wird erst auf einer außerordentlichen Sitzung im April entschieden.

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