„Kakao macht den Kopf klar und berührt das Herz“

Ein Gefangener im schwarzen Hemd wird abgeführt. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum/Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, digitale Reproduktion Jester Blank
Highlights für das Humboldt Forum Die Kraft der Krieger

Christine Dohler, Meditationstrainerin

Christine Dohler bietet ihre Kakao-Rituale mehrmals im Jahr in Hamburg an.

Beim Anblick der Vase hatte ich sofort den Gedanken: Das ist etwas Kriegerisches, Männliches. Aber die Farben gefallen mir – schöne warme Erdtöne, die wiederum Weiblichkeit ausstrahlen. Als Meditationstrainerin biete ich seit einigen Jahren Kakao-Zeremonien an. Die haben regen Zulauf, das Interesse nimmt zu, vor allem in den Großstädten. Kennengelernt habe ich diese Rituale rein zufällig in Reykjavik auf Island. Das war sehr speziell und interessant. Später bin ich dann nach Guatemala gereist und habe mir angeschaut, wo und wie Kakaopflanzen wachsen.

Bei den Zeremonien trinkt man nicht den veredelten Kakao, sondern den rohen, ungerösteten. Jede einzelne Bohne wird in Guatemala per Hand geschält. Dieser Kakao trägt kein Siegel, ist aber fair gehandelt und natürlich Bio. Er schmeckt schon etwas bitter, aber man darf sich Honig reintun, Zimt oder Kardamom. Die Wirkung bleibt: Der Kakao macht den Kopf klar und berührt das Herz. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen bei meinen „Cacao-Ritual“ öffnen sich und sprechen über Dinge, die sie sonst nicht einfach so erzählen. Das ist so wie früher am Lagerfeuer.

Kakao weckt auch Erinnerungen an die Kindheit, wie Schokolade. Aber wenn man die isst, hat man gleich ein schlechtes Gewissen; da ist ja so viel Zucker drin. Bei Kakao überwiegt das wohlige Gefühl. Das Getränk hat einen energetischen Effekt, man bekommt viele Ideen. Das ist vielleicht auch der Grund, warum ihn bei den Maya vor allem die politischen Führer getrunken haben.

Birgitt Claus, Museumsgastronomin

Birgitt Claus gründete 1998 in Berlin ihr Unternehmen eßkultur. Sie bietet Schokoladenkurse an und führt unter anderem das Zitronencafè im Körnerpark.

Diese Art Vasen kenne ich gut, sie standen ja früher im Ethnologischen Museum in Dahlem. Die Maya nutzten die Behälter für Kakao, aber der war anders als wir ihn heute kennen. Er hatte auch eher eine rote Farbe. Wenn der Hohe Priester den Kakao auskippte, schäumte das Getränk. Ich habe mir extra Holzquirle besorgt, um diesen Schaum beim Kakao zu erzeugen. Die Maya mochten auch scharfe Schokoladensaucen zum Fleisch. In der Mole Poblano, dem Nationalgericht Mexikos, stecken 75 Zutaten. Wir können heute natürlich nicht mehr die ursprünglichen Rezepte aus dem 15. Jahrhundert verwenden, aber wir modifizieren sie auf kreative Art. Unsere Schokoladensauce passt zum Beispiel gut zu Truthahn; der ist gerade wieder angesagt. Früher wären Europäer nicht auf die Idee gekommen, Kakao zu trinken. Der war viel zu bitter. Die Azteken haben die Kakaobohnen wie Geld benutzt. So wurden die Europäer auf den Wert des Rohstoffs aufmerksam.

Birgitt Claus gründete 1998 in Berlin ihr Unternehmen eßkultur. Sie bietet Schokoladenkurse an und führt unter anderem das Zitronencafè im Körnerpark.

Protokolliert von Hella Kaiser.

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