Achille Mbembe Foto: dpa/Daniel Bockwoldt
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Henkel-Preis für den Historiker Achille Mbembe Der Anwalt Afrikas

Achille Mbembe erforscht seit Jahren den Zusammenhang Kolonialismus, Kapitalismus und die Geschichte Afrikas. Jetzt wird er mit dem Gerda Henkel Preis ausgezeichnet.

Er ist der Popstar der Postkolonialismusforschung, herausragender Denker, gefragter Redner und einer der herausragendsten Historiker des afrikanischen Kontinents. Am 8. Oktober wird Achille Mbembe mit dem Gerda Henkel Preis 2018 der Gerda Henkel Stiftung ausgezeichnet. Der Preis ist mit 100 000 Euro dotiert. Mbembe, 1957 in Kamerun geboren, ist ein Kritiker des Kolonialismus und des neoliberalen globalen Kapitalismus. Berühmt wurde er durch seine Bücher „Die Kritik der schwarzen Vernunft“ und „Ausgang aus der langen Nacht. Versuch über ein entkolonialisiertes Afrika“, das 2016 auf Deutsch erschienen ist. Mbembe ist der Anwalt Afrikas: „Afrika ist der Name des Kontinents, von dem man immer meinte, nichts Universelles könne dort entstehen. Afrikaner waren törichte Kinder. Aber Afrika ist nicht die Vergangenheit der Welt, sondern es ist wie ein Fenster: Von dort aus sieht man die Zukunft“, hat er in einem Interview mit der „Zeit“ gesagt. Und: „Nelson Mandela hat die Universalität der Menschenrechte repräsentiert. Nun wissen wir: Es gibt nur eine einzige Welt, und wir sind alle gemeinsam ihre Erben.“

Kapitalismus und Rassismus gehören zusammen

Mbembe hat zunächst an der Universität Yaounde in Kamerun und danach in Paris Geschichte studiert und promoviert. Er lehrte später an verschiedenen amerikanischen Universitäten. Seit 2001 arbeitet er am Institute of Social and Economic Research der Witwatersrand-Universität im südafrikanischen Johannesburg.

Das rassistische Denken sei dem im 15. Jahrhundert aufkommenden globalen Kapitalismus eingeschrieben, so Mbembe. Auf diese Weise sei auch der Begriff des „Negers“ als einer Handelsware entstanden. Mit dem Neoliberalismus hätte Europa sich von diesem Konzept zwar gelöst, aber letztendlich einen „Rassismus ohne Rasse“ beibehalten. In der Verschmelzung der Kulturen in Südafrika sieht Mbembe ein Fenster zu einer neuen Welt, wenngleich dort die sozialen Unterschiede noch krass sind. Kolonialismus, Rassismus und Nationalismus müssten im Zusammenhang gesehen werden.

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