Verfremdeter Blick in Hannah Höchs Garten. Foto: Simon Vogel
© Simon Vogel

Hannah Höch-Hommage in Reinickendorf Kommt in meinen Garten

Pia Benthin

In der Ausstellung „Interior Garden“ treten Johanna Tiedtke und Scott Roben im Museum Reinickendorf in Dialog mit Arbeiten der Künstlerin Hannah Höch.

Der Garten ist ein Kleinod, ein Fleck Natur, der Ruhe und Raum für Erholung spendet. Ein Rückzugsort war er auch für die Künstlerin Hannah Höch. Mit dem beginnenden Zweiten Weltkrieg entschwand die Dadaistin nach Heiligensee und gestaltete sich ihr grünes Reich nach ihrem künstlerischen Geschmack.

Zu jeder Jahreszeit erblühte der Garten in anderer Schönheit, bot aber gleichzeitig als Nahrungsquelle Sicherheit zu Kriegszeiten. Zudem legte sich eine beachtliche Kunstkollektion zu und sicherte so vor allem Dada-Werke vor den Nationalsozialisten, denen sie als „entartet“ galten.

Handarbeiten von Höch sowie Reproduktionen ihrer Werke

Neben der Berlinischen Galerie hält das Museum Reinickendorf einen großen Bestand an Hannah Höchs umfangreichem Schaffen. Fotografien, Stickereien, Collagen und nicht zuletzt der Garten selbst. Sie war die einzige Frau, die den Dadaismus in Berlin mitbegründete und eine der ersten, die die Technik der Fotomontage ausprobierten.

Unzählige Möglichkeiten bieten sich also, um an ihrer Kunst anzuschließen oder sie zu zitieren. Genau das tun Johanna Tiedtke und Scott Roben in „Interior Garden“. Zusätzlich zum Hannah-Höch-Raum zeigt das Museum Reinickendorf die von Leah Pires kuratierte Ausstellung. Johanna Tiedtke und Scott Roben, die sich in New York kennengelernt haben und nun beide in Berlin wirken, treten mit ihrem Werken in Dialog mit der 1978 verstorbenen Künstlerin.

Während Tiedtke, die sich schon öfter mit Gärten beschäftigt hat, die Stickereien der Dadaistin aufnimmt und sie auf großen bedruckten Glasplatten reproduziert, die vor den Fenstern der Galerie-Etage angebracht sind, probierte Roben sich im blinden Zeichnen des Gartens auf Kozo-Papier.

Als Hommage stehen die Werke direkt neben Handarbeiten von Höch sowie Reproduktionen ihrer Werke, die die Berlinische Galerie verwahrt. Abgerundet wird der Rundgang von einem Video von Roben und zahlreichen Fotografien.

Auf manchen ist Hannah Höch selbst sehen, eine Schwarz-Weiß-Fotografie von Floris Neusüss zeigt die gealterte Künstlerin durch ein Fenster des Hauses, in dem sich der Garten spiegelt. Ein Spiel mit dem Konzept des Innen und Außen, dem Privaten und Öffentlichen. Andere hat Höch persönlich fotografiert und wieder andere – von Rainer König, dem Neffen Höchs – zeigen den Garten und das Haus der Künstlerin direkt nach ihrem Tod.

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Dieser Garten spielte für Höch eine große Rolle. Und steht nun auch bei „Interior Garden“ im Mittelpunkt. Nachdem Scott Roben Johanna Tiedtke vom Höch- Garten erzählt hatte, verbrachten beide in den letzten Jahren viel Zeit dort, haben ihn studiert und in ihre Kunst eingeflochten. Der Garten selbst sei wie eine Collage, beschreibt es Tiedtke, lebendig und in Veränderung.

Die Collage findet sich als Kunstform immer wieder im Schaffen von Höch, gleich ob sie Zeitungsausschnitte über Gartenpflege anlegt oder Privates in ihrer Kunst verarbeitet. Persönlich wird es auch gleich am Eingang zur Ausstellung, wo ein Text von Höchs langjähriger Lebensgefährtin Til Brugman ausgestellt und gleichzeitig als Tonaufnahme abgespielt wird.

[„Interior Garden“, Arbeiten von Johanna Tiedtke und Scott Roben zu Hannah Höch in der GalerieETAGE, Museum Reinickendorf, Alt-Hermsdorf 35, 13467 Berlin, So – Fr 9 – 17 Uhr, bis 14. November.]

Die Ausstellung wirkt ebenfalls wie eine Collage und in Ergänzung zum Hannah-Höch-Raum wirft sie einen Blick auf die Künstlerin, aber auch darüber hinaus. Sie zeigt, wie zeitgemäß Höchs Landflucht heutzutage immer noch ist und dass der Eskapismus raus der Stadt, rein in die Natur, auch 80 Jahre später nichts an Anziehungskraft eingebüßt haben.

Gleichzeitig geben die hauchfeinen Arbeiten von Roben und die das Licht, was durch Tiedtkes blaue Platten fällt und immer wieder andere Details hervorhebt, einen Vorgeschmack auf den Garten selbst. Nach Anmeldung beim Künstlerhaus Hannah Höch Verein kann man durch das Gartenreich der Künstlerin Lustwandeln und die Facetten des Grüns entdecken.

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