Damals. Caterina Valente bei einem undatierten Auftritt in der Sendung "Musik aus Studio B". Foto: dpa
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Geburtstagstusch für Caterina Valente Schuld war nur der Bossa Nova

Weltstar des Wirtschaftswunders: Entertainerin Caterina Valente hatte Top-Ten-Hits in Europa, Asien und den USA. Nun wird sie 90.

Timing ist alles. Im Film wie im Showgeschäft. Wenn ein Star einen eleganten Abgang hingelegt hat, dann ist es Caterina Valente. Seit ihrem 70. Geburtstag vor zwanzig Jahre war sie kurz mal im italienischen Fernsehen und bei ein paar Preisverleihungen zu sehen. Ansonsten lebt die Frau, die es in sechzig Bühnenjahren von der Kinderdarstellerin zu einer Weltkarriere brachte, seither zurückgezogen in Lugano in der italienischen Schweiz.

Gibt keine Interviews, lässt sich nicht in Fernsehdokumentationen oder auf Tribute-Alben feiern, wie ihr beispielsweise Jazztrompeter Till Brönner einmal eins widmen wollte. Zum 90. Geburtstag sind keinerlei Ausreißer aus der Diskretion geplant, teilt der Presseagent mit. Groß feiern sei nicht Caterina Valentes Ding. „Es geht ihr gut, sie will einfach das Leben genießen.“

Per Webseite und sozialen Medien verteilt sie Grüße und Clips

Trotzdem versorgt die Ruheständlerin ihre Fans per gut gepflegter Webseite und sozialen Medien mit einem steten Strom guter Wünsche und historischer Clips. Ihr "One Note Samba"-Spaß-Duett mit Dean Martin aus den sechziger Jahren haben sich auf Youtube elf Millionen Menschen angesehen, was die Künstlerin „als Wiederentdeckung durch die digitale Generation“ verbucht.

Tatsächlich kann die damals schon etwas verlebte Entertainer-Schnapsdrossel im notorischen Rat-Pack-Smoking weder in Sachen Witz und Charisma und schon gar nicht gesanglich mit Caterina Valente mithalten.

Von heute aus gesehen und die MeToo-Bewegung im Kopf, besticht die souveräne Distanz, mit der die großartig steppende und Gitarre spielende Entertainerin neben Bühnenpartnern wie Bing Crosby, Danny Kaye, Sammy Davis Jr., Charles Aznavour oder Peter Alexander bestand.

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Mit Schlagern wie „Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini“, „Ganz Paris träumt von der Liebe“ und „Ciao, Ciao, Bambina“ wird die am 14. Januar 1931 in Paris geborene Italienerin, die nach einer Heirat zeitweilig auch einen deutschen und heute den französischen Pass besitzt, zur „Stimme des Wirtschaftswunders“.


Der Tagesspiegel nennt sie 1955 „eine reizende unkomplizierte junge Frau mit schwarzen Zottelhaaren“ und fabuliert weiter: „Das Bunte, Schnelle und das Häusliche ihres Wesens sind nicht fremd miteinander.“ Was wohl nichts anderes heißen soll, als dass die junge Sängerin die nach dem Krieg grassierende Sehnsucht nach Exotik mit einer für diesen Berufsstand ungewöhnlich soliden Ausstrahlung verbindet.

Von Kindesbeinen an auf der Bühne

Die polyglotte, sechs Sprachen fließend sprechende und doppelt so viele singende Sängerin mutiert zur beschwingten Reiseführerin der Herzen, mit der es mal nach „Granada“ und mal nach „Ipanema“ geht.

Dass sie Deutschlands einziger musikalischer Nachkriegs-Weltstar werden soll, der zwischen Las Vegas, Paris und London zeitweise in einem Atemzug mit Barbra Streisand und Liza Minnelli genannt wird, ist quasi dynastisch bedingt. Ihre Eltern sind Varietékünstler der A-Liga.


Jetzt. Caterina Valente genießt den Ruhestand in Lugano. Foto: Eraki Entertainment/Huber /dpa Vergrößern
Jetzt. Caterina Valente genießt den Ruhestand in Lugano. © Eraki Entertainment/Huber /dpa

Der Vater Akkordeonist, die Mutter Maria Valente eine berühmte Musikkomödiantin, die Caterina schon als Kind mit auf die Bühne nimmt, der Großvater Direktor des Russischen Staatszirkus’. Ihr Bruder, der Klarinettist Silvio Francesco, gehört zu ihren liebsten Bühnenpartnern. Beide wissen: Talent ist nichts ohne Disziplin.

Caterina Valente singt um die 1400 Lieder ein, landet Top-Ten-Hits in Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Großbritannien und mit den Liedern „Malaguena“ und „The Breeze And I“ auch in den USA. Letzteres ist eine heiße Latino-Nummer, in der Caterina Valente scattet als ginge es um ihr Leben. Ihre gesangliche Risikofreude und ihren Tonumfang kann sie erst im Jazz so richtig zeigen.

Swing, Chanson und Bossa Nova

Sie singt Swing und Chansons, arbeitet mit Michel Legrand, Chet Baker, Ella Fitzgerald und Burt Bacharach. Und sie verliebt sich in den Bossa Nova und bringt die Musik in die USA. Perry Como widmet ihr sogar ein Lied namens „Caterina“.

Fernsehshows auf der ganzen Welt reißen sich um sie. Das deutsche Fernsehen widmet ihr mit „Bonsoir, Kathrin!" die erste Personalityshow überhaupt, außerdem ist sie Dauergast der Samstagabendunterhaltung.

Die Showbiz-Fama raunt von 10 000 Auftritten, die Caterina Valente absolviert haben soll und nur ganze zwei jemals abgesagt. Ein Tusch für die Italienerin mit preußischer Arbeitsmoral.

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