Bruch in der Natur. „Mauer auf Eis“, 2019. Foto: Fabian Knecht/VG Bild-Kunst Bonn, 2019
© Fabian Knecht/VG Bild-Kunst Bonn, 2019

Gallery Weekend 2019 Sturz der Steine

Denkbilder: Fabian Knecht zeigt in der Kreuzberger Galerie Alexander Levy seine verblüffenden Interventionen.

Als Fabian Knecht weißen Nebel aus der Neuen Nationalgalerie aufsteigen ließ, war das problemlos als Geste der Zerstörung zu lesen. Ein Museum, eine Institution geht in Rauch auf. Knecht hat auch eine Ratte in der Alten Nationalgalerie freigelassen. Doch die Reduktion auf Anarchie wird dem 1980 Geborenen nicht gerecht. Rauch auf der rechteckigen Architektur, das ist eine Gegenüberstellung von künstlerischen Mitteln: Festes gegen Flüchtiges, der ewige Sockel contra die ephemere Skulptur.

Fabian Knecht denkt in solchen Kategorien. „Bruch“ heißt seine aktuelle Ausstellung in der Galerie Alexander Levy, wo er zuletzt 2017 mit Dokumenten und Fotografien eine Solopräsentation bestritt. Zu sehen waren strahlend weiße Räume mit Gras, Erde, Pfützen oder Schnee auf dem Boden. Inszenierte Landschaften, danach sah die Serie „Isolation“ aus. Dabei hat der Künstler die White Cubes um echte Natur herum gebaut.

Statt in den Raum zu zerren, was ihn interessiert, bringt Knecht den Raum zum Objekt. Ein Bruch mit der gängigen Ausstellungspraxis, und schon da kündigte sich thematisch an, was nun explizit im Vordergrund steht: Brüche im konkreten wie metaphysischen Sinn. Das Foto „Grundmauer“ zeigt eine handwerklich perfekt gemachte Mauer, die so sicher einbrechen wird wie das Eis auf der zugefrorenen Ostsee. Den Sturz der Steine sieht man nicht, bekommt die Assoziation allerdings kaum mehr aus dem Kopf. Ein „Denkbild“ nennt die Galerie diese Arbeit, in der Knecht ebenfalls zusammenzwingt, was gar nicht zueinander passt. Für „Erdichtung“ retuschierte er in Arizona einen Erdspalt, den wohl die dortige Agrikultur verursacht hat. Die Fotografie seiner Intervention bringt diese heilende Geste nahe. Noch präsenter sind die Bronzeabgüsse dreier Baumstümpfe in der Galerie, Reste einst mächtiger Bäume, zerstört von (menschengemachten) Stürmen. Darin verbirgt sich der nächste doppelte Bruch: einmal ganz unmittelbar am kaputten Objekt. Und weil Fabian Knecht die Zeugnisse des zerstörerischen Umgangs mit der Natur ästhetisch transformiert.

bis 6.6., Alexander Levy, Rudi-Dutschke-Str. 26, .6., Fr 18 – 21 Uhr, Sa/So 11 – 19 Uhr, sonst Di – Sa, 11 – 18 Uhr

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