Eine Besucherin bei der Frieze. Die Londoner Kunstmesse ist eine der frühen Mitglieder der Gallery Climate Coalition. Foto: AFP
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Gallery Climate Coalition in Berlin Der Kunstbetrieb will grün werden

Anne Haun-Efremides

Museen und der Wanderzirkus der Kunst sind CO2-Schleudernn. Nun bilden Berliner Galerien eine Koalition für mehr Nachhaltigkeit im Kunstbetrieb.

Zunächst waren es die Londoner Kunstmesse Frieze und die dortigen Blue-Chip-Galerien Thomas Dane, Sadie Coles, Kate MacGarry und Lisson, die sich zur „Gallery Climate Coalition“ (GCC) zusammenschlossen.

In der vergangenen Woche wurde nun auch die Gründung einer Berliner Dependance dieser Non-Profit-Initiative bekannt gegeben. Ihr Anliegen ist es, im Einklang mit dem Pariser Klima-Abkommen, bis 2030 die CO2-Emissionen im Kunstbetrieb um 50 Prozent zu reduzieren und ein Zero-Waste-Konzept zur Abfallvermeidung umzusetzen.

Die Resonanz in der Kunstwelt auf die neue Initiative ist groß. Die Mitgliederzahl explodierte seit Oktober 2020 von ursprünglich 14 auf mittlerweile insgesamt 361 Mitglieder. Auch das Auktionshaus Christie’s hat sich der GCC angeschlossen und verkündete kürzlich, bis 2030 klimaneutral sein zu wollen.

Die Pandemie hat das Tempo der Kunstwelt drastisch verlangsamt, gleichzeitig andere Themen beschleunigt. So werden Coronakrise und Klimanotstand nun zusammengedacht, wenngleich die Realität in der Kunstbranche bisweilen im Widerspruch zum politischen und ethischen Anspruch vieler Galerien stehen. Die CO2-Emissionen, die Museen und der Kunstmarkt mit seinem bis vor Kurzem noch üblichen Wanderzirkus zu Biennalen, Festivals und Messen produzieren, ist riesig.

Ein stadtnahes Logistikzentrum

Artlogic, ein Londoner Unternehmen, das Software für Künstler, Galeristen und Sammler anbietet, hat einen Kohlenstoffrechner programmiert, der auf die Bedürfnisse des Kunstsektors zugeschnitten ist. Mithilfe des Rechners können die Mitglieder der Gallery Climate Coalition ihren CO2-Verbrauch überprüfen und Einsparpotenziale erkennen. Ein Expertennetzwerk berät anschließend bei der Umsetzung.

Der britische Maler Gary Hume verschickt seine Werke beispielsweise nur noch auf dem Schiffsweg, andere Künstler wollen künftig ausschließlich zu Messen anreisen, die mit dem Zug zu erreichen sind, und die Messe Frieze stellt auf Biodiesel um. Die Berliner Dependance von GCC hat sich vorgenommen, die lokale Kooperation zu stärken.

So will man sich in Sachen Kunsttransporte besser koordinieren und möglichst auf See- statt Luftfracht umsteigen. Auch plant man ein gemeinschaftliches stadtnahes Logistikzentrum, das unter anderem eine klimaneutrale Lagerung von Kunst, die gemeinsame Nutzung von Transportkisten und geteilte Präsentationsräume für Kunstkäufer ermöglichen soll. Auf der Webseite des GCC Berlin können sich Mitglieder über diese Themen austauschen.

Auch das Gallery Weekend ist dabei

Zu den Berliner Initiatoren gehören Galerien wie Sprüth Magers, ChertLüdde, Haverkampf oder Esther Schipper, aber auch einzelne Künstlerateliers wie das Studio von Olafur Eliasson. Mit dabei sind auch das Produktionsstudio Studio Violet und Kunstorte wie das E-Werk Luckenwalde. Auch das Gallery Weekend Berlin ist Mitglied.

Allein das Berechnen des ökologischen Fußabdrucks schafft zwar noch keinen Richtungswechsel. Zumal sich die Mitglieder nicht verpflichten, ihre CO2-Ergebnisse öffentlich zu machen oder Konsequenzen daraus zu ziehen. Vielversprechend ist aber das erwachende Bewusstsein der Branche und ihre neue Bereitschaft zur Kooperation.

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