Am Mittwoch geht es vor Gericht unter anderem um die Doppelbelastung der Schüler durch abendliche Auftritte - etwa an der Staatsoper - und morgentlichen Unterricht. Foto: Mike Wolff
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Festival „Infektion!“ an der Staatsoper Kleine Dramen

Mit drei Kammerkonzerten in der Neuen Werkstatt geht das Festival „Infektion!“ an der Berliner Staatsoper zu Ende.

Beim „Infektion!“-Festival ist er bereits eine feste Größe: Mit „Ti vedo, ti sento, mi perdo“ kommt bereits die sechste Musiktheater-Produktion von Salvatore Sciarrino Unter den Linden heraus. Auch seine Komposition „La perfezione di uno spirito sottile“ für Stimme, Flöte und Percussion entbehrt nicht der theatralischen Züge. In der Neuen Werkstatt der Staatsoper stehen sich die Sopranistin Olivia Stahn und die Flötistin Rebecca Lane als weißgekleidete, geisterhaft beleuchtete Gestalten gegenüber; von der „Vollkommenheit eines feinsinnigen Geistes“ spricht vielleicht ihre Körperlosigkeit und die enge Verzahnung ihrer seufzenden, wimmernden, sich zu zarten Melodiefloskeln erhebenden, nur selten heftig ausbrechenden Laute. Ansonsten geht es um Natur, wie Uta Neumanns Videoinstallation nahelegt: mit sich verdunkelnden Gebirgslandschaften, zart bewegten Blättern, rhythmisch an den Seiten aufleuchtenden Gesteinsformationen. Das fügt sich zu atmosphärischer Dichte, der Brigitte Haas im abgedunkelten Hintergrund mit hellem Geklingel von Glöckchen und Zimbeln fernöstliches Flair hinzufügt – bis hin zu den zart verwehenden Taschentüchlein zum Festival-Schluss: Ciao, Salvatore!

Man mag hier, im Halbdunkel auf bequemen Polstern hingestreckt, über die Längen hinwegdösen – fesselnder, ausgereifter zusammengefügt als in diesem frühen Werk von 1985 sind die Sciarrino- Markenzeichen der sprachähnlich gurrenden, flehenden, drohenden, stammelnden, stets ins Glissando führenden Zwei-oder Dreitonmotive im Streichquartett Nr. 8 (2002). Das Miranda-Quartett führt sie klangschön oder auch geräuschhaft zerfasert zu subtilen Dialogen zusammen, dramatische Kulminationen inbegriffen – auch dies ein Mini-Theater.

Melodische Linien, eindringliche Spitzentöne

Zwischen den beiden Sciarrino-Werken erhebt sich in diesem 3. Kammerkonzert des Festivals „Akt und Tag“ von Wolfgang Rihm, die Vertonung des Gedichts „Day“ von William Blake für Sopran und Streichquartett. In glühenden Klängen ersteht der Sonnenaufgang, die versengende Schärfe der „Schwerter und Speere“ der Sonnenstrahlen, der in der antiken Sage Ikarus oder Phaethon zum Opfer fielen. Nach zunächst abgehackten, wie stotternden Repetitionen entfaltet Olivia Spahns Stimme die Intensität langer melodischer Linien voll eindringlicher Spitzentöne, während die Miranda-Musikerinnen aus fahlen, geheimnisvoll gedämpften Haltetönen schließlich überwältigende Leuchtkraft entwickeln.

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