Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Eröffnung der Documenta fifteen Foto: dpa/Swen Pförtner
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Eröffnung der Weltkunstausstellung in Kassel Steinmeier kritisiert Umgang der Documenta mit Antisemitismus

Nun steht die Documenta fifteen in Kassel allen offen. Zur Eröffnung greift der Bundespräsident die Antisemitismus-Vorwürfe gegen beteiligte Künstler auf.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei der Eröffnungsfeier der Documenta fifteen die Verantwortlichen der Kunstschau für ihren Umgang mit Antisemitismus-Vorwürfen kritisiert. „Es fällt auf, wenn auf dieser bedeutenden Ausstellung zeitgenössischer Kunst wohl keine jüdischen Künstlerinnen oder Künstler aus Israel vertreten sind“, sagte er. Er sei sich im Vorfeld nicht sicher gewesen, ob er überhaupt zu der Eröffnung kommen würde. Die Weltkunstausstellung wurde am Samstag in Kassel offiziell eröffnet.

Dass sich Vertreter des „globalen Südens“ vermehrt weigerten, gemeinsam mit jüdischen Israelis an Veranstaltungen oder Festivals teilzunehmen, empfinde er als verstörend. „Die Freiheit der Meinung und die Freiheit der Kunst sind Wesenskern unserer Verfassung. Kritik an israelischer Politik ist erlaubt“, erklärte Steinmeier. „Doch wo Kritik an Israel umschlägt in die Infragestellung seiner Existenz, ist die Grenze überschritten.“

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Die Documenta fifteen wird erstmals von einem Künstlerkollektiv aus Asien kuratiert - von der neunköpfigen Gruppe „Ruangrupa“ aus Indonesien. Die Weltkunstausstellung soll nach ihren Vorstellungen stärker als in der Vergangenheit den Blick der Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika auf die moderne Welt und ihre Probleme ins Zentrum rücken. Dabei fühlen sich die Ausstellungsmacher der Philosophie des „Lumbung“ verbunden, einer in Indonesien verbreiteten gemeinschaftlichen Reisscheune, in der die Ernte gesammelt wird und allen zur Verfügung steht. Im gemeinsamen Einbringen von Fähigkeiten und dem Teilen sieht die „Ruangrupa“ den Kern ihres Ausstellungskonzepts.

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Bereits zum Jahresbeginn hatte es rund um die documenta eine Diskussion über Israelfeindlichkeit gegeben. Der Antisemitismus-Vorwurf gründete sich darauf, dass einige der eingeladenen Künstler die vom Bundestag als antisemitisch eingestufte internationale BDS-Kampagne unterstützen sollen, die zum Boykott gegen Israel aufruft.

Die Vorwürfe hatte unter anderem der Kasseler Oberbürgermeister und documenta-Aufsichtsratsvorsitzende Christian Geselle (SPD) zurückgewiesen. Die Künstler der „Ruangrupa“ hätten sich klar gegen Antisemitismus, Rassismus, Rechtsextremismus, gewaltbereiten religiösen Fundamentalismus sowie jede Art von Diskriminierung positioniert.

100 Tage Weltkunst in Kassel

Zur Eröffnung am Samstag versprach Geselle Besuchern der documenta eine „besondere Ausstellung“ in einer herausfordernden Zeit: „Das Publikum erwartet eine sehr dynamische, interaktive, bunte, lebendige, fröhliche, aber auch nachdenkliche Documenta fifteen.“ Kassel sei eine weltoffene Stadt und freue sich über das besondere Flair während der kommenden 100 Tage.

Insgesamt sind nach Angaben der Veranstalter rund 1.500 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt mit ihren Werken an der Ausstellung beteiligt, die sich auf rund 30 Standorte in der Stadt verteilt. Neben traditionellen Ausstellungsorten wie dem Museum Fridericianum, der documenta-Halle und der Karlsaue sind viele neue Lokalitäten dabei. So rückt der industriell geprägte Kasseler Osten erstmals verstärkt in den Blick der Weltkunstschau.

Die Documenta gilt als eine der weltweit wichtigsten Ausstellungen für moderne Kunst und findet alle fünf Jahre statt. Sie geht auf eine Initiative des Kasseler Malers und Hochschullehrers Arnold Bode (1900-1977) zurück, der 1955 die erste große Schau moderner Kunst in seiner Heimatstadt organisierte. Die Documenta fifteen ist in Kassel bis 25. September zu erleben. (epd)

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