Elena Bashkirova hat das Intonations-Festival im Glashof des Jüdischen Museums erfunden. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
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Elena Bashkirova und ihre "Intonations" Geigenklänge im Glashof

Zum letzten Mal findet das Kammermusikfestival „Intonations" im Jüdischen Museum Berlin statt. Beobachtungen am Eröffnungsabend.

Spätestens, wenn es draußen und damit auch drinnen dunkel wird, wenn Scheinwerfer die Strebe-Arme der von Daniel Libeskind einer Laubhütte nachempfundenen Dachkonstruktion in gelbes oder rotwarmes Licht tauchen – dann weiß man wieder, warum der Glashof des Jüdisches Museums so ein wunderbarer Ort ist für Konzerte – und eben auch für „Intonations“. Schmerzlich, dass man künftig darauf verzichten muss, denn das Kammermusikfestival findet gerade zum letzten Mal statt. Am Sonntagvormittag wurde es mit Werken von Erwin Schulhoff eröffnet, am Abend standen Mahler und Beethoven auf dem Programm.

Es spricht für die hohe Professionalität derjenigen, die Festivalleiterin Elena Bashkirova hier regelmäßig versammelt, dass bei kurzfristigen Änderungen – die bei „Intonations“ normal sind und auch den Charme des Festivals ausmachen – sofort jemand einspringt, der das Werk drauf hat. Michael Barenboim zum Beispiel ersetzt scheinbar mühelos die erkrankte Clara-Jumi Kang in Beethovens vierter Violinsonate.

Spontane Umbesetzungen? Kein Problem!

In den vergangenen Jahren hat er sich vor allem auf Neue Musik spezialisiert; die technische Finesse, die diese oft erfordert, kommt auch seinen Interpretationen der Wiener Klassik zugute. Sie führt zu einem gehärteten, extrem präsenten, aufmerksamen, detailverliebten Stil, der trotzdem die großen Bögen nicht vernachlässigt. Sunwook Kim am Klavier setzt einen Kontrapunkt mit eher romantisch-weichem Anschlag.

Dann folgt schon der Höhepunkt des Abends, eine Trouvaille, ein frühes Klavierquartett von Gustav Mahler, von dem nur der erste Satz existiert. Das Klavier (erneut Sunwook Kim) stimmt ein wehmütiges Thema an, das die drei Streicher und Streicherinnen sogleich aufgreifen und zehn Minuten lang ausssingen – ein Werden und Vergehen, eine Herzensergießung, die die Abgründe noch nicht ahnen lässt, in die Mahler später mit seinen Symphonien blickt.

Suyoen Kim (auch sie eine Einspringerin) an der Geige beeindruckt mit bernsteinfarbenem Strich und Führungsqualitäten, nimmt sich im richtigen Moment zurück und ist doch mit einem Wimpernschlag wieder ganz präsent.

Herrlich: Beethovens Septett

Juliane Banse singt statt Dorothea Röschmann Mahlers Rückert-Lieder, hat allerdings eines noch nicht beherzigt: Bei Gesang ist der Glashof tückisch. Wer hier nicht rechtzeitig abdämpft, presst sich schnell zu sehr in den Vordergrund. Elena Bashkirova spinnt derweil am Klavier die Klangwelt weiter, in der Mahler lange über Ausdruck und Bedeutung einzelner Worte wie „Mitternacht“ sinniert.

Zum Finale eine Ahnung orchestraler Fülle, Beethovens herrliches Septett op. 20, das vom Menuett über ein Variationsthema bis zum Marsch vieles versammelt und zur Einheit formt – was auch Suyoen Kim tut, die erneut beherzt ihre sechs Mitstreiter beieinanderhält.

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