Ein Coup der Wiener Galerien Viel Vertrauen

Stefan Kobel

Wie es ihnen gefällt: 24 Wiener Galerie überlassen Kuratoren ihre Räume

Melanie Jame Wolf: "Acts of Improbable Genius" in der Galerie Sophie Tappeiner Foto: Curated by Vergrößern
Melanie Jame Wolf: "Acts of Improbable Genius" in der Galerie Sophie Tappeiner © Curated by

Kein Bling-Bling, kein Limousinen-Service für VIPs, kein exklusives Dinner an exotischem Ort. Stattdessen: Inhalte, das ist in der Wiener Kunstszene eingeübte Praxis. Immerhin schon im 13. Jahr zeigt die österreichische Hauptstadt, wie ein Galerienformat auch aussehen kann. Curated by nennt sich das nicht einmal dringlichkeitsheischend Galeriewochenende, weil die Ausstellungen schließlich eine ganz normale Laufzeit von vier bis zwölf Wochen haben - wie anderswo übrigens ebenfalls.
Der bedeutendste Unterschied zu allen vergleichbaren Veranstaltungen ist jedoch nicht formaler, sondern inhaltlicher Natur. Die Zahl der Teilnehmer variiert, je nach Höhe der öffentlichen Förderung, doch das Prinzip ist immer gleich: Im Rahmen eines Oberthemas erhalten Externe Carte blanche und kuratieren in Galerien - mit freier Hand bei der Künstlerauswahl. Dieses Jahr lautet die Aufgabenstellung „Comedy“, es geht um literarische und philosophische, aber auch (kunst-)historische Motive ebenso wie um ihre Doppelbödigkeit.
Diesmal bespielen 24 Kuratoren und -teams ebenso viele Galerien mit über 180 künstlerischen Positionen. Darunter sind etablierte und junge Kuratoren wie Andrea Bellini (bei Christine König), Zdenek Felix (bei Meyer Kainer) oder Lisa Long (Sophie Tappeiner), aber auch Theoretiker wie Jörg Heiser und Sarah Khan (Gabriele Senn). 

In der Galerie Nächst St. Stephan / Rosemarie Schwarzwälder lässt Martin Germann den chinesischen Künstler Zhang Peili in einer geradezu retrospektiven Ausstellung unter anderem fast sämtliche Teile und Organe des menschlichen Körpers in Marmor auf dem Boden ausbreiten. Das unter Pseudonym auftretende Kollektiv Studio for Propositional Cinema beschäftigt sich in der Galerie Emanuel Layr mit Fragen rund um den Begriff der Autorschaft, ausgehend von einer vom Künstler zurückgezogenen Skulptur: Es handelt sich um den Arte Povera-Vertreter Emilio Prini, dessen Spätwerk zunehmend darin bestand, in kurzen Nachrichten seine Teilnahme an Ausstellungen zu bestätigen, ohne ein physisches Werk beizusteuern. Auch die gezeigten Werke von Brassaï oder Charlotte Posenenske sind nur bedingt im Marktzusammenhang verwertbar. Die Galerie Crone hat die kuratorische Arbeit komplett an das digitale Kunstwerk "Poetry Machine" des Künstlers David Link abgegeben, auf deren Konzepte wiederum Künstlerinnen und Künstler reagieren.

Möglich macht diese ambitionierten Ausstellungen eine öffentliche Förderung, die neuerdings im denkbar demokratischsten Prozess verteilt wird. Der neu aufgestellte Verein von Curated by ermöglicht es sämtlichen Galerien, die jemals an der Veranstaltung teilgenommen haben, ihre (aktuell) 24 Favoriten auszuwählen. Die Projekte mit den meisten Stimmen sinann d ddabei. So viel Mut zur Innovation hätte man der Wiener Szene nicht unbedingt zugetraut. Die Messe Viennacontemporary, die zum Eröffnungswochenende parallel stattfand, musste sich ganz schön nach der Decke strecken, um mithalten zu können.

www.curatedby.at

 

 

 

 

 

 

 

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