Solist des Abends: der kanadische Geiger James Ehnes. Foto: Ben Ealovega
© Ben Ealovega

DSO-Konzert zum 8. Mai Eine Sternstunde

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin spielt zum Gedenktag des 8. Mai Hans Krása, Mozart und Mahler.

Mit einer munteren Musik, seltsam instrumentiert, eröffnet das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin sein Konzert am 8. Mai. Hans Krása komponierte seine Ouvertüre für kleines Orchester 1943/44 im Konzentrationslager Theresienstadt.

Aufführen konnte er sie nicht mehr: Im Oktober 1944 wurde der Komponist nach Auschwitz deportiert und in die Gaskammer geschickt. Seine Kinderoper „Brundibár“ wurde in Theresienstadt über 50 Mal gespielt – seit 1992 war sie in vielen Ländern zu sehen.

Krásas Orchesterstück erreicht seine Farbigkeit mit der im Lager verfügbaren Besetzung von zwei Klarinetten, zwei Trompeten, Streichern und dominierendem Klavier. Wie die Themen schmissig vorübergleiten und motorische Rhythmik den flotten Sound bestimmt, kann nicht ohne Rührung gehört werden an diesem Gedenktag in der Philharmonie.

Bevor mit dem Trauermarsch der 5. Symphonie von Gustav Mahler das Hauptstück des Abends anhebt, erklingt ein heiteres Zwischenspiel. Mozarts Violinkonzert in G-Dur hat in James Ehnes einen Solisten, der bei aller Virtuosität die Innerlichkeit der Musik betont.


Während der Ton hell glänzt, favorisiert Ehnes die Regionen des Leisen, bis zum ausdrucksvollen Spitzenton am Rand der Stille. Das Orchester mit Manfred Honeck am Pult begleitet feinfühlig, es bezaubert, wenn im Adagio die Flöten anstelle der Oboen über den gedämpften Streichern aufklingen.

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„Wie ein Kondukt“: Was in gemessenem Schritt beginnt, wird in der Partitur plötzlich „leidenschaftlich“ und „wild“. Das DSO feiert Gustav Mahler als Meister des größten Kontrastes. Ob die Streichergruppen singen oder die Musik klagend abstürzt, Honeck dirigiert mit einer Gestik, an der sich die Partitur ablesen lässt. Schulmeisterliche Genauigkeit ist darin und mitreißende Vehemenz. Im Scherzo, dem längsten Satz der Symphonie, in dem die Hauptrolle des Solohorns sich prächtig entfaltet, fasziniert Mahlers Orchesterkunst, die der Dirigent aus der Vielfalt der instrumentalen Stimmen entfaltet, wobei Honeck zugleich das Ideal der Deutlichkeit verteidigt.

Die genau berechnete Pause vor dem berühmten Adagietto, die Stimmungswechsel mit der Polyphonie im Finale, Subtiles und Monumentales bis zur Schlussstretta erscheinen in blühenden Klangcollagen. Es ist eine Sternstunde des Deutschen Symphonie-Orchesters.

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