Die Lebensgeschichte von Nadine Hwang (links) und Nelly Mousset-Vos erzählt die Doku "Nelly & Nadine". Foto: Auto Images
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Dokumentation „Nelly & Nadine“ im Panorama Erster Kuss in Ravensbrück

Mit seiner bewegenden Dokumentation „Nelly & Nadine“ erinnert Magnus Gertten an zwei Frauen, die sich in einem KZ ineinander verliebten - und überlebten.

Eine Stimme aus der Dunkelheit ruft: „Sing’ uns etwas aus Madame Butterfly“. Es ist Weihnachten 1944 im Konzentrationslager Ravensbrück. Die belgische Opernsängerin Nelly Mousset-Vos trägt Weihnachtslieder vor.

Nach kurzem Zögern erfüllt sie den Wunsch und singt Puccinis Arie „Un bel di vedremo“. Nadine Hwang, die Ruferin, bedankt sich anschließend mit einem Kuss. Es ist der Beginn einer unglaublichen Liebesgeschichte.

Nach dem Krieg fanden sich die Frauen in Brüssel wieder

Nelly Mousset-Vos Jahre hat sie später in ihren Memoiren festgehalten. Sie fand dafür keinen Verlag, doch auf einigen ihrer Aufzeichnungen basiert nun der Dokumentarfilm „Nelly & Nadine“ des schwedischen Regisseurs Magnus Gertten.

Seine Recherchen führen ihn auf einen Bauernhof in Frankreich, wo Nellys Enkelin Sylvie lebt. Auf ihrem Dachboden steht seit Jahren unbeachtet eine Kiste mit Dokumenten, Filmen und Fotografien aus dem Nachlass ihrer 1987 verstorbenen Großmutter.

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Begleitet von der Kamera, erforscht sie das Schicksal des Paares, das Ende Februar 1945 getrennt wurde, weil Nelly nach Mauthausen verlegt wurde. In Brüssel fanden sich die beiden nach Kriegsende wieder, 1950 zogen sie nach Caracas, wo Sylvie sie einige Male besuchte, als sie selber noch ein Kind war.

Es ist bewegend Film zu sehen wie „Nelly & Nadine“, der im Panorama der Berlinale uraufgeführt wurde, das Vorkriegsleben der Frauen wie auch ihre spätere Zeit rekonstruiert. Nadine, Tochter einer Belgierin und eines chinesischen Diplomaten, verkörperte mit ihren kurzen Haaren und Herrenanzügen früh das Erscheinungsbild einer lesbischen Butch.

[12.2., 12 Uhr (Zoo Palast 2), 18 Uhr (Eva Lichtspiele), 17.2., 20 Uhr (Cubix 9), 18.2., 11.30 Uhr (Cinemaxx 4), 19.2., 12.30 Uhr (Zoo Palast 1)]

„Sie sind nie auf die Idee gekommen, dass diese beiden Damen ineinander verliebt waren?“, wird Sylvie gefragt. Sie schweigt und man ahnt, dass die Familie es sehr wohl wusste. Die späte Entdeckung ihrer Geschichte zeugt von Homophobie – und von deren Überwindung. Sylvie wird ihrem Erbe letztlich gerecht.

Am 30. April wird in der Gedenkstätte des KZ Ravensbrück zum 77. Jahrestag der Befreiung ein Gedenkzeichen für die lesbischen Lagerinsassinnen eingeweiht. Dank Magnus Gerttens Dokumentation haben zwei von ihnen nun auch ein filmisches Denkmal.

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