Die 1980 in Frankreich geborene Ariane Matiakh leitet künftig das Orchester in Halle. Foto: Johannes Stein/dpa-Zentralbild/ZB
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Dirigentinnen feiern Erfolge Warten auf Frau Karajan

Langsam geht es voran: In Magdeburg und Halle leiten künftig Frauen die Orchester und auch in Berlin sind immer mehr Dirigentinnen zu Gast.

Siehe da, es bewegt sich doch was in der Klassikwelt: Im Abstand von nur wenigen Tagen haben die Theater in Magdeburg und Halle an der Saale bekannt gegeben, dass ihre Orchester künftig von Frauen geleitet werden. Die 1975 geborene Russin Anna Skryleva, die im August 2019 Generalmusikdirektorin in Magdeburg wird, hat unter anderem an der Berliner Universität der Künste studiert und war bereits in Flensburg, Darmstadt, Köln und Hamburg engagiert. Für die 38-jährige Französin Ariane Matiakh ist die Chefinnenposition am Fünfspartenhaus in Halle der erste feste Job, sie hat sich bisher als Gastdirigentin bei Orchestern in ihrer Heimat, in Holland, Schweden, Österreich und Deutschland ihren guten Ruf erarbeitet. Am 27. Oktober wird sie in Berlin zu Gast beim Rundfunk-Sinfonieorchester sein, mit dem sie auch schon eine CD eingespielt hat.

Bereits am Mittwoch tritt die 1990 in Paris geborene Marie Jacquot im Rahmen der Konzertreihe „Debüt im Deutschlandfunk“ vor das Deutsche Symphonie-Orchester, das in dieser Saison mit Simone Young und Karina Canellakis noch zwei weitere Dirigentinnen eingeladen hat. Alondra de la Parra wiederum wird am 14. Oktober das Konzerthausorchester dirigieren, bei der vom ZDF ausgestrahlten und von Thomas Gottschalk moderierten Gala des Musikpreises „Opus Klassik“. Oksana Lyniv steht im Januar 2019 bei der „Tosca“ an der Deutschen Oper im Graben, Kristiina Poska kehrt im Mai für ein Konzert an die Komische Oper zurück, wo sie von 2012 bis 2016 Kapellmeisterin war, die Staatsoper hat in dieser Saison drei Dirigentinnen für drei verschiedene Produktionen verpflichtet.

Klassik ist nichts für Ungeduldige

Nur bei den Berliner Philharmonikern wird 2018/19 keine Frau den Taktstock heben. Zwar hat deren Intendantin Andrea Zietzschmann eine Maestra angefragt, doch die fühlte sich noch nicht reif für ein Debüt beim Spitzenensemble. Was durchaus für sie spricht. Simon Rattle hat einst ähnlich reagiert, als ihn die erste Einladung von den Berlinern erreichte.

Klassik ist nichts für Ungeduldige. Alles entwickelt sich hier langsamer, beansprucht mehr Zeit zur Entfaltung, als wir es aus unserem hektischen Alltag gewohnt sind – und zwar in den Musikstücken selber wie auch hinter der Bühne. Bis zur Wahl der ersten Philharmoniker- Chefdirigentin dürften also noch Jahrzehnte vergehen. So lange gilt die alte Feministinnen-Weisheit: Als Gott Herbert von Karajan schuf, übte Sie nur.

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