Die Tschechische Philharmonie wurde 1896 in Prag gegründet. Foto: Petra Hajska
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Die Tschechische Philharmonie zu Gast in Berlin Ein fantastisches Orchester

Die Tschechische Philharmonie und ihr Chefdirigent Semyon Bychkov begeistern in Berlin mit Smetanas Tondichtungszyklus "Ma Vlast".

Horch, wer kommt von draußen rein? Zwei Corona-Jahre lang waren internationale Orchestertourneen nahezu unmöglich – jetzt aber können endlich wieder Ensembles aus dem Ausland in Berlin gastieren. Am Montag ging es mit den Wiener Symphonikern los, kommende Woche folgt das Orchestre de Radio France, am 24. März das Baltic Sea Philharmonic, und Daniel Barenboim hat die Wiener Philharmoniker zu seinen österlichen Festtagen eingeladen.

Wie bereichernd es sein kann, den individuellen Charakter von auswärtigen Spitzenorchester zu erleben – selbst für die vom lokalen Angebot wahrlich verwöhnten hauptstädtischen Klassikfans – zeigt der Auftritt der Tschechischen Philharmonie am Mittwoch in der Philharmonie. Aus dem Herzen Mitteleuropas kommt das vor 126 Jahren in Prag gegründete Orchester, angenehm altmodisch ist sein Klang, holzvertäfelt möchte man sagen, wie die traditionsreichen Kaffeehäuser der Stadt, in denen noch das Erbe des Habsburgerreichs spürbar ist, zu dem Tschechien bis 1918 gehörte.

Die Partitur ist allen Beteiligten zutiefst vertraut

Bedrich Smetanas „Ma Vlast“ haben die Musiker:innen mitgebracht, jene sechs Tondichtungen, die der Komponist der „Verkauften Braut“ zwischen 1874 und 1880 schrieb und dann zum Zyklus „Mein Vaterland“ zusammenfasste. Markante Orte, Sagen und historische Schlüsselmomente seiner Heimat erweckt Smetana darin zu klingendem Leben. Diese nationalromantische Musik zu präsentieren, ist hörbar eine Ehrensache für die Tschechische Philharmonie. Semyon Bychkov, ihr Chefdirigent, braucht das Geschehen vom Pult aus nur behutsam zu koordinieren, so vertraut ist die Partitur allen Beteiligten.

Semyon Bychkov ist seit 2018 Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie. Foto: Marco Borggreve Vergrößern
Semyon Bychkov ist seit 2018 Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie. © Marco Borggreve

Und so traulich gehen sie mit ihr um: Selbst im Fortissimo wird es nie lärmig, die Riesenbesetzung erzeugt einen herrlich prachtvollen Sound, warm und kompakt, der aus tiefer, ehrlicher Liebe zur Musik entspringt. Das Orchester spielt einfach fantastisch an diesem Abend, schlägt das Publikum über die 80 Minuten Aufführungsdauer in den Bann, betört mit Klangsinnlichkeit, beeindruckt mit technischer Präzision.

In goldenes Licht getaucht wird die berühmte „Moldau“, spannend wie ein Actionfilm entwickelt sich die „Sarka“-Episode, die von tschechischen Amazonen erzählt und dem Hinterhalt, in den sie den Ritter Ctirad locken. Und selbst „Tabor“ und „Blanik“, die schwächeren Tondichtungen des Zyklus, haben rhythmischen Drive und eine enorme Innenspannung, bis zum letzten Takt. So macht Wiederhören Freude.

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