Bewegt auch die Kunst: die Anti-Rassismus-Proteste in den USA. Foto: AFP/Schmidt
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Die Top 100 der Kunstwelt „Black Lives Matter“ auf Platz 1

Die Zeitschrift "Monopol" kürt die 100 einflussreichsten Akteurinnen und Akteure in der Kunstwelt im Corona-Jahr 2020.

Zu den selbst durch Corona nicht aus der Welt zu schaffenden Gewohnheiten des Kulturbetriebs gehören die Rankings gegen Jahresende. Weil sie ein Kulturjahr Revue passieren lassen, mag es noch so verstörend gewesen sein. Die Kunstzeitschrift „Monopol“ macht da keine Ausnahme, Leser lieben nun einmal Listen.

Aber diesmal geht es das Magazin doch etwas anders an. Zum wichtigsten Akteur 2020 wurde keine Person, sondern die „Black Lives Matter“-Bewegung gewählt, die auch den Kunstbetrieb auf Trab gebracht hat. Wie nie zuvor standen Kolonialismus und Rassismus auf der Agenda von Museen und Galerien. Draußen wurde demonstriert, wurden Denkmale demontiert und Straßen umbenannt, drinnen begannen die Kuratoren und Programmgestalter mit Ausstellungen, Talks und Recherchen in den eigenen Beständen für mehr Diversität zu sorgen und verstärkt ihre eigenen Verstrickungen zu untersuchen.

Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Medienkünstlerin Hito Steyerl und der Galerist David Zwirner, eine Kunstschaffende und ein Kunstermöglicher. Steyerl beweist mit ihrer jüngsten Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gerade wieder, wie sich Technologiekritik, politischer Scharfsinn und ansprechendes Setting miteinander verbinden lassen.

Zwirner mag als Big Player des Marktes zwar selber beargwöhnt werden, im Corona-Jahr aber engagierte er sich für die gefährdeten kleineren Galerien. Zusammen mit der Kuratorin Ebony L. Haynes gründet er in New York gerade eine Dependance, in der ausschließlich schwarze Angestellte arbeiten werden.

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Ähnlich wie im Vorjahr, als die politisch engagierten Künstler Hans Haake und Nan Goldin die Liste anführten, zeichnen sich viele der Genannten auch in diesem Jahr durch gesellschaftspolitischen Einsatz aus — ob nun als Denkerin, Direktor oder Künstler. Rang vier, fünf und sechs belegen die Wissenschaftstheoretikerin Donna Haraway, deren Ideen in Gruppenausstellungen wie „Down to Earth“ im Gropius Bau präsent waren (Gropius-Chefin Stephanie Rosenthal ist ebenfalls gelistet), der wie Steyerl wiederholt im Ranking auftauchende souveräne Metropolitan-Direktor Max Hollein und der Fotograf Wolfgang Tilmans, der zuletzt mit einer Spendenaktion für durch Corona gefährdete Club von sich reden machte.

Auf Platz zehn steht erneut keine Person, sondern „die öffentliche Hand“. Die „Monopol“-Redaktion hebt damit Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Hortensia Völkers als Leiterin der Bundeskulturstiftung und Berlins Kultursenator Klaus Lederer aufs Treppchen, weil sie sich schnell und unbürokratisch um die Sicherung kreativer Existenzen gekümmert haben.

Auch viele Berliner Künstlerinnen finden sich auf der Liste

Ihre Hilfe lässt auch die Situation in Großbritannien oder den USA in einem anderen Licht erscheinen. Dort werden Kunstinstitutionen vor allem durch die Wirtschaft und Mäzene finanziert, weshalb es schon bald nach Beginn der Pandemie erste Entlassungen gab, Schließungen und Verkäufe aus den eigenen Sammlungen.

Die „Top 100“ lesen sich wie das „Who is Who“ der Kunstwelt, viele Berliner sind darunter: die Künstlerinnen Katharina Grosse, Alicja Kwade, Monica Bonvicini, die Sammler Karen und Christian Boros sowie Julia Stoschek, die Kuratoren Bonaventure So Bejeng Ndikung und Kasper König, die Galeristinnen Monika Sprüth und Philomene Magers, die Publizistin Yvette Mutumba, der scheidende Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann, das Team der 11. Berlin Biennale. Ganz schlimm kann es 2020 also nicht gewesen sein. Nur ein Thema, das man sich 2019 so fest vorgenommen hatte, kommt zu kurz: die Nachhaltigkeit.

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