"Lady Seashell Bikini" von Josefine Reisch Foto: Galerie Noah Klink
© Galerie Noah Klink

Die aufstrebende Künstlerin Josefine Reisch Lady Gaga und die Venus

In der Galerie Noah Klink reflektiert Josefine Reisch malend den Geist der Zeiten.

Man weiß nicht, wer sie war, aber ihr Körper ist berühmt. Botticellis Venus wird wegen ihrer Grazie bewundert, wie sie da so anmutig in ihrer Muschel steht. Das Gemälde des Renaissance-Meisters gilt als Ikone der Malerei, tausendfach kopiert und adaptiert. Auch Lada Gaga inspirierte dieses Bild zu einem Lied. Die Malerin Josefine Reisch bezieht sich nun auf beides: auf Botticellis „Geburt der Venus“ und auf den Popsong.

Ihre malerische Adaption ist allerdings gänzlich anders als das Vorbild. Auf einem Großformat mit schwarzen Balken links und rechts sind untereinander angeordnet die Einzelteile eines prunkvollen Bilderrahmens zu sehen. Die akkurat mit goldenen Verzierungen gemalten Teile sind mit Knickleisten wie ein Bastelbogen dargestellt. Reisch hat das bereits in früheren Gemälden so gemacht. Sie hat Statusobjekte wie das Fabergé-Ei des russischen Zaren oder die Birkin Bag von Hermès als Bastelbögen im 1:1-Format gemalt.

Frauenporträts, von Männern gemalt

Josefine Reisch, 1987 geboren und an der Kunstakademie Düsseldorf ausgebildet, bezieht sich in ihrer neuen Gemäldeserie auf Porträts von Frauen; immer von Männern gemalt. „Die Geburt der Venus“ ist eines, ein anderes die Mona Lisa, eine drittes Pocahontas, die es nicht nur im Disney-Film gibt, sondern auch als Gemälde in der Washingtoner National Portrait Gallery. Alle sind nationale Schätze in großen Museen, wurden im Laufe der Jahre zu popkulturellem Gut. Diese Karriere durch die Jahrhunderte interessiert Reisch ebenso wie ihr Aufstieg zum Machtsymbol. In ihrer malerischen Analyse lenkt sie den Blick auf ein wichtiges, aber wenig rezipiertes Detail – auf den Rahmen, der Status und gleichzeitig Mode und Zeitgeist widerspiegelt. Botticellis Venus zum Beispiel wird in den Uffizien in einem Rahmen präsentiert, der deutlich jünger ist als das Gemälde selbst. Solche Verschiebungen untersucht Reisch.

„Framing“ heißt die Ausstellung, die Galerist Noah Klink ihr in seiner in einem ehemaligen Café angesiedelten Galerie nahe der Yorckstraße ausrichtet. Der Titel verweist nicht nur auf die Prunkrahmen des 16. und 17. Jahrhunderts, sondern auch auf das „Framing“ aus der Medientheorie, bei dem Nachrichten und gesellschaftliche Phänomene so kontextualisiert werden, dass man sie in einer bestimmten Weise liest. In der Kunstgeschichte läuft es analog. Josefine Reisch wirbelt diese Setzungen kräftig durcheinander.

Sichtbarmachung mit feministischem Blick

Ihre Bilder sind auf den ersten Blick streng und analytisch, die kleinen humorvollen Ausrufezeichen, die sie setzt, fallen aber schnell auf. So hat sie in eines der Rahmenornamente eine rosa Zunge hineingemalt. Ein wiederkehrendes Element sind Profile von Frauengesichtern, die sie an die Enden der Rahmen zeichnet. In der Venus-Adaption sieht man das Profil des Modells, mit dem Sandro Botticelli am häufigsten gearbeitet hat. Eine Sichtbarmachung mit feministischem Blick. In ihrem Mona-Lisa-Porträt hat Reisch den braunen Rahmen, der das Original im Louvre umgibt, auf einen grün-schwarz gemaserten Untergrund gemalt. Das Muster erinnert an modisches Marmordekor oder Stoff und gehört zu den optischen Finten, die bei aller kunsthistorischen Genauigkeit in Reischs Werken essenziell sind.

Es ist ihre zweite Einzelausstellung in der Galerie. Die grüne Farbe des Fußbodens hat Reisch in den Vintage-Polstermöbeln aufgegriffen, die sie vor ihrer Malerei platziert. So wird aus dem ehemaligen Café ein edler Repräsentationsraum, ein Museum, ein zusätzlicher institutioneller Rahmen für ihre Bilder. Das funktioniert optisch und konzeptionell. Noah Klink war mit dieser Präsentation beim Gallery Weekend für den VBKI-Preis nominiert. Seine ambitionierte Galeriearbeit wird immer mehr gesehen und tut auch der Künstlerin gut. Bei der diesjährigen Online-Ausgabe der Liste Art Fair Basel waren Reischs Werke (die neuen Gemälde in der Galerie kosten 10 000 bis 20 000 Euro) schnell weg. Zwei Blue-Chip-Galerien sind an einer Zusammenarbeit mit ihr interessiert. Birgit Rieger

Galerie Noah Klink, Kulmer Str. 17, bis 31. 10., Di–Fr 11–18 Uhr

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