Starduo. Tenor Jonas Kaufmann und Sopranistin Diana Damrau. Foto: Promo
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Diana Damrau und Jonas Kaufmann Auch Juwelen sind nur Steine

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Stimmlich in bester Verfassung. Diana Damrau und Jonas Kaufmann singen Lieder von Hugo Wolf in der Philharmonie.

„Auch kleine Dinge können uns entzücken“, singt Diana Damrau mit liebreizendem Charme – von der Kostbarkeit der Rose, der Olive, der Perlen ist die Rede. Wie „Juwelen in einem Kästchen“, so die Sopranistin in einem Interview, kann man die einzelnen Nummern in Hugo Wolfs „Italienischem Liederbuch“ bewundern, deren Auftakt die „kleinen Dinge“ geben, ihr Schliff, ihr Funkeln, ihr Farbenprisma. Selten ist die Sammlung von 44 Liedern komplett zu hören; sie bildet das neue Projekt der gefeierten Sängerin mit Jonas Kaufmann, das nun in der ausverkauften Berliner Philharmonie Station hat.

Doch wie das mit Juwelen so ist: sie geben ihren Trägern Glanz, doch trotz allem Funkeln sind sie zunächst mal tote Steine, und es bedarf schon einer gewissen Zauberei, um ihnen Leben einzuhauchen. Auch die Wolf’schen Preziosen, kurz vor 1900 geschrieben, können sich einer Belebung durchaus sperren. Die Miniaturen verlangen vom Sänger, aus dem Stand die richtige Atmosphäre zu schaffen; die Texte, Paul Heyses Übertragungen italienischer Volkspoesie, sind in ihrem Kreisen um Liebe und Eifersucht auf Leichtigkeit angelegt, fernab grüblerischer, romantischer Gedankentiefe.

Misstöne und Friedensstimmung

Doch Leichtigkeit, Vergnügen, Komik sind ohne tiefere Bedeutung nicht zu haben. In geänderter Reihenfolge der einzelnen Nummern entsteht ein kleines Kammerspiel von zunächst leisen, schwärmerischen Tönen. Er bemüht die ganze Schöpfung, das Paradies, das Meer, später den Dom von Siena, um die Schönheit der Geliebten zu preisen. Der genügt die Farbe Grün, sinnigerweise trägt Damrau im ersten Teil eine grüne Stola zum schwarzen, rotgetupften Kleid, später im höchsten Liebeskampf eine rote, dann eine schwarze, fast schon ein Witwenschleier. Nach romantischen Serenadentönen kommt Missstimmung auf: „Nicht länger kann ich singen“, klagt er, während sie scharf kontert: „Schweig einmal still!“

Frieden wird geschlossen, Angst entsteht, wenn der Liebste ins Feld muss – „Sterb ich, so hüllt in Blumen meine Lieder“ zeigt Kaufmanns berückende Piano- Kultur in langen, sanft schwingenden Linien. Doch die Konflikte spitzen sich wieder zu – Damrau ist schön spöttisch, wenn ihr kleiner Liebster schon von einer Fliege über den Haufen geworfen wird oder sie sich, ungeliebt fühlend, wenigstens ein greises Männlein von etwa vierzehn Jahren als Liebhaber wünscht. Das „Alltagsliebchen“ kündigt schließlich den Dienst, er lässt sie gehen, sie triumphiert mit herausgeschleudertem Spitzenton: „Ich hab in Penna einen Liebsten wohnen.“

Das bleibt im gepflegten Irgendwie

Soweit, so gut. Das Starduo ist stimmlich in bester Verfassung, Damrau ein wenig scharf im Forte, Kaufmann natürlicher, auch textverständlicher differenzierend. Man müht sich redlich um darstellerische Nähe, hält Händchen, zeigt wieder die kalte Schulter. Das könnte viel gepfefferter sein, bleibt in gepflegtem Irgendwie, berührende Emotionen kommen selten auf. Damrau gibt häufig die kokettierende Zicke, chargierend fast, ein solches Frauenbild wünscht man sich nicht mehr. Vielleicht gehen auch Nuancen in der großen, hellen Philharmonie verloren – was wäre möglich gewesen in intimerem, liebevoller gestaltetem Rahmen! So bleibt ein Liederabend mit großen Stimmen, dem Helmut Deutsch als Dritter sensibles, doch ebenfalls auf dem gleichen gepflegten Level verbleibendes Klavierspiel beisteuert. Hübsch sind die Juwelen, doch nicht viel mehr.

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