Comeback. Lang Lang am Dienstag in der Philharmonie. Foto: obs/Universal/St. Höderath
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Deutsche Grammophon wird 120 Die älteste Plattenfirma der Welt feiert Geburtstag

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Manfred Honeck, Lang Lang und Anne-Sophie Mutter: Die Deutsche Grammophon feiert Geburtstag mit einem smarten Festkonzert in der Philharmonie.

So klingt es also, wenn die Deutsche Grammophon sich selbst feiert. Der Abend, den sie zu ihrem 120. Geburtstag in der Philharmonie veranstaltet, erfüllt vermutlich jeden Wunsch, den Carmen Nebel, Sebastian Nordmann oder Mathias Döpfner je an Symphoniekonzert gerichtet haben könnten.

Alle drei nämlich sitzen im Parkett des ausverkauften Saales und hören behaglich zu: Wie die älteste Plattenfirma der Welt, die immer auch die jüngste sein will, ein global konzipiertes Konzertprogramm abschnurren lässt, das brutal lokal stattfindet; Berlin ist nach Hong Kong, Peking oder Seoul nur eine der kleineren Millionenmetropolen, in denen in diesem Monat Geburtstagskonzerte gegeben werden. Wie beflissen die Staatskapelle Berlin, die sich für diesen Abend zur Verfügung gestellt hat (die demnächst mit Daniel Barenboim beim Geburtstagskonzert in Peking auftritt), hier unter Manfred Honeck spielt. Wie man ernsthafte Musik aufs Programm gesetzt hat, aber nur so viel davon, dass es nicht beschwerlich wird. Wie also Werke Mozarts, Beethovens und solche des Filmmusikkomponisten John Williams, Schöpfer der bestbezahlten Melodien auf diesem Planeten, sehr einträchtig und kurzweilig zusammenklingen. Wie der chinesische Giga-Star Lang Lang Klavier spielt und mit der Geigerin Anne-Sophie Mutter ein deutsches Giga-Starlet auftritt. Halt, dieser Ausdruck gerade war wohl etwas unangebracht, und ungehörig ist es vermutlich auch, das spektakulär Sahneschnittenhafte von Mutters Abendkleid zu erwähnen.

Stattdessen wollen wir den Blick schnell wieder nach innen wenden, dorthin, wo die Erinnerung an große Konzertabende sitzt. Und weiter erzählen: Anne-Sophie Mutter verdankt der Deutschen Grammophon gewiss ebenso viel wie die Deutsche Grammophon ihr. An diesem Abend ist gar nicht klar, wer wen trägt; vieles ruht auf Mutter, die seit 1978 rund vierzig Aufnahmen mit dem Label produziert hat, vieles an diesem Konzert gelingt nur wegen ebenjener Souveränität, mit der die Geigerin ihre eigene Laufbahn seit den Anfängen gestaltet und kontrolliert hat. Denn selbst die deutsche Erstaufführung von John Williams' „Markings“ für Violine, Streicher und Harfe, selbst die ebenfalls arglose, ebenfalls spieltechnisch überschaubare Romanze von Beethoven interpretiert Anne-Sophie Mutter – nun, als gebe es überhaupt nichts Ernsthafteres unter der Sonne, als sei ihr berühmtes Vibrato nirgends besser aufgehoben als in genau diesen Stücken.

Sorge, das Publikum nicht bei Stange halten zu können

In der Philharmonie wird hier noch andächtiger gelauscht als zuvor, als Lang Lang, ein weiterer großer DG-Künstler, Mozarts Klavierkonzert KV 491 gespielt hatte. Mit butterweichen Handgelenken, denen man die eben überstandene Sehnenscheidenentzündung noch anzusehen glaubt, indessen auch mit der gewohnten Lust an Übertreibung und Persiflage – selten einen so chopinisch durchwässerten Mozart gehört, nie ein karikaturhafteres Larghetto.

Zu Anfang hatte die Staatskapelle sich in Beethovens Fidelio-Ouvertüre geworfen, später in die dritte Leonoren-Ouvertüre, die schwierigste unter den drei gleichnamigen Stücken, straff, oft ein wenig fahrig, mitunter zu Kreischlärm hochfahrend. Ob es geschieht, um die Schlagkraft komponierter Musik unter Beweis zu stellen? Um der festlichen Stimmung im Saal etwas entgegenzusetzen? Vielleicht spricht daraus aber auch nur die an diesem Abend ständig spürbare Sorge, das Publikum anders nicht bei der Stange halten zu können. Wenn das die Zukunft der Klassischen Musik ist...

„Gute Nacht“ und „Gut gemacht“ möchte man jetzt aber Manfred Honeck, Lang Lang und Anne-Sophie Mutter zurufen, die Sträuße mit Rosenblüten überreicht bekommen. In gelb, versteht sich. Großer Jubel!

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