Die fünf für den besten fremdsprachigen Film nominierten Regisseure: Alfonso Cuaron ("Roma", v.l.), Pawel Pawlikowski ("Cold War"), Nadine Labaki ("Capernaum"), Hirokazu Kore-eda ("Shoplifters") und Florian Henckel von Donnersmarck ("Werk ohne Autor") beim Empfang in Los Angeles, vor der Oscar-Gala am Sonntagabend. Foto: AFP/Nick Agro
© AFP/Nick Agro

Der deutsche Oscar-Kandidat "Werk ohne Autor"-Regisseur Henckel von Donnersmarck in Hollywood

Es ist nicht das erste Mal für Florian Henckel von Donnersmarck, auch nicht für Sebastian Koch: Wie die deutschen Oscar-Anwärter die Tage vor der Gala erleben.

Probelauf für die Oscar-Gala am Sonntag: Die Anwärter für den Auslands-Oscar, darunter Florian Henckel von Donnersmarck ("Werk ohne Autor") und "Roma"-Regisseur Alfonso Cuarón, wurden in der Nacht zum Freitag im Hauptquartier der Academy of Motion Picture Arts and Sciences gefeiert. Vor Mitgliedern des Filmverbands und geladenen Gästen, von zwei riesigen Oscar-Statuen flankiert, sprachen die fünf für ihre Länder nominierten Regisseure über ihre Werke. Die Idee für sein Künstlerporträt „Werk ohne Autor“ sei ihm schon vor zehn Jahren gekommen, die Umsetzung habe dann vier Jahre gedauert, sagte Oscar-Preisträger Donnersmarck. Vor zwölf Jahren hatte der jetzt 45-jährige Regisseur mit seinem ersten Spielfilm „Das Leben der Anderen“ den Auslands-Oscar gewonnen. Diesmal hält Donnersmarck jedoch „Roma“ in der Sparte „nicht-englischsprachiger“ Film für den klaren Favoriten. Wobei Cuaróns Film auch in der Haupt-Kategorie als bester Film nominiert ist und sich gewissermaßen selber Konkurrenz macht. Mit Nennungen in 10 Kategorien gilt "Roma" ohnehin als einer der Top-Favoriten in diesem Jahr. Er könne ganz entspannt zu der Preisverleihung gehen, sagte der gebürtige Kölner Donnersmark am Rande des Empfangs. „Ich sehe das am Sonntag als eine schöne Feier, wo das, was ich liebe, nämlich das Kino, im Mittelpunkt steht.“

Auch Sebastian Koch ist schon da, der 56-jährige Schauspieler steht miit einem dicken Schal um den Hals vor den Fotografen. Auf dem Flug zu den Oscars erkältet, sagt Koch mit einem Augenzwinkern und rauer Stimme. Zudem zittert Hollywood unter ungewöhnlich kaltem Wetter. Doch den Empfang der nominierten Teams für den Auslands-Oscar ist eines der Highlights der vielen Events und Partys vor der Oscar-Gala am Sonntag.

Koch, der in „Werk ohne Autor“ einen SS-Arzt spielt, hatte vor zwölf Jahren eine der tragenden Rollen in Donnersmarcks Debütfilm „Das Leben der Anderen“, neben Hauptdarsteller Ulrich Mühe. Das Stasi-Drama triumphierte bei den Oscars und katapultierte das Team ins Rampenlicht. „Wahnsinnig aufgeregt“ sei er damals gewesen, die großen Stars zu treffen, sagt Koch. Inzwischen habe er mit einigen gedreht, der zweite Oscar-Auftritt seit nun viel entspannter.
Verstärkung für die Gala am Sonntag ist im Anflug. Tom Schilling, der in "Werk ohne Autor" die Hauptrolle des Gerhard Richter nachempfundenen Künstlers im Nachkriegsdeutschland spielt, ebenso Saskia Rosendahl und Oliver Masucci. Hauptdarstellerin Paula Beer muss wegen Dreharbeiten in Deutschland bleiben.

Für "Werk ohne Autor" als bester fremdsprachiger Film nominiert: Florian Henckel von Donnersmarck (Mitte) mit Sebastian Koch (3.v.r.), Kameramann Caleb Deschanel (2. v. r.) und weiteren Team-Mitgliedern in Beverly Hills. Foto: AFP/Nick Agro Vergrößern
Für "Werk ohne Autor" als bester fremdsprachiger Film nominiert: Florian Henckel von Donnersmarck (Mitte) mit Sebastian Koch (3.v.r.), Kameramann Caleb Deschanel (2. v. r.) und weiteren Team-Mitgliedern in Beverly Hills. © AFP/Nick Agro

Das Münchner Produzenten-Duo Quirin Berg und Max Wiedemann steckt seit Donnerstag mitten im Trubel vor der Gala zu den 91. Oscars am Sonntagabend. „Das ist die schönste Form der Arbeit die man haben kann. Es gibt keinen Filmemacher, der nicht davon träumt, diese Oscar-Zeit miterleben zu dürfen. Da muss man trotz des vollen Terminkalenders und der vielen Verpflichtungen auch versuchen, diese Zeit zu genießen“, sagt Wiedemann. In diesem Jahr sei die Konkurrenz allerdings besonders stark. Netflix hat sich mit einer riesigen Werbekampagne für „Roma“ stark gemacht. „Und dagegen anzutreten - da ist man per se in einer David-gegen-Goliath-Situation.“

Die deutschen Produzenten waren auch 2007 schon dabei, mit "Das Leben der Anderen"

Als junge Produzenten waren sie 2007 schon bei „Das Leben der Anderen“ mit in Los Angeles. „Wir hatten damals das sehr verrückt-optimistische Gefühl, dass wir auch gewinnen werden, wenn wir nominiert sind. Heute analysiert man mehr und weiß natürlich auch um die enorm starke Konkurrenz und die sehr andere Situation des Markts und der Academy. Aber so oder so - wir finden, der Film hätte es verdient, zu gewinnen“, sagt Berg über den in Deutschland umstrittenen Historienfilm „Werk ohne Autor“. Für Donnersmarck wird der Oscar-Sonntag zum Familienausflug. Neben Ehefrau Christiane, die den Film auch mit produzierte, kommt die 15-jährige Tochter Lara Cosima mit zur Gala. Auf die letzte Minute hätte die Akademie noch zwei Extra-Karten für Kinder bewilligt, erzählt der dreifache Vater. Eine davon geht nun an die Schauspielerin Saskia Rosendahl. „Ich habe sozusagen eine Zwangsadoption vorgenommen“, scherzt er.

Auch der US-amerikanische Kameramann Caleb Deschanel (74, „Der Stoff, aus dem die Helden sind“) wurde für seine Arbeit an „Werk ohne Autor“ nominiert. Er werde von seinen beiden Töchtern, den Schauspielerinnen Zooey und Emily Deschanel begleitet, erzählt Deschanel.

Bei den nominierten Dokumentarfilmen ist der in Berlin lebende Regisseur Talal Derki dabei

Auch bei den Dokumentarfilmen ist Deutschland übrigens vertreten: der aus Syrien stammende und in Berlin lebende Regisseur Talal Derki sowie seine Berliner Produzenten. Für seine Dokumentation „Of Fathers And Sons - Die Kinder des Kalifats“ war er über einen Zeitraum von zwei Jahren der Familie eines islamistischen Kämpfers während des syrischen Bürgerkriegs gefolgt. Nach Jahren harter und auch gefährlicher Arbeit würden sie nun in Los Angeles feiern, freut sich Derki vor der Oscar-Verleihung. „Wir haben schon gewonnen, als Nominierte überhaupt hier zu sein. Mal sehen, ob wir am Sonntag Riesenglück haben“. dpa

Zur Startseite