So soll die Mauer bei der Staatsoper Unter den Linden aussehen. Grafik: promo
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Dau-Mauer in Berlin Wenn die Berliner Mauer wiederkäme

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Riesige Logistik: Über das umstrittene "Dau"-Projekt werden immer mehr Einzelheiten bekannt. "Umfangreiche Sperrungen" sind dafür nötig.

Stadtschloss und Staatsoper sind wieder da – und bald, wenn auch nur temporär, vielleicht noch ein anderes berühmtes Berliner Bauwerk. Das Bild zeigt, wie es vom 12. Oktober bis 9. November 2018 in Mitte aussehen könnte. Auf der Projektskizze ist die „Dau“-Mauer zu erkennen und ein Wachturm beim Eingang zur Oper, die in dem für das „Dau“-Projekt zu okkupierenden Areal liegt. Die Skizze stammt aus „Dau“-Unterlagen.

Drei Tage und zwei Nächte soll der Aufbau der Mauer dauern. Dabei sollen 50 bis 100 Tieflader-LKW, zehn bis 16 Gabelstapler, fünf bis sieben Hebefahrzeuge und zwei Kräne zum Einsatz kommen. Der riesige Fuhrpark ist notwendig, um 800 Mauerteile ins Zentrum zu bringen und daraus die Nachbildung der Grenze zu formen, die von 1961 bis 1989 die Stadt und die Welt teilte. Die Veranstalter rechnen mit einem positiven Bescheid der Berliner Genehmigungsbehörden, die Mauerstücke aus Beton existieren bereits; 400 sind in Brandenburg gelagert, 400 in Polen. Jedes Segment wiegt 2,75 Tonnen und hat eine Höhe von 3,70 Meter – wie das „Original“.

So steht es in den Planungsunterlagen des Projekts, das in Berlin heftig diskutiert wird. Ursprünglich wollten die Berliner Festspiele, die als Veranstalter fungieren, und die Phenomen Filmproduktion, bei der die künstlerische Leitung liegt, die Bewohner und Besucher der Stadt überrumpeln. Alles sollte bis zuletzt geheim bleiben: „Eine bedeutende Charakteristik des Kunstprojekts ist, dass die Pläne zur Errichtung der Umgrenzung nicht vor Veranstaltungsbeginn öffentlich bekannt gemacht werden, so wie auch der Bau der Berliner Mauer plötzlich an einem Abend im Jahr 1961 unerwartet begann.“ Auch das liest man in den „Dau“-Papieren: Es handele sich um eine „einzigartige, vierwöchige Stadtinstallation in Berlins Mitte.“ Und: „Ein gesellschaftliches Experiment, das die internationale Wahrnehmung Berlins verändern wird.“

Man rechnet mit bis zu 500000 Besuchern

Nun sind die Pläne vor der Zeit bekannt geworden. Die Behörden brüten über dem Genehmigungsverfahren für „Dau“, dessen Initiator Ilya Khrzanovsky ebenso unsichtbar bleibt wie der Finanzier, der russische Geschäftsmann Sergej Adoniev. Khrzanovsky hält sich in Berlin auf, er hat das Eröffnungskonzert des Musikfests in der Philharmonie besucht. Bei der Pressekonferenz zu „Dau“ trat er nicht in Erscheinung. Das, so hieß es, widerspreche dem Charakter der Unternehmung, deren Kosten mit 6,6 Millionen Euro angegeben werden. In Zentrum steht ein Mega-Film Khrzanovskys – oder mehrere Filme und Serien, die in dem ummauerten „Welturaufführungs-Parcours“ in sieben Kinos gezeigt werden sollen.

So geraten nach und nach die Details des Projekts ans Licht, für dessen Aufbau „umfangreiche Sperrungen notwendig“ sind – im Bereich Unter den Linden, Bebelplatz, Behrenstraße, Hinter der katholischen Kirche, Französische Straße, Werderscher Markt, Uferstraße, Schinkelplatz. Allerdings gibt es hier erhebliche denkmalschützerische Bedenken. Es ist eine der historisch sensibelsten Gegenden Berlins, und die Gefahr, dass Gebäudeteile und Gehwege beschädigt werden könnten, ist nicht klein.

Die Veranstalter rechnen mit bis zu einer halben Million Besucher in vier Wochen, das macht die Sache für Berlins Tourismusmanager attraktiv. Bis zu 15.000 Menschen könnten binnen 24 Stunden durchgeschleust werden, nachdem sie ein Visum für „Dau Town" erworben haben. Der einzige Zugangsort soll die Tiefgarage am Bebelplatz sein. Sie bleibt in der Zeit für den Verkehr gesperrt. Das Projekt soll dann in Paris („Brüderlichkeit“) und London („Gleichheit“) fortgesetzt werden. In Berlin läuft es unter dem Schlagwort „Freiheit“, in den anderen Hauptstädten natürlich ohne Mauer.

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