Chewbacca (Joonas Suotamo), Poe (Oscar Isaac), Finn (John Boyega), Rey (Daisy Ridley) und C-3PO (Anthony Daniels) in "Star Wars". Foto: 2019 Lucasfilm Ltd.
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Das „Star Wars“-Finale Woher hat Rey ihre Jedikräfte?

Diese Woche kommt der letzte Teil der „Star Wars“-Saga in die Kinos. Regisseur J.J. Abrams muss in „Der Aufstieg Skywalkers“ viele Fragen und Konflikte klären.

Nur noch etwas mehr als einen Tag und die größte Saga der Populärkultur wird nach über 40 Jahren ihren endgültigen Abschluss finden. Mit dem Kinostart von „Der Aufstieg Skywalkers” endet am Mittwoch die dritte „Star Wars”-Trilogie, und damit auch – wenn man dem Studio Disney glauben darf – die neunteilige Saga um den intergalaktischen Widerstand von Luke Skywalker und dem Jedi-Orden gegen die dunkle Macht des Sith-Imperiums.

Von dem Kinoereignis des Jahres zu sprechen, ist glatt untertrieben. Regisseur J.J. Abrams und sein Team müssen das Lebenswerk von George Lucas zu einem würdigen Abschluss bringen, der auch die in ihrem Urteil oft gnadenlosen Fans der Reihe versöhnt.

J.J. Abrams kehrt als Regisseur zurück

Die achte Episode „Die letzten Jedi” (2017) von Rian Johnson hatte, obwohl der zweiterfolgreichste „Star Wars”-Film und der mit dem elftbesten Einspielergebnis aller Zeiten, wegen vermeintlich unverzeihlicher Verstöße gegen die Pop-Mythologie (zu viel Diversität in der Besetzung, Luke Skywalker entsagt am Ende der Jedi-Tradition und verschmilzt als Märtyrer mit der „Macht”) heftige Kontroversen in den sozialen Netzwerken ausgelöst. In einer Petition wurde gar gefordert, „Die letzten Jedi” aus dem offiziellen „Star Wars”-Kanon zu entfernen.

Mit „Der Aufstieg Skywalkers” kehrt J.J. Abrams, der Regisseur der siebten Episode „Das Erwachen der Macht”, als Heilsbringer zu „Star Wars” zurück. Doch bei aller Vorfreude sollte man auch nicht vergessen, dass er es war, der vor zehn Jahren die Erfolgsserie „Lost” nach fünf Staffeln zu einem unbefriedigenden Ende brachte, weil viele Geheimnisse um die mysteriöse Insel ungeklärt geblieben waren. Abrams hat bereits angekündigt, dass auch „Der Aufstieg Skywalkers” Fragen offen lassen werde.

Schließlich braucht Disney noch Stoff für mindestens eine weitere Trilogie (ab 2020, unter der Regie von Rian Johnson), mehr Einzelfilme wie „Rogue One” (unter anderem liegt die Vorgeschichte des Kopfgeldjägers Boba Fett auf Eis) und Offshoots wie aktuell die Space-Western-Serie „The Mandalorian”, um seine neue digitale Abspielstation Disney+ mit Inhalten zu füttern. Außerdem wurde Kevin Feige von Marvel für einen neuen „Star Wars"-Film abgeworben. Fans werden also noch für mindestens eine weitere Dekade tiefer in die Mythologie eintauchen können.

Worum es in „Der Aufstieg Skywalkers” geht, ist weniger als zwei Tage vor dem weltweiten Kinostart noch geheim, aber die Teaser und Trailer haben die Spekulationen und Fantheorien bereits befeuert. Nachdem sich am Ende von „Die letzten Jedi” der versprengte Rest der Rebellen – Leia Organa (die Rückkehr der 2016 verstorbenen Carrie Fisher war der größte Coup von Abrams), Rey (Daisy Ridley), Poe Dameron (Oscar Isaac) Finn (John Boyega), Rose (Kelly Mary Tran) – vor den vorrückenden Sith-Truppen retten konnte, sind nun alle zentralen Protagonistinnen und Protagonisten erstmals an einem Ort versammelt.

 Lose Enden zusammenführen

Es war fast eine Erlösung, als sich Poe und Rey, die neue Hoffnung der Jedi, kurz vor der finalen Schlacht auf dem Salzplaneten Crait zum ersten Mal die Hände reichten. Wie schon in den vorherigen Trilogien fungiert der mittlere Teil als Bindeglied zum letzten Film, die Helden agierten an verschiedenen Fronten. Vielleicht gelten auch darum sowohl Episode V „Das Imperium schlägt zurück” als auch Episode II „Angriff der Klonkrieger” der eher mittelprächtigen Prequels als die besten Filme ihrer jeweiligen Trilogien. Jeder Handlungsstrang hatte seinen eigenen Konflikt. Abrams hat (siehe „Lost”) Erfahrungen gesammelt, wie schwer es ist, viele lose Ende zusammenzuführen. Mit „Der Aufstieg Skywalkers” kann er zeigen, nein, muss er beweisen, dass er aus seinen Fehlern gelernt hat.

 Wer sind die Eltern von Rey?

Die wichtigsten Fragen, um deren Beantwortung Abrams nicht herumkommt, lauten: Wer sind die Eltern von Rey? Und wenn diese wirklich „Niemande” waren, wie Kylo Ren (Adam Driver) ihr einzureden versucht, woher hat sie dann ihre Jedi-Kräfte? Welche Rolle spielt der in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter” (Episode VI) von Darth Vader getötete Imperator Darth Sidious, der überraschend im letzten Trailer vor dem Start von „Der Aufstieg Skywalkers” seine Maske fallen lässt, bei der Konvertierung von Kylo zur dunklen Seite der Macht?

Ist Sidious tatsächlich für die telepathische Verbindung zwischen Kylo und Rey verantwortlich? Oder gibt es noch eine andere Verbindung? Kurz: Wird es in der letzten Episode also auch darum gehen, dass Rey ihren „Geistesverwandten" Kylo, nach der Ermordung von Darth Sidious neuer Imperator der Ersten Ordnung, zurück auf die helle Seite der Macht zieht, so wie es in der mittleren Trilogie schon mit Darth Vader gelang?

 Carrie Fisher hat einen allerletzten Auftritt

Schmiermittel der „Star Wars”-Filme waren immer die Soap-Elemente. Die Zänkereien zwischen Han und Leia bis zum ersten Kuss (Kylo ist ihr Sohn), die tragische Liebe von Padmé Amidala (Natalie Portman) und Anakin Skywalker, dem späteren Darth Vader. Auf ihre Nachfolge bewerben sich in „Der Aufstieg Skywalkers” unter anderem Finn und Rose, nachdem er bereits auf der Suche nach Rey die halbe Galaxie durchstreift hat. Oder vielleicht doch Poe und Rey, in bester Han/Leia-Tradition?


Chewbacca, und Rey am Steuer. Foto: 2019 and TM Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved. Vergrößern
Chewbacca, und Rey am Steuer. © 2019 and TM Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

Zur Freude aller Fans wird auch Carrie Fisher einen allerletzten Auftritt haben – und zwar nicht als CGI-Avatar wie in „Rogue One”, sondern mit Originalmaterial aus „Die letzten Jedi”. Keine unbenutzten Outtakes, wie Abrams verspricht, sondern richtig gute Szenen, die es nicht mehr in den Vorgänger geschafft hatten. Außerdem gibt es ein Cameo von Billy Dee Williams als Lando Calrissian, der 1983 seinen letzten Auftritt hatte. In dem Prequel „Solo: A Star Wars Story” (2018) spielte Donald Glover sein jüngeres Alter Ego.

 Darüber, ob auch Mark Hamill noch einmal zurückkehrt, wird in den letzten Stunden vor der Premiere am meisten spekuliert. Am Ende von „Die letzten Jedi” löst Luke Skywalker sich in Luft auf, nachdem sein Opfer den Rebellen die Flucht ermöglichte. Denn dies ist das größte Mysterium, das „Der Aufstieg Skywalkers” umgibt: Wenn mit Lukes Tod und dem von Leia-Darstellerin Carrie Fisher die letzten Erbfolgen unwiederbringlich von uns gegangen sind, wer ist dann der (oder die) titelgebende Skywalker, die zukünftig die Rebellen gegen das Imperium anführen wird? Diese Frage zu aller Zufriedenheit zu beantworten, könnte sich als das größte Vermächtnis von J.J. Abrams erweisen. Der Countdown läuft.


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