Wie sehen andere Mächte Europa? Eine Diskussion in der Topographie des Terrors

Katrin Klein und Bernd Moss in "Diebe" von Dea Loher. Foto: Arno Declair
Das große Finale der Streaming-Tipps Diese Online-Empfehlungen hat unsere Kulturredaktion für die nächsten Wochen

Streaming-Tipps für Dienstag, 9. Juni

Theater-Tipp 1

"Finn, ein Versicherungsmakler, schlägt die Augen auf und weiß, dass er nie mehr aufstehen will. Seine Schwester Linda hat einen Wolf gesehen und hofft, dass ihre vom Konkurs bedrohte Therme demnächst in einem Naturschutzgebiet stehen wird. Erwin, der Vater der beiden, würde gern einmal ein normales Gespräch führen, über das Wetter oder die Sterne. Monika, Verkäuferin im Supermarkt, wurde vom Chef eine Beförderung versprochen." So fasst das Deutsche Theater Berlin die Handlung von Dea Lohers "Diebe" zusammen, das dort am 1. Januar 2010 uraufgeführt wurde. Und weiter: "Dea Loher verwebt die einzelnen Episoden. Die Figuren treffen in unterschiedlichen Konstellationen aufeinander, sehen sich in überraschenden Begegnungen wieder. Es entsteht ein düsteres und dennoch der Komik nicht entbehrendes Panorama von Menschen unserer Zeit. Immer am Abgrund und doch hoffnungsvoll." Ab Dienstag 18 Uhr bis Mittwoch Mittag ist der Mittschnitt einer Aufführung als Stream verfügbar.

Vortrags-Tipp

Brexit, Corona-Lockdown, antidemokratische autoritäre Herrscher in Ungarn oder Polen - die EU ist in der Krise. Wie blicken die anderen großen Machtblöcke - USA, China, Russland - auf diese Gemengelage von Staaten, die alle unabhängig bleiben und sich doch miteinander verbinden wollen, irgendwie? Das ist das Thema einer gestreamten Diskussion am Dienstag um 19 Uhr in der Topographie des Terrors, die im Rahmen der dreiteiligen Vortragsreihe "Europa - Visionen und Praxis im 20. und 21. Jahrhundert" stattfindet. Sprechen werden Jan C. Behrends (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam), Jessica Gienow-Hecht (Freie Universität Berlin), Dominik Sachsenmaier (Georg-August-Universität Göttingen), es moderiert Stefan Rinke (Freie Universität Berlin).

Theater-Tipp 2

Nicht nur Viren reisen heute blitzschnell um den Globus - auch Proteste: Seit dem Tod von George Floyd wird weltweit gegen Rassismus und Polizeiwillkür demonstiert. Gerade jetzt wäre es wichtig, Stimmen von Theatern wie dem (geschlossenen) Ballhaus Naunynstraße zu hören - über fortgesetzten Rassismus auch hier in Deutschland. Immerhin: Eine Produktion des Hauses ist noch bis 13. Juni online beim Impulse Festival zu sehen. Über "Stricken" von Magda Korsinsky schreibt das Ballhaus: "Wie gehen afrodeutsche Frauen mit der Vergangenheit ihrer weißen Großmütter um? In ,Stricken' sind Video-Porträts von sechs Enkelinnen zu sehen, die über Nationalsozialismus und tiefsitzende Ressentiments sprechen, über Liebe und Leibgerichte aus Omas Küche, über familiäres Erbe und den Rassismus der Gegenwart."

Klassik-Tipp

Das gestrichene Berliner Klavierfestival stellt noch bis 8. Juli täglich "Moments Musicaux" online, kurze Videos mit Berliner Pianistinnen und Pianisten, die beim Festival hätte auftreten sollen. Am Dienstag spielt Martin Helmchen den ersten Satz "Allemande" aus der Partita Nr. 2 BWV 1004 - das vierte Stück im insgesamt sechsteiligen Zyklus aus je drei Sonaten und je drei Partiten, die Johann Sebastian Bach ursprünglich für Violine Solo komponiert hat. Ebenfalls im Konzerthaus am Gendarmenmarkt werden aktuell die sechs Werke übrigens auch von sechs Geigerinnen interpretiert.

(Zusammenstellung: uba)

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