Von Montag: Die New Yorker Juilliard School performt den "Bolero", im Nachtkritikstream gibt's Kinder- und Jugendtheater

Das große Finale der Streaming-Tipps Diese Online-Empfehlungen hat unsere Kulturredaktion für die nächsten Wochen
Interaktive Karte

Streaming-Tipp für Montag, 11. Mai

Theater-Tipp 1

Ein Alptraum: den eigenen Vater, mit dem man schon lange gebrochen hat, als rechtsradikalen Reichsbürger-Troll im Internet wiederzufinden. "Was bedeutet es, den Vater an eine rechtsradikale Bewegung zu verlieren, die abstruse Verschwörungstheorien propagiert?" fragt das Deutsche Theater Berlin - und legt mit "Die härteste Tochter Deutschlands" (Regie: Sarah Kurze) seine erste ausschließlich fürs Internet entstandene Inszenierung vor, hier besprochen von Nachtkritik. Das Stück basiert auf einem autobiographischen Text von Katharina Köth. "Es findet nicht mehr auf der Bühne statt, sondern als Livestream im Internet – und nähert sich damit in seiner Form dem Inhalt an", so das DT. Premiere war am 7. Mai, an diesem Montag und am Mittwoch jeweils um 20 Uhr ist die Produktion noch einmal auf DT Heimspiel zu sehen, abrufbar jeweils nur an diesen Abenden.

Opern-Tipp

3e Scène heißt das Streamingbereich der Opéra de Paris, quasi die dritte Bühne neben dem Palais Garnier und dem modernen Haus an der Bastille. Ab diesem Montag um 19.30 bis 17. Mai wird dort Donizettis "Don Pasquale" zu sehen sein, eine Buffaoper um einen alternden Junggesellen, der sich doch noch verheiraten will. Das Stück wurde 1843 in Paris auch uraufgeführt, allerdings im Théâtre-Italien, das heute nicht mehr existiert. Evelino Pidò dirigiert, inszeniert wurde die Produktion von dem italienischen Damiano Michieletto. "Michielleto legt die Ernsthaftigkeit, das profunde Drama frei, das das Herz dieses vordergründig leichtbeschwingten Werks bildet", heißt es auf der Webseite der Pariser Oper.

"Intonations" (hier ein Bild von 2016) im Glashof des Jüdischen Museums Berlin. Foto: Svea Pietschmann Vergrößern
"Intonations" (hier ein Bild von 2016) im Glashof des Jüdischen Museums Berlin. © Svea Pietschmann

Video-Tipp

Kunsthochschulen weltweit, in Berlin etwa die Musikhochschule "Hanns Eisler", sind verwaist. Die Studierenden kommen aus der ganzen Welt - und da sind sie jetzt auch überall verstreut. Der Juilliard School im von der Pandemie besonders brutal getroffenen New York ergeht es nicht anders. Also sucht sich die Kreativität neue Wege: Unter Anleitung von Choreograph Larry Keigwin haben über 100 Studierende - Tänzer, Instrumentalistinnen, Sängerinnen, Schauspieler - aus ihren Wohnzimmern heraus "Bolero Juilliard" geschaffen: Ravels berühmtestes (von ihm selbst allerdings, auch das muss man sagen, nicht besonders geschätztes) Stück wird in diesem neunminütigen Film, zu sehen auf Youtube, als faszinierendes Puzzlespiel inszeniert, das sich doch zu einer Einheit zusammenfügt und sogar eine Geschichte erzählt. Herzerwärmend und Zuversicht verströmend in einer Zeit, in der das Virus überall auf der Welt neue Grenzen entstehen lässt.

Theater-Tipp 2

Im Nachtkritikstream pausiert das Erwachsenentheater diese Woche. Denn jetzt sollen endlich mal Kinder- (Montag bis Mittwoch um 10 Uhr) und Jugendtheater (ab Donnerstag um 16 Uhr) den Raum bekommen, der ihnen gebührt. Den Anfang macht an diesem Montag um 10 Uhr "Am Hafen mit Vogel" (ab sieben Jahren), ein Stück der Wiener Nachwuchsautorin Anah Filou, eine Inszenierung des Hessischen Landestheaters Marburg. Nanina und Dodo lernen sich im Transitbereich eines Flughafens kennen, ein Zwischenraum, der als Startrampe für Träume fungiert - und seit man in der realen Welt nicht mehr fliegen kann, nur umso mehr. Alle Streams sind für jeweils 24 Stunden online.


(Zusammenstellung: uba)

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