Sonntag: Was ein Performancekünstler dem Wiener Beethoven-Denkmal entlockt

Marlene Streeruwitz auf der Fensterbank ihres Wiener Hauses. Foto: Matthias Röder/dpa
Das große Finale der Streaming-Tipps Diese Online-Empfehlungen hat unsere Kulturredaktion für die nächsten Wochen

Streaming-Tipps für Montag, 18. Mai

Literatur-Tipp

Paul Celans "Todesfuge" ist nicht nur auf inhaltlicher und formaler Ebene eindringlich und erschütternd, sondern auch auf der Ebene der Überlieferung: Das Gedicht entstand 1945, es gilt als eines der frühesten literarischen Zeugnisse des Holocaust überhaupt. Am Montag um 18 Uhr präsentiert das Literaturhaus Berlin einen Online-Abend zu Paul Celan, der dieses Jahr 100 geworden wäre. Der Literaturwissenschaftler und Suhrkamp-Geschäftsführer Thomas Sparr beschäftigt sich mit der Wirkungsgeschichte der "Todesfuge" bis heute, Autor Hans-Peter Kunisch mit dem Treffen zwischen Celan und Martin Heidegger 1967 in Todtnauberg. "Was ist von diesem Treffen überliefert und was hatten sie sich zu sagen, der Antisemit und der Holocaust-Überlebende, der Philosoph und der Dichter?", so die Webseite. Außerdem sprechen die beiden mit der Rabbinerin und Professorin für jüdische Religions- und Geistesgeschichte Eveline Goodman-Thau über Celan und sein Werk.

Festival-Tipp

Jubilar Ludwig van Beethoven in diesem Jahr bei den Wiener Festwochen? Hätte schön werden können. So plante Performance-Künstler Thomas Geiger zum Beispiel, im Rahmen der von ihm entwickelten Reihe "Bust Talks" ein Gespräch mit ihm zu führen. Also, nicht mit ihm selbst, natürlich, aber mit seinem Standbild auf dem Beethovenplatz im 1. Bezirk. Geiger unterhält sich öfter mit Denkmälern, er versteht sie also potentielle Gesprächspartner, entlockt ihnen Erfahrungen und Ansichten, die relevant sein können für die Gegenwart. Die Festwochen sind abgesagt, bieten aber täglich digitale Aktionen an, die Bezug nehmen auf das ursprünglich geplante Programm. So erzählt Geiger jetzt eben auf Youtube dem bekanntlich im Laufe seines Lebens ertaubten Komponisten, dass gerade eine Pandemie herrscht. Und was antwortet der? "Er sagt, ich solle ihm doch bitte nichts von sozialer Distanzierung erzählen."

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Klassik-Tipp

Eigentlich leben Pianist Vladimir Stoupel und seine Frau, Geigerin Judith Ingolfsson, in Berlin. Jetzt sitzen sie aber seit Wochen in Baltimore fest. Und machen das Beste aus der Situation: Sie geben von dort aus zwei Mal die Woche sogenannte "Homeland Concerts" auf Youtube, ganz ohne Mätzchen, sehr ehrlich und auf den musikalischen Text konzentriert - aktuell etwa Schumanns Violinsonate Nr. 1 a-Moll op. 105. Wer reinhören will, muss schnell sein: Am Dienstag wechselt das Programm.

Theater-Tipp

Der chilenische Dramatiker Guillermo Calderón hat für sein namensgleiches Stück "La flauta mágica" Mozarts Zauberflöte als Schablone genommen - tatsächlich ist Pamina hier aber ein siebenjähriges Mädchen, das schwer unter der in Lateinamerika virulenten Polizeigewalt leidet, erzählt wird in drastischen Bilder von der Zerstörung einer Kindheit. Musikalisch ist das im Kontrast dazu ziemlich erheiternd: "Mozart-, aber auch Pop-Motive sind eingestreut in einen grundentspannt bis flamenco-feurigen, nur selten abreißenden Klangteppich, auf dem ein gutes Dutzend toller Songs Platz hat", schreibt Sabine Leucht auf Nachtkritik. Dort wird ab Montag 18 Uhr die Aufzeichung einer Inszenierung von Antú Romero Nunes gestreamt, die im Februar beim iberoamerikanischen Theaterfestival "¡Adelante!" in Heidelberg zu sehen war. Ab 20 Uhr Live-Chat mit dem Regisseur.

(Zusammenstellung: uba)

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