Mal fünf Minuten vor einem Gemälde verbringen? Die National Gallery in London macht's möglich

Tabea Zimmermann beim Jubiläumskonzerts zum 60-jährigen Bestehen der Konzertreihe „Debüt im Deutschlandfunk Kultur“ 2019 in der Philharmonie. Foto: Kai Bienert
Das große Finale der Streaming-Tipps Diese Online-Empfehlungen hat unsere Kulturredaktion für die nächsten Wochen

Streaming-Tipps für Donnerstag, 7. Mai

Theater-Tipp

Das virtuelle Theatertreffen pausiert heute, also lockt eine echte Premiere im Heimspiel-Streaming des Deutschen Theaters Berlin: „Die härteste Tochter Deutschlands“ heißt das einstündige Stück in der Regie von Sarah Kurze, das auf einem autobiografischen Text von Katharina Köth basiert und um 20 Uhr live gestreamt wird. „Zwischen Katzenvideos und Artikeln angesagter Online-Zeitschriften stößt eine Tochter im Internet auf eine Hassrede ihres Vaters – einen bekennenden Reichsbürger, der die Bundesrepublik Deutschland und die demokratische Grundordnung ablehnt,“ heißt es in der Ankündigung.

AfD und Pegida spalteten und spalten Familien und Freundeskreise; wird es mit Corona bald ähnlich sein, wenn die einen die staatlichen Maßnahmen autoritär-übertrieben finden und die anderen sich über Lockerungen ausgerechnet beim Fußball aufregen? Wie nah ist man sich noch, wenn die Gesellschaft auseinander driftet, was die eigenen Überzeugungen betrifft? Politische Entfremdung, Kontaktabruch, Kontaktsperre: Erfahrungen mit Distanz machen die Theater gerade auch selbst.

Museums-Tipp

Bald können wir wieder in die großen Museen, aber Hand auf’s Herz: Wann haben Sie dort das letzte Mal minutenlang vor einem Bild gestanden? Die National Gallery in London macht die Probe aufs Exempel und bietet Fünf-Minuten-Online-Bildmeditationen an. Ist nicht das Originalbild, klar, hat aber andere Vorteile. Man kann den Lärm der Welt ausschließen, es sich auf dem Sofa bequem machen, auf Full Screen klicken und sich zum Beispiel in William Turners Bild „Rain, Steam and Speed“ (1844) versenken. Länger geht natürlich auch, es gibt ja eine Stopptaste. Anschließend kann man sich per Zoom in den Bilddetails verlieren, Kunsthistorisches nachlesen und sich den Mitschnitt des Lunchtalks mit der Gallery-Mitarbeiterin und Kunsthistorikerin Christina Bradstreets anschauen (auf Englisch). Das Turner-Gemälde mit der Great Western Railway ist ihr absolutes Lieblingsbild im Museum.

Noch mehr Gallery? Auf einem anderen der zahlreichen intelligent-unterhaltsamen Videos lernt man, wie man Heilige identifiziert. How to spot your saints: Lehrreich nicht nur für Kinder.

[Unsere interaktive Karte mit allen Coronavirus-Zahlen in Deutschland finden Sie hier. Alle aktuellen Entwicklungen in Folge der Coronavirus-Pandemie finden Sie hier in unserem Newsblog. Über die Entwicklungen speziell in Berlin halten wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.]

Film- und Theater-Tipp

Bettina Böhlers auf der Berlinale zu Recht gefeierter Dokumentarfilm „Schlingensief – In das Schweigen Hineinschreien“ gehört zu den zahlreichen Filmen, deren Kinostart wegen Corona auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste. Nun ist er wieder zu sehen, zumindest einen Abend lang: Die Münchner Kammerspiele zeigen – zusammen mit dem DOK.Fest München - in ihrer Reihe „Kammer 4“ das ausschließlich aus Archivmaterial montierte und doch auf eigentümliche Weise intim-gegenwärtige Porträt des großartigen Gesamtkunstwerkers. Ab 20 Uhr, anschließend ist ein Online-Publikumsgespräch mit der Berliner Regisseurin und der Kammerspiele-Dramaturgin Katrina Mäntele angekündigt.


Szene aus "The Vacuum Cleaner" von Toshiki Okada an den Münchner Kammerspielen. Foto: Julian Baumann Vergrößern
Szene aus "The Vacuum Cleaner" von Toshiki Okada an den Münchner Kammerspielen. © Julian Baumann

„Ich will das Leben überzeugen, dass es zum großen Teil inszeniert ist, und das Theater, dass es ohne das Leben überhaupt nicht auskommt“: Schon der in der Ankündigung zitierte Satz von Christoph Schlingensief sorgt dafür, dass man den vor bald zehn Jahren viel zu früh gestorbenen Künstler gleich wieder vermisst.

Klassik-Tipp

Programmwechsel im Pierre Boulez Saal. In der Reihe „Intermission“ ist ab heute um 18 Uhr Daniel Barenboims Schubert-Zyklus aus dem Jahr 2017 zu hören. Der erste Teil bis Samstag, der zweite dann ab Sonntagabend. „Jeder Ton der Melodiestimme hat Kern und Kontur und ist doch mit dem vorausgehenden und folgenden innig verbunden“, hieß es damals zum Auftaktkonzert im Tagesspiegel. Im ergreifenden Thema des Finales der A-Dur-Sonate und im Andantino mit seiner kargen Stimmführung „wird Barenboim seinem Ruf als großer Schubert-Interpret gerecht.“

(Zusammenstellung: chp)

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