Das Gorki zeigt "Kleiner Mann - was nun" und ein Projekt sammelt Vogelkonzerte aus der ganzen Welt

Sylvia Schwartz und Pietro Spagnoli in Herbert Fritschs Inszenierung von "Così fan tutte". Foto: Hans Jörg Michel/Staatsoper Hamburg
Das große Finale der Streaming-Tipps Diese Online-Empfehlungen hat unsere Kulturredaktion für die nächsten Wochen

Streaming-Tipps für Mittwoch, 20. Mai

Klassik-Tipp

Gleich mal das Thema verfehlen: Das hier ist KEIN Streamingtipp. Sondern ein Live-Tipp in Streamingzeiten, der sich guten Corona-Gewissens empfehlen lässt. Der Heimathafen Neukölln plant sein großes Analog-Comeback im Herbst, mit Abstand und Luft. Gleichzeitig hat er seinen schönen Saal ab diesem Mittwoch für das kleinste Konzertformat der Welt zur Verfügung gestellt: „1 Musiker*in, 1 Zuhörer*in, 2 Meter Abstand“ heißt es in der Projektbeschreibung der 1:1 CONCERTS. Es treten auf, auch an anderen Orten wie der Augustinuskirche in Prenzlauer Berg und in der Yuka-Remise in Neukölln: Mitglieder des Orchesters der Deutschen Oper Berlin, von anderen Berliner Orchestern und freien Ensembles. Konzert für eine Person, Slow Music, Werktitel und Komponist werden extra nicht angesagt, toll. Dauert 15 Minuten, welches Instrument man erwischt, ist Zufall. Termine gibt’s bis 22. Mai, weitere sollen folgen, falls alles schon ausgebucht sein sollte. „Eintritt“ frei, um eine Spende für den Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung wird gebeten. Die Stiftung organisiert solche Konzerte an allen möglichen Orten in Deutschland, privaten, kulturellen und Outdoor-Spaces, idese Woche in Berlin. Anmelden unter diesem Link.

Theater-Tipp 1

Mittwoch ist Gorki-Tag. Heute stellt das Berliner Maxim Gorki Theater wieder eine seiner Produktionen ins Netz, diesmal Hans Falladas „Kleiner Mann – was nun“ in der Inszenierung von Hakan Savaş Mican aus dem Jahr 2016. Er nennt sie „Lämmchen“, sie ihn „Junge“. Johannes Pinneberg verliebt sich in die Arbeitertochter Emma, sie wird schwanger, die beiden heiraten, sie ziehen an den Stadtrand, versuchen durchzukommen trotz Arbeitslosigkeit und Geldnot. „Untadeliges Volkstheater auf Augenhöhe mit der Roman-Vorlage“, schrieb Christine Wahl im Tagesspiegel, lobte Dimitrij Schaad als Titelheld mit Anflügen von Selbstironie und Anastasia Gubareva als Emma, die „trittsicher allen erdenklichen Klischeefallen ausweicht“. Das live aufspielende Musiker-Trio Valentin Butt, Lukas Fröhlich und Matthias Trippner, das zu Pinnebergs Überlebenssprints einen gnadenlosen Beschleunigungstakt schlägt, gefiel ihr auch. Ab 18 Uhr für 24 Stunden online.

[Aktuelle Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie finden Sie hier in unserem Newsblog. Die Entwicklungen speziell in Berlin an dieser Stelle.]

Theater-Tipp 2

Schauen wir mal wieder bei den Wiener Festwochen vorbei, die letzte Woche gestartet sind und noch bis 20. Juni ihr umprogrammiertes Festival online anbieten. Um 20.30 Uhr steht das 90-minütige Stück „Farm Fatale“ auf dem Programm, ein Theaterabend des französischen Künstlers und Bühnenbildners Philippe Quesne: „Fünf Vogelscheuchen vermissen die Vögel. Die gibt es nicht mehr. Arbeitslos geworden, beschäftigen sie sich mit Radiomachen und diskutieren gemeinsam über mögliche nächste Ausstrahlungen“, heißt es in der Ankündigung. Die Vogelstimmen kommen vom Band: Der Trailer des in der posthumanen Zukunft spielenden, magischen, auf Heuballen inszenierten Öko-Stücks sieht schön verspielt und verrückt aus.

Aufsteh-Tipp

Apropos Vogelstimmen. Die Menschen bleiben drin, die Natur kehrt zurück: Wegen der Pandemie ließ sich das vielerorts beobachten, selbst in Berlin sangen die Nachtigallen wie nie. Das macht sich das Citizen-Science-Projekt www.dawn-chorus.org zunutze, welches das Naturkundemuseum Bayern und der Stiftung Nantesbuch mit Sitz im Voralpenland Anfang Mai ins Leben gerufen hat. Das Projekt ist inspiriert von Bernie Krause, dem „Vater des Soundscaping“. Bei der Vogelstimmen-Sammelplattform kann jeder mitmachen, selber Morgendämmerungskonzerte der Natur aufnehmen und auf der Webseite uploaden – noch bis Ende des Monats. Das Tolle: Auf der bereits entstandenen Weltkarte kann man sich schon jetzt Vogelgesänge aus aller Welt anhören, zarte Lyrismen aus abendländischen Gefilden genauso wie scharf gewürztes Keckern aus Asien oder Entengeschnatter mit Straßenlärmbegleitung. Einfach auf eins der Fähnchen irgendwo auf der Welt klicken, man erfährt den Aufnahme-Tag, Uhrzeit, Wetter und Habitat und badet im Stimmenmeer.(Zusammenstellung: chp)

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