Am Sonntag war alles live gestreamt, leider ist nichts mehr davon zu sehen

Auch ein Ergebnis der IBA: das Wohnhaus Schlesische Straße 7 in Kreuzberg. Foto: Mike Wolff
Das große Finale der Streaming-Tipps Diese Online-Empfehlungen hat unsere Kulturredaktion für die nächsten Wochen

Streaming-Tipps für Sonntag, 24. Mai

Performance-Tipp

„Wenn der Körper streikt“: Mit dem Performancesolo „Im Loop II“ über Arbeit und Selbstoptimierung, choreografiert am Schreibtisch zwischen Stuhl und Laptop, endet das viertägige Performing Arts Festival Berlin@home. Viola Köster und Ren Saibara haben ihre ursprünglich geplante Performance eigens für die Digitalversion adaptiert. Im Livestream ab 18 Uhr ist Haruka Tomatsu zu sehen, mit der Laptop-Kamera als Begleiter und Kontrolleur der einsamen Arbeiterin. Dabei werden die Zuschauer in die Perspektive der Kamera versetzt, um den Kampf der Solistin mit sich selbst zu verfolgen. Im Anschluss sind die Zuschauenden eingeladen, die Performance in einem Telefongespräch, spazierend mit einer (noch) unbekannten Person nachwirken zu lassen. Dafür bitte vorher auf der Webseite anmelden. Vorher gibt’s um 12 und um 14 Uhr Live-Talks über Handlungsspielräume in Zeiten der extremen Offenheit und über die Kulturlandschaft nach Corona, unter anderem mit dem Politikwissenschaftler Raul Zelik, der Performerin Melanie Jame Wolf, Franziska Werner vom Rat für die Künste und dem Berliner Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert.

Klassik-Tipp 1

Schön, dass das Beethoven-Jahr noch lange nicht zu Ende ist. Kurz vor der Halbzeit lädt das Armida Quartett zur dreiteiligen Livestream-Serie Beethoven On!. Je eine halbe Stunde Beethoven auf den Facebook-Seiten des Quartetts und des Theaters im Delphi in Berlin-Weißensee, wo das Ensemble heute um 21 Uhr mit dem F-Dur Streichquartett Nr. 1 op 18/1 startet. Episode 2 folgt eine Woche später, am Pfingstsonntag, mit der Großen Fuge B-Dur op. 133. Wieder eine Woche später, am 7. Juni ebenfalls um 21 Uhr, wird das eher selten aufgeführte Streichquintett op. 29. zu hören sein, mit Verstärkung der Bratschistin Tabea Zimmermann. Zimmermann hat gerade den Ernst-von-Siemens-Musikpreis gewonnen, den Nobelpreis für die Welt der Klassik. Die Online-Konzerte sind kostenfrei, das Quartett freut sich über eine Spende an den Nothilfefonds der Orchesterstiftung.

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Klassik-Tipp 2

Zum Gedenken an die Toten der Pandemie spielt der Star-Cellist Yo-Yo Ma alle sechs Solo-Cellosuiten von Bach an diesem Sonntag in den Studios des Bostoner Radiosenders WGBH und präsentiert das mit nur einem Tontechniker und von Roboterkameras aufgenommene Solo-Konzert auch auf seinem Youtube-Kanal. Um 15 Uhr Ortszeit geht’s los, das ist 21 Uhr unserer Zeit: zweiweinhalb Stunden Bach, live und ohne Pause. Eigentlich wollte Yo-Yo Ma in diesen Wochen sein 2018 gestartetes „Bach Project“ beschließen. Das Finale seiner weltumspannenden Solo-Suiten-Welttournee mit 36 Stationen auf sechs Kontinenten musste wegen der Pandemie verschoben werden. Die vier letzten Konzerte in Paris, Okinawa, Rio de Janeiro und Istanbul sind nun vorerst ab September bis in den Winter hinein terminiert.



Theater-Tipp

Am 11. März wollten sie anfangen zu proben, just an dem Tag wurde der Spiel- und Probenbetrieb an der Münchner Theaterakademie August Everding auf behördliche Anweisung eingestellt. Regisseur Marcel Kohler, Ensemblemitglied des Deutschen Theaters Berlin, fing sofort an, über eine Online-Version von Thornton Wilders „Wir sind noch einmal davongekommen“ nachzudenken, die Proben auf Skype begannen dann drei Tage später. Die Abschlussinszenierung des Schauspieljahrgangs findet nun in den Wohnungen der Studierenden statt, isoliert voneinander. Dramaturg Peter Sampel schreibt im Blog zur Produktion, dass die Figuren in Wilders Weltuntergangs-Stück aus dem Jahr 1942 von „einer Katastrophe nach der anderen geplagt“ werden, etliche davon seien menschengemacht. Vor der Coronakrise hätten sie dabei „an die Klimakatastrophe gedacht, an den Rechtsruck und die Infragestellung von Demokratien, an Kriege und Spannungen überall in der Welt“. Die Assoziationen mit der eigenen Realität seien eher entfernte gewesen, räumlich oder zeitlich. Durch Corona erfuhr das Projekt „auf eine gespenstische Art und Weise eine ganz neue und eigene Aktualität“. Der Abend, live gestreamt auf nachtkritik.de, startet um 19.25 Uhr mit einer kurzen Stückeinführung.

(Zusammenstellung: chp)

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