Wie alles anfing: Eine Szene aus „Don Vega“. Foto:

Zorro-Neuinterpretation „Don Vega“ Der dunkle Rächer schlägt zurück

Der Franzose Pierre Alary erzählt in „Don Vega“ die Zorro-Saga als ewigen Kreislauf. Das überzeugt vor allem zeichnerisch.

Im Jahr 1919 ließ der Autor Johnston McCulley seinen maskierten Rächer Zorro erstmals in den amerikanischen Pulp-Magazinen gegen Korruption und Gier anreiten. Seitdem wurde der Held mit Mantel und Degen oft und in vielen Medien adaptiert – ab den 1940ern auch im Comic. Nun setzt der französische Künstler Pierre Alary die Herkunftsgeschichte des Verfechters der Gerechtigkeit in „Don Vega“ (Übersetzung Anne Bergen, Splitter-Verlag, 96 S., 19,80 €) neu um.

Eine weitere Szene aus „Don Vega“. Foto: Splitter Vergrößern
Eine weitere Szene aus „Don Vega“. © Splitter

Im Jahre 1848 erhält Don Vega, der auf die Militärakademie in Madrid geht, einen Brief aus seiner kalifornischen Heimat in Übersee. Man teilt ihm mit, dass seine Eltern bei einem angeblichen Unfall gestorben seien und dass der skrupellose General Gomez die Ländereien an sich gerissen habe – so, wie Gomez mit seinen Männern nach und nach die ganze Gegend an der amerikanisch-mexikanischen Grenze übernommen hat.

Also kehrt Don Vega heim, um Rache zu nehmen. Bald schon schenkt die Legende von Zorro den geknechteten Menschen neue Hoffnung, gleichwohl sie dafür in einigen Fällen teuer bezahlen müssen ...

Frank Miller und David Mazzucchelli verankerten 1987 mit „Batman: Das erste Jahr“ die weitfassende, anspruchsvolle Neuinterpretation einer Helden-Herkunftsgeschichte als bis heute genutztes Erzählkonzept im Comic. Es erscheint nur allzu passend, dass die Anfänge von Zorro, der Gothams Fledermausritter inspirierte, von Zeit zu Zeit ebenfalls neu betrachtet werden.

Zum Ansatz des „Ersten Jahres“ gehört auch, dass der Held nicht so oft in seinem typischen, ikonischen Outfit zu sehen ist, wie man das vielleicht erwartet, und auf den Kontext seiner Feuertaufe großen Wert gelegt wird.

Eine Fiktion, die es schon immer gab

Autor Pierre Alary geht sogar so weit, dass er die Grenzen zwischen Origin, Prequel und Sequel mit etwas übertriebener Komplexität verwischt. Dadurch erreicht er, dass die bereits in so vielen Fassungen umgesetzte Saga wie ein Kreislauf wirkt, den es in Zorros eigener Fiktion schon immer gegeben hat – eine echte Mythologie eben.

Das Titelbild des besprochenen Bandes. Foto: Splitter Vergrößern
Das Titelbild des besprochenen Bandes. © Splitter

Erzählerisch kann das nicht komplett überzeugen. Die Zeichnungen entschädigen allerdings. Alary glänzte in der Vergangenheit mit Zeichnungen für die Serien „SinBad“ und „Belladonna“ und als Künstler einer grandiosen Neuinszenierung des Conan-Klassikers „Die Königin der Schwarzen Küste“.

Bei seiner Zorro-Visualisierung fährt Alary den Cartoon- Look etwas zurück, setzt auf einen klareren Strich. Die Schatten in den Panels hat er sogar aufwendig analog mit einem Raster versehen, was man eher aus Mangas kennt.

Zorros Anfänge, Rache und letztlich Rückkehr sind nicht perfekt, aber auf vielen Ebenen interessant und ansprechend genug gestaltet.

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