Freund und Feind: Eine Szene aus „They Called Us Enemy – Eine Kindheit im Internierungslager“. Foto: Cross Cult
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Was George Takei im Internierungslager erlebte Comic des „Star Trek“-Schauspielers für Jugendliteraturpreis nominiert

US-Schauspieler George Takei hat die traumatischen Erfahrungen seiner Familie als Comic verarbeitet. Der wurde jetzt für den Jugendliteraturpreis nominiert.

George Takei ist nicht nur ein erfolgreicher Schauspieler, sondern auch eine Internet-Persönlichkeit und ein unermüdlicher Aktivist, der sich für die amerikanisch-japanischen Beziehungen ebenso einsetzt wie für LGBTQ-Rechte.

Der heute 83-jährige, der als Chefphysiker und Steuermann Sulu auf dem Raumschiff Enterprise in „Star Trek“ berühmt wurde, hat in „They Called Us Enemy – Eine Kindheit im Internierungslager“ (Cross Cult, Hardcover, 210 S., 25 €) einen traumatisierenden Abschnitt seiner Kindheit und Generation verarbeitet.

Denn nach dem Angriff auf Pearl Harbour wurde der 1937 in Los Angeles geborene Takei mit seiner Familie in den Zug gesetzt und in ein Internierungslager auf US-Boden gebracht.

Pauschal als Saboteure, Spione, Verräter und Gegner verurteilt

Soeben wurde der autobiografische Comic beim Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 für den Preis der Jugendjury nominiert. Eine verdiente Würdigung dieser Bildergeschichte über ein düsteres Stück amerikanischer Geschichte – über Rassismus, die Fehler demokratischer Gemeinschaften, Vergangenheitsbewältigung und den hoffnungsvollen Einsatz für eine bessere Welt.

Dass Takei bis heute an die Möglichkeit einer besseren, friedlicheren und gerechteren Welt glaubt, ist umso beachtlicher, wenn man seine Kindheit im Internierungslager berücksichtigt. Ein Schicksal, das Takei und seine Familie zu Beginn des Zweiten Weltkriegs mit 120.000 anderen Japano-Amerikanern teilten, die aufgrund ihrer Herkunft und Wurzeln von der Regierung in Washington pauschal als Saboteure, Spione, Verräter und Gegner verurteilt wurden. Die deshalb hinter Zäune, in Ställe und in Baracken gesperrt wurden und die alles verloren: ihre Existenzen, ihren Besitz, ihre Rechte und ihre Identität. .

Plötzlich Staatsfeind: Eine Szene aus „They Called Us Enemy – Eine Kindheit im Internierungslager“. Foto: Cross Cult Vergrößern
Plötzlich Staatsfeind: Eine Szene aus „They Called Us Enemy – Eine Kindheit im Internierungslager“. © Cross Cult

Takei schildert das im Comic als persönlich betroffener Erzähler, der sich der Gefahr verfälschter Erinnerungen bewusst ist. Zugleich vermittelt er, wie naiv er als Kind teils mit den Ereignissen umgegangen ist oder wie seine Eltern ihn vor Wahrheiten wie dem Atombombenabwurf auf Hiroshima beschützen wollten.

[Unter den Büchern, die in den vergangenen Jahren mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurden, sind auch die Comic-Erzählungen „Im Eisland“ von Kristina Gehrmann und „Der Boxer“ von Reinhard Kleist.]

Takei schrieb den Band zusammen mit den Co-Autoren Justin Eisinger und Steven Scott, die als Redakteure einige Comic-Erfahrung haben. Die Zeichnungen stammen von Harmony Becker, die länger in Japan und Südkorea lebte und unter dem Namen hamini mehrere Webcomics veröffentlichte.

Das Titelbild des besprochenen Buches. Foto: Cross Cult Vergrößern
Das Titelbild des besprochenen Buches. © Cross Cult

Sie illustriert die politischen Hintergründe sowie Takeis Darstellungen und Gedanken in einem leichtherzigen Manga-Stil. Ihre Bilder kommen dank heller Graustufen besonders leicht und licht daher – ein nötiger und funktionierender Kontrast zur inhaltlichen Finsternis.

„They Called Us Enemy“ ist ein gut gemachter, wichtiger Comic zum Thema Rassismus, das keineswegs als Geschichte und als Vergangenheit abgetan werden kann. Schon gar nicht, wenn eine Tat wie der Anschlag im Großraum Atlanta vor wenigen Tagen eine wachsende anti-asiatische Stimmung in den heutigen USA erahnen lässt.

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