Lucky Luke sattelt um: So sieht das vorläufige Cover der regulären Albenausgabe aus. Foto: © Lucky Comics: Lucky Luke and all related marks and characters are trademarks and copyrights of Lucky Comics. Licensed by Lucky Comics. All Rights Reserved – by Mawil
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„Lucky Luke sattelt um“ von Mawil Auf dem Drahtesel durch die Prärie

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Der Berliner Comic-Autor Mawil wird der erste deutsche Zeichner von „Lucky Luke“. Jetzt gibt es erste Bilder von dem Projekt zu sehen.

Seine ersten Zeichnungen von Lucky Luke brachte er als Zehn- oder Elfjähriger zu Papier. In einem Heft, in dem der Ost-Berliner Schüler Markus Witzel Ende der 80er Jahre selbst erdachte Bildgeschichten sammelte, finden sich auch „ein paar ganz frühe Lucky-Luke-Versuche“, wie der heute 42-Jährige sich erinnert.

Inzwischen ist der Zeichner, der auch für den Tagesspiegel arbeitet, unter dem Künstlernamen Mawil ein Star der deutschen Comicszene, mit preisgekrönten Büchern wie der autobiografisch geprägten Mauerfall-Erzählung „Kinderland“ gehört er zu den hierzulande erfolgreichsten Vertretern dieser Kunstform.

Jetzt hat Mawil ein Projekt in Arbeit, das ihn erneut mit jenem Cowboy zusammenbringt, der bekanntermaßen schneller als sein Schatten schießt und seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten europäischen Comicfiguren gehört. Nur diesmal ist es kein Kinderspiel: Mawil wird offizieller Zeichner und Autor eines Lucky-Luke-Albums. Das verkündete der Egmont-Verlag, der die deutschen Rechte an der populären Western-Parodie hält und bislang nach eigenen Angaben mehr als 30 Millionen Alben mit Lucky Lukes Abenteuern verkauft hat, vor kurzem anlässlich der Frankfurter Buchmesse.

Jolly Jumper ist not amused

„Erstmals in der bereits über 70 Jahre andauernden Karriere des Lonesome Cowboy widerfährt einem deutschen Comic-Künstler die Ehre, Lucky Luke zeichnen zu dürfen“, heißt es in der Pressemitteilung. Mit seiner temporeichen Hommage „Lucky Luke sattelt um“, so der Titel des geplanten Albums, werde Mawil dieser Ehre mehr als gerecht.

Jetzt hat der Verlag erste Bilder von Mawils Projekt veröffentlicht, die wir hier zeigen: Das Covermotiv der regulären Albenausgabe von „Lucky Luke sattelt um“ sowie das Cover der limitierten Vorzugsausgabe (mehr dazu auf der Website der Egmont Comic Collection).

Lucky Luke sattelt um: So sieht das vorläufige Cover der Vorzugsausgabe aus. Foto: © Lucky Comics: Lucky Luke and all related marks and characters are trademarks and copyrights of Lucky Comics. Licensed by Lucky Comics. All Rights Reserved – by Mawil
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Die Story wird vom Verlag so zusammengefasst: „Auf einem seiner Ausflüge durch die Prärie landet Lucky Luke unvermittelt in einem Sattel, der ihm fremder nicht sein könnte: im Sattel eines Drahtesels nämlich, in dem er dann gleich auch noch den nordamerikanischen Kontinent durchqueren muss. Klar, dass das seinem eigentlichen Sattelträger Jolly Jumper gar nicht in den Kram passt.“

Die Anregung zu dem Projekt kam vom Verlag, erzählt Mawil dem Tagesspiegel: „Ich wär ja selber nie auf so eine Idee gekommen. Aber ich hab schneller als mein Schatten zugesagt.“ Vor Mawil hat immerhin bereits ein deutscher Comicautor die Abenteuer von Lucky Luke fortgeschrieben: Zwischen 1993 und 1994 verfasst Peter Mennigen die Geschichten für 15 Lucky-Luke-Hefte des Bastei-Verlages. Die Zeichnungen stammten damals allerdings aus dem Studio Ortega in Barcelona.

Für den Tagesspiegel hat Mawil schon Lucky Luke gezeichnet

Dass Mawil so einiges mit dem frankobelgischen Comic-Cowboy verbindet, hat er Tagesspiegel-Lesern schon vor acht Jahren vor Augen geführt. „I’m a Poor Lonesome Cowboy“ hieß ein Comicstrip, den der Zeichner 2010 in dieser Zeitung veröffentlichte – in Anlehnung an den legendären Song, mit dem sich Lucky Luke in der Regel auf dem letzten Panel eines jeden Albums in den Sonnenuntergang reitend verabschiedet. In jenem Strip, wird ein Erlebnis des passionierten Fahrradfahrers Mawil mit einer dramatischen Cowboy-Episode gegengeschnitten – ein erster Vorgeschmack auf das jetzt in Mawils Lucky-Luke-Album wieder benutzte Motiv des Drahtesels, der dem modernen Cowboy wie ein Pferd zur Seite steht.

So hat der Zeichner vor einigen Jahren Lucky Luke in einem Tagesspiegel-Comicstrip verewigt. Illustration: Mawil
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Bei der Arbeit an „Lucky Luke sattelt um“ musste sich Mawil wie andere Zeichner vor ihm an klare Vorgaben im Umgang mit dem Comic-Cowboy halten. Der wurde von dem belgischen Zeichner Maurice de Bevere alias Morris erfunden, hatte 1946 seinen ersten Auftritt und wurde seitdem immer wieder überarbeitet – so ließ sein Verlag den Glimmstängel in seinem Mund vor Jahren aus Gründen des Jugendschutzes durch einen Grashalm ersetzen. „Im Vertrag steht, dass die Geschichte natürlich in den Rahmen des Lucky-Luke-Universums passen muss“, erzählt Mawil. „Also er darf jetzt zum Beispiel nicht wieder anfangen zu rauchen – logisch.“ Aber er dürfe den Cowboy zum Beispiel mit einem Finger weniger zeichnen als üblich, das liege ihm mehr.

Nach seinen bevorzugten Lucky-Luke-Alben gefragt, geht es Mawil wie vielen Comicfans: „Die besten sind ganz eindeutig die Goscinny-Geschichten.“ Morris und der französische Autor René Goscinny hatten sich Anfang der 50er Jahre in New York kennengelernt, ab 1955 bis zu seinem Tod 1977 schrieb Goscinny die Geschichten für Lucky Luke. Noch bekannter wurde der Szenarist allerdings durch eine Serie, die er ab 1959 zusammen mit dem Zeichner Albert Uderzo schuf: „Asterix“. In jenem Jahr begann Goscinny zudem eine von Sempé illustrierte Jugendbuchreihe, die seinen Ruhm auch jenseits der Comicleserschaft mehrte: „Der kleine Nick“.

Aktuell reitet Lucky Luke erstmal durch Paris

„Lucky Luke sattelt um“ soll am 2. Mai 2019 erscheinen. Es ist Teil einer neuen Nebenreihe zur offiziellen Lucky-Luke- Reihe. Während die weiter im klassischen Stil gehaltenen Abenteuer des Comic-Cowboys von dem Franzosen Hervé Darmenton alias Achdé im Stil des 2001 verstorbenen Lucky-Luke-Erfinders Morris gezeichnet werden, sind in separater Aufmachung bislang zwei Hommage-Alben veröffentlicht worden, in denen Zeichner sich freier und origineller mit der Figur beschäftigen durften: das überraschend ernste Album „Der Mann, der Lucky Luke erschoss“ von Matthieu Bonhomme und die etwas zu bemüht-überdrehte Geschichte „Jolly Jumper antwortet nicht“ von Guillaume Bouzard.

Starkes Team. Lucky Luke und sein Pferd Jolly Jumper, hier auf einem Wandbild in Angoulême. Foto: Lars von Törne
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Achdé hat übrigens am heutigen 8. November ein neues Lucky-Luke-Album veröffentlicht: „Ein Cowboy in Paris“. Es ist der nach offizieller Zählung 97. Band der Reihe. In diesem mit aktuellen Anspielungen gespickten Album reist Lucky Luke erstmals nach Europa. Sein Ziel ist Paris, das er als Begleiter eines berühmten Bildhauers besucht: Frédéric-Auguste Bartholdi, dessen bekanntestes Werk die Freiheitsstatue in New York ist.

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Mit seinem Lucky-Luke-Album ist Mawil innerhalb kurzer Zeit der zweite deutsche Comiczeichner, der sich einer frankobelgischen Comic-Ikone annehmen darf. Ende Juli ist das von Flix geschriebene und gezeichnete Album „Spirou in Berlin“ erschienen und führt seitdem die Comic-Bestsellerlisten an. Ähnlich wie bei Flix soll auch Mawils Album zuerst nur in Deutschland erscheinen – danach wollen seine Verleger entschieden, ob das Abenteuer auch in Lucky Lukes Ursprungssprache Französisch veröffentlicht wird.

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