Abgebrüht: Eine Szene aus dem ersten Band von „Karmela Krimm“. Foto: Schreiber & Leser
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Krimi-Comic „Karmela Krimm“ Gangsterjagd im Ramadan

Franck Biancarelli und Lewis Trondheim haben mit „Karmela Krimm“ eine vielversprechende Krimiserie gestartet, die en passant auch soziale Themen behandelt.

Bei der Polizei von Marseille standen Karmela Krimm und ihre Partnerin Alice in dem Ruf, die härtesten Cops der Stadt zu sein. Dann schlugen sie bei einer Razzia über die Stränge, und Karmela nahm die Schuld auf sich, um die Familie ihrer Freundin zu schützen.

Eine weitere Szene aus „Karmela Krimm“. Foto: Schreiber & Leser Vergrößern
Eine weitere Szene aus „Karmela Krimm“. © Schreiber & Leser

Inzwischen arbeitet Karmela als Privatdetektivin. Ihr aktueller Fall: Die reiche Witwe Perrini, deren Mann den Fußballverein Olympique Marseille sowie die Unterwelt der Metropole regierte, will wissen, wer ihren Gatten ermorden ließ.

Perrinis riesiger Bodyguard, der streng gläubige Muslim Tadj, soll Karmela Krimm begleiten und erweist sich als echte Stütze. Und auch Alices junge Tochter Manon, die bei ihrer Schnüffler-Patentante Karmela ein Praktikum macht, mischt mit. Was gefährlich ist, denn die drei bekommen es mit skrupellosen Gangstern, Dealern und Killern zu tun, die sogar Karmelas alten Onkel bedrohen.

Die Idee zur neuen Krimi-Serie „Karmela Krimm“ hatte der französische Zeichner Franck Biancarelli, den man unter anderem für die Fantasy-Serie „Galfalek“ kennt.

Weil er anfangs jedoch das Gefühl hatte, dass seiner Story noch etwas fehlte, zeigte Biancarelli sein Manuskript dem Vielschreiber und Alleskönner Lewis Trondheim – schließlich hatten die beiden kurz zuvor an Trondheims hierzulande noch unveröffentlichter Science- Fiction-Serie „Infinity 8“ zusammengearbeitet.

Inspiriert von Milton Caniff und Alex Raymond

Trondheim, seit Jahrzehnten ein Comic-Superstar und das Genie hinter Titeln wie „Donjon“ und „Herr Hase“, bot daraufhin an, die Geschichte des ersten Albums „Ramadan Blues“ (Schreiber & Leser, 48 S., 14,95 €) umzuschreiben. In der Folge machte er etwa Karmela zur Hauptfigur und zum Ex-Cop (bei Biancarelli war noch Tadj beides gewesen).

Das Titelbild des ersten Bandes von „Karmela Krimm“. Foto: Schreiber & Leser Vergrößern
Das Titelbild des ersten Bandes von „Karmela Krimm“. © Schreiber & Leser

Eine gute Entscheidung. Auch die Darstellung eines modernen, multikulturellen Frankreichs gelingt im ersten Album, wobei Migration, Rassismus und selbst Altersarmut unprätentiös thematisiert werden.

Zeichnerisch orientiert sich Biancarelli eigenen Aussagen zufolge am realistischen Stil amerikanischer Meister wie Milton Caniff und Alex Raymond. Der klare Strich passt zu diesem dreckigen Hardboiled-Krimi, den Kolorist Walter mit satten Farben und einer gewissen Patina abschmeckt.

Die Krimi-Handlung hätte etwas pfiffiger sein können, aber die Chemie zwischen den sympathischen Figuren und das eingebundene Gesellschaftsbild reichen für einen ordentlichen Einstand zwischen „Stumptown“ und „Caroline Baldwin“ - auch wenn man nach der Lektüre Trondheims andere Detektivin Maggy Garrison vermisst.

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