Markante Spürnase: Eine Szene aus „Im Kopf von Sherlock Holmes“. Foto: Splitter
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Krimi-Comic „Im Kopf von Sherlock Holmes“ Im Denkapparat des Detektivs

Cyril Lieron und Benoit Dahan geben mit dem Comic „Im Kopf von Sherlock Holmes“ einen außergewöhnlichen Einblick in die Arbeitsweise des Meisterdetektivs.

Keine andere literarische Figur wurde häufiger adaptiert als Sherlock Holmes, der Meisterdetektiv aus dem viktorianischen London. Holmes, 1886 von Sir Arthur Conan Doyle ersonnen, ist eine Ikone und ein Archetyp, von der Pfeife bis zur siebenprozentigen Kokainlösung gegen die Langeweile.

In der Kombinationsfabrik: Eine Szene aus „Im Kopf von Sherlock Holmes“. Foto: Splitter Vergrößern
In der Kombinationsfabrik: Eine Szene aus „Im Kopf von Sherlock Holmes“. © Splitter

Doyle schrieb 56 Kurzgeschichten und vier Romane, heute gibt es unzählige Filme, TV-Serien, Theaterstücke, Comics, Spiele sowie neue Pastiche-Geschichten anderer Schreibender.

Umso beachtlicher ist die Leistung der beiden Franzosen Cyril Lieron und Benoit Dahan, die mit „Im Kopf von Sherlock Holmes“ (Übersetzung Harald Sachse, Splitter, 96 S., 28 €) einen innovativen Holmes-Comic erschaffen haben, der obendrein genau das tut, was sein Titel verspricht: einen außergewöhnlichen Blick in den Kopf der Deduktionsmaschine gewähren.

Als effizienter Aufhänger dient der Fall eines Arztes, der nur in ein Nachthemd gekleidet durch das Londoner East End irrt. Nein, es handelt sich dabei nicht um Dr. John Watson, den leidgeprüften Mitbewohner, Freund, Sidekick und Chronisten von Sherlock Holmes.

Allerdings ist Dr. Fowler, der Mediziner mit der löchrigen Erinnerung, ein alter Bekannter von Watson, und so bringt ihn ein Polizist in die Baker Street 221B. Holmes und Watson folgen den wenigen Anhaltspunkten, die sie haben. Letztlich führt die Spur zu einem gefährlichen Gegner ...

Die Arbeitsweise von Sherlock Holmes wird seziert

Die Ermittlungen des dynamischen Duos, nicht wie üblich aus Watsons Sicht geschildert, gestatten es Lieron und Dahan, den Verstand und die Arbeitsweise von Sherlock Holmes auf einzigartige Weise zu sezieren und zu betrachten. Sie führen durch seinen Gedächtnispalast und seine Kombinationsfabrik.

Das Titelbild von „Im Kopf von Sherlock Holmes“. Foto: Splitter Vergrößern
Das Titelbild von „Im Kopf von Sherlock Holmes“. © Splitter

Der Comic bietet erzählerische und grafische Mittel wie kein anderes Medium – und die Macher von „Im Kopf von Sherlock Holmes“ nutzen das so oft und so gut wie möglich. Auf üppigen, abwechslungsreich gestalteten Seiten zeigen sie Holmes’ Denkapparat als tatsächliche Maschine, deren Funktionsweise kunstvoll dargestellt und erklärt wird.

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So ergibt sich eine faszinierende Perspektive auf die legendären Schlussfolgerungen des Detektivs und seine übrigen kriminalistischen Kompetenzen.

[Tagesspiegel-Autor Christian Endres ist seit mehr als 20 Jahren begeisterter Holmesianer. Er selbst hat bereits rund 40 Pastiche-Kurzgeschichten und einen Roman mit dem Meisterdetektiv verfasst. Sein neues Buch „Sherlock Holmes und die Tigerin von Eschnapur“ ist vor Kurzem im Atlantis-Verlag erschienen.]

Es sind vor allem Benoit Dahans einfallsreiche, überbordende Layouts, die das Konzept dieser bemerkenswerten Comic-Interpretation des Mythos Sherlock Holmes tragen. Doch obwohl das Räderwerk von Doyles rationalem Detektiv im Fokus steht, kommt die Handlung in der Außenwelt dennoch nicht zu kurz.

„Im Kopf von Sherlock Holmes“ ist bei allen Schikanen stets ein guter historischer Krimi, der sowohl das sherlockianische Wissen wie auch die holmesianische Leidenschaft seiner Schöpfer vermittelt.

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