"Die Stadt war einst das Heiligtum des großen schiitischen Propheten. Sie ist zu einem Marktplatz für Frauen mit sündhaftem Lebenswandel und ihre Freier verkommen", rechtfertigte sich der Mörder. Foto: promo
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"Die Spinne von Maschhad" Biografie eines Massenmörders

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16 Prostituierte erwürgte der Iraner Said Hanai. Nicht nur seine Frau bewunderte ihn dafür. Mana Neyestani hat seine Geschichte aufgeschrieben.

Zwischen Juli 2000 und Juli 2001 ermordete der Maurer Said Hanai 16 iranische Prostituierte, fest im Glauben, Gottes Willen zu folgen. "Die Stadt war einst das Heiligtum des großen schiitischen Propheten. Sie ist zu einem Marktplatz für Frauen mit sündhaftem Lebenswandel und ihre Freier verkommen", rechtfertigte er sich.

Seine Frau und seine Mitbürger bewunderten ihn

In „Die Spinne von Maschhad“ erzählt der iranische Cartoonist Mana Neyestani die Geschichte des Massenmörders, dem nicht nur von seiner Frau, sondern mitunter auch von seinen Mitbürgern Bewunderung entgegengebracht wurde. Anders als der Dokumentarfilm „And Along Came a Spider“ von Mazir Bahari, auf dem das Buch basiert, fiktionalisiert der im Exil lebende Autor jedoch immer wieder Szenen, etwa aus dem Leben der drogensüchtigen Opfer, oder seiner Protagonistin, der Journalistin Roya Karimi Mjad, die Said Hanai vor seiner Hinrichtung interviewte.

Neyastani gewährt dadurch intime Einblicke in selten gezeigte Bereiche der extrem widersprüchlichen iranischen Gesellschaft, die er in schroff schraffierten Schwarz-Weiß-Bildern festhält. Herausgekommen ist eine bewegende Studie über religiösen Fanatismus. Die erschütternde konfrontative Drastik der Filmvorlage erreicht die Umsetzung jedoch nur bedingt.

Das Buch basiert auf dem Dokumentarfilm „And Along Came a Spider“ von Mazir Bahari. Foto: promo
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Mana Neyestani: "Die Spinne von Maschhad“, Edition Moderne, 160 Seiten, 22 Euro

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