Zurück in die Zukunft: Eine Szene aus „Blade Runner 2019“. Foto: Panini
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„Blade Runner 2019“ Zurück in die Zukunft

Moritz Koch

Knapp 40 Jahre nach „Blade Runner“ wird die Geschichte als Comic neu erzählt - mit durchwachsenen Ergebnissen.

Regisseur Ridley Scott erschuf vor fast 40 Jahren eine Welt, welche seitdem erheblichen Einfluss auf sämtliche Science-Fiction-Filme, Serien, Comics und Bücher ausübt. Blade Runner. Der Titel „Blade Runner“ ziert jetzt auch das Cover einer neuen Comicserie.
Allgemein ist dieses Vorhaben, Geschichten älterer Filme in Comics weiterzuerzählen, nicht neu. „Star Wars“ wird seit Ende der 70er immer wieder in Heftform mit Erzählungen bereichert, gleiches gilt auch für die „Alien“-Horrorstreifen, für dessen ersten Teil Ridley Scott ebenfalls verantwortlich war. Nun ist „Blade Runner 2019“ (Panini, zwei Bände, je 116 S., je 15 €) also an der Reihe, das Erbe eines Kultfilms anzutreten. Schafft er das auch?

Eine Mission, die bis ins Weltall führt

In dieser Vision von Blade Runner ist im Jahr 2019 die Welt zur technologischen Dystopie verkommen. Die Gesellschaft verroht, nebenbei ermöglichen experimentelle Durchbrüche die künstliche Herstellung von Menschen. Jene Replikanten werden als Sklaven ausgenutzt. Replikanten, die sich ihrem Ersteller widersetzen oder eine Gefahr darstellen, werden von Blade Runnern – Replikanten jagenden Auftragskillern – gejagt.

Eine weitere Seite aus „Blade Runner 2019“. Foto: Panini Vergrößern
Eine weitere Seite aus „Blade Runner 2019“. © Panini


Detektivin Aahna Ashina, kurz „Ash“, ist eine solche Blade Runner. Sie verfolgt Replikanten für das Los Angeles Police Department. Ihre Reputation eilt ihr wegen hoher Erfolgsquoten voraus, deshalb wird sie schon auf den ersten Seiten für eine unübliche Mission engagiert.

Nach einer Geburtstagsparty werden eine Frau und ein Kind vermisst, nun soll Ash diejenige sein, welche die beiden aufspüren und zu einem der einflussreichsten Männer Los Angeles zurückbringen soll. Abzusehen sind die Ausmaße noch nicht, welche die Figuren sogar ins Weltall befördern.

Eine sich immer mehr manifestierende Leere

Spätestens beim Lesen des ersten Bandes bestätigt sich: Die Comicserie erzählt mit anderen Figuren die Handlungen von „Blade Runner“ und dem Nachfolgerfilm „Blade Runner 2049“ nach. Auf die existenzialistische Frage, wer eigentlich menschlicher sein könnte, künstlich hergestellte Intelligenzen oder tatsächliche Menschen, bekommt der Leser daher keine neue Antwort, sondern die alte aus den Filmen.

Das Titelbild des zweiten Bandes der besprochenen Reihe. Foto: Panini Vergrößern
Das Titelbild des zweiten Bandes der besprochenen Reihe. © Panini

Ash muss menschlich sein. Nicht, weil sie es wahrhaftig ist, sondern weil sie es von ihren Autoren aufgezwungen bekommt. Ihre tragische Vergangenheit und ihr Elend zu Beginn des ersten Bandes halten nur als Minimum für die kommende Charakterentwicklung her, damit fehlt es der Figur auch an feinfühligem Profil.

Während der von Harrison Ford gespielte Detektiv Rick Deckard in dem 1982 erschienenen Film noch von Minute zu Minute komplexer, faszinierender und aussagekräftiger wirkt, ist die neue Hauptfigur der Autoren Michael Green und Mike Johnson im Comic mit einer sich immer mehr manifestierenden Leere gefüllt.

Geistreiche Gedankenkästchen verleihen für einen Wimpernschlag zwar einigen Figuren Tiefe, die mit ihnen verbundenen Entwicklungen stehen damit auch im Einklang, sind aber in ihrer Plötzlichkeit unglaubwürdig.

Eine Erweiterung, keine Bereicherung

Zudem schaffen die Zeichnungen von Andrés Guinaldo es nur äußerst selten, die visuelle Brillanz beider Filme aufzunehmen. Guinaldos austauschbarer Stil bleibt hinter seinen filmischen Vorbildern zurück - gleiches gilt für die neuen Figuren und für weite Strecken der Erzählung.

Trotzdem sorgen neue Schauplätze der pessimistischen Welt für ein Verlangen danach, den Klassiker und seine Fortsetzung ein weiteres Mal im Heimkino zu sehen. Immerhin. Somit bleibt „Blade Runner 2019“ lediglich eine Erweiterung und stellt im Gegensatz zu einigen „Star Wars“-Comics keine Bereicherung der Filme dar.

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